Kanaren fordern Ende der Migrations-Tragödie

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Las Palmas

Kanaren fordern Ende der Migrations-Tragödie

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Sterben als Routine: Kanaren brechen unter Migrationsdruck

Drei Tote am Wochenende, 238 unbegleitete Minderjährige allein im Oktober – und eine Regierung in Madrid, die wegschaut. Die Kanarischen Inseln sind nicht länger bereit, das Sterben im Atlantik als Kollateralschaden einer verfehlten EU-Migrationspolitik zu akzeptieren. Der Sprecher der Regionalregierung, Alfonso Cabello, hat dem Staat nun unmissverständlich die Leviten gelesen: Schluss mit dem Gerede, her mit einer „entschlossenen und endgültigen" Antwort.

Rekordzahlen als Anklage

Die nackten Zahlen sind eine einzige Anklage gegen die Untätigkeit der Zentralregierung. Wie die Regionalregierung mitteilt, sind im laufenden Oktober bereits 2.308 Menschen auf den Kanaren angekommen – ein Anstieg von 185 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Schon im September lag das Plus bei alarmierenden 172 Prozent. Besonders bitter: Unter den Neuankömmlingen befinden sich 629 Minderjährige, die ohne Eltern die gefährliche Seereise gewagt haben. Insgesamt müssen die Behörden derzeit 2.614 junge Menschen versorgen – eine Lage, die Cabello als „komplett unhaltbar" bezeichnet. Wer angesichts dieser Zahlen noch von einer „Entlastung" der Inseln spricht, hat die Realität längst aus den Augen verloren.

Der Norden schweigt, El Hierro begräbt

Während in Madrid weiterhin über Kompetenzen und Zuständigkeiten gestritten wird, sterben vor der Küste El Hierros weiter Menschen. Cabello macht deutlich, dass sich die Inselbewohner nicht an das wöchentliche Begräbnis unbekannter Toter gewöhnen dürfen. Die Route sei „offen und fordert täglich Todesopfer", so der Vizepräsident. Es sei beschämend, dass die Kanaren die humanitäre Krise weiterhin „im Alleingang" bewältigen müssten, während andere Grenzregionen wie Ceuta und Melilla ebenso im Stich gelassen würden.

Die Kanarischen Inseln sind nicht das Problem, sondern der sichtbarste Beweis für das Scheitern einer gesamten europäischen Politik. Die Regierung in Madrid muss endlich handeln, statt sich in ideologischen Grabenkämpfen zu verlieren. Es geht nicht um linke oder rechte Symbolpolitik – es geht um Menschenleben. Wer jetzt weiter zaudert, macht sich mitschuldig an der nächsten Tragödie im Atlantik.


Quelle: europapress.es

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