Junge Spanier: Wohnen wird zur Utopie

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Junge Spanier: Wohnen wird zur Utopie

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Der Traum vom eigenen Zuhause: Für viele junge Spanier bleibt er unerfüllt

Die Zahlen zeichnen ein klares Bild: Knapp 45 Prozent der Spanier zwischen 26 und 34 Jahren wohnen noch im Hotel Mama. Laut der aktuellen Lebensbedingungen-Erhebung des spanischen Statistikamts INE ist der Hauptgrund nicht etwa fehlende Lust auf Selbstständigkeit, sondern schlichtweg das Geld. Über ein Drittel (34,6 Prozent) gibt an, sich keine Mietwohnung leisten zu können, weitere 12,7 Prozent scheitern am Kauf einer Immobilie.

Besonders deutlich wird die Misere beim Blick auf die Gesamtgruppe der 18- bis 35-Jährigen: Mehr als zwei Drittel (67,1 Prozent) leben noch bei ihren Eltern. Bei den Jüngeren zwischen 18 und 25 Jahren spielt allerdings auch die Bequemlichkeit eine Rolle – über die Hälfte hat den Auszug schlicht noch nicht in Angriff genommen.

Der radikale Wandel: Vom Käuferland zur Mietnation

Vor zwanzig Jahren sah die Welt noch völlig anders aus. Im Jahr 2005 besaß mehr als die Hälfte der unter 30-Jährigen (53,6 Prozent) eine eigene Immobilie, nur rund 31 Prozent mieteten. Diese Verhältnisse haben sich spektakulär gedreht. Der Wendepunkt markiert das Jahr 2012: Seitdem ist Mieten die dominierende Wohnform für die junge Generation. Aktuell leben nur noch 30,6 Prozent der Unter-30-Jährigen in den eigenen vier Wänden, während die Quote der Mieter auf fast 50 Prozent gestiegen ist.

Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine anhaltende Verschiebung. Selbst bei den 30- bis 44-Jährigen hat sich die Mieterquote seit 2006 nahezu verdoppelt: von 17,1 auf 32,1 Prozent.

Eine Generation ohne Eigentum

Die Zahlen zum Immobilienbesitz lesen sich wie eine Chronologie der Enteignung einer ganzen Generation. 2007, auf dem Höhepunkt der Immobilienblase, besaßen noch 58,1 Prozent der unter 30-Jährigen ein Haus oder eine Wohnung. Heute ist diese Quote auf 30,6 Prozent abgestürzt. Auch bei den 30- bis 44-Jährigen ist der Rückgang eklatant: Lag die Eigentümerquote 2007 noch bei 74,3 Prozent, sind es heute nur noch 53,1 Prozent.

Bemerkenswert ist die Entwicklung bei den älteren Generationen: Die Gruppe der 45- bis 64-Jährigen verzeichnete nur einen moderaten Rückgang von 85,9 auf 75 Prozent. Bei den Über-65-Jährigen stieg die Eigentumsquote sogar leicht auf 88,2 Prozent an. Die Schere zwischen den Generationen wird also immer größer.

Die Mauer aus Geld: Warum Umzüge scheitern

Die Kosten sind der größte Hemmschuh für Wohnungswechsel – und das in allen Altersgruppen. Fast 70 Prozent der Spanier nennen überhöhte Preise als Haupthindernis. Besonders stark betroffen sind die 30- bis 44-Jährigen, von denen über 70 Prozent auf einen Umzug verzichten, weil es schlicht zu teuer ist.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Kriterien der Vermieter und Banken werden immer strenger. Neben den Preisen spielen auch fehlende Arbeitsplatzstabilität und unsichere Einkommensverhältnisse eine entscheidende Rolle. Bei den unter 30-Jährigen scheitern deshalb 9,3 Prozent an den formalen Hürden, wenn sie eine Wohnung mieten oder kaufen wollen. Die spanische Immobilienkrise ist damit längst nicht nur ein Problem des Marktes, sondern ein gesellschaftliches Phänomen, das die Zukunft einer ganzen Generation prägt.

Wie das Statistikamt INE in seiner aktuellen Erhebung festhält, sind die wirtschaftlichen Barrieren so hoch wie nie zuvor, wodurch die Unabhängigkeit der jungen Bevölkerung massiv eingeschränkt wird.


Quelle: europapress.es

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