
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Granadas Beben hinterlassen 174-Millionen-Bilanz
Ein Riss durch den Alltag
Während die Erde unter der Metropolregion Granada weiter bebt, wird das wahre Ausmaß der Katastrophe in nackten Zahlen sichtbar. Der staatliche Versicherungskonzern Consorcio de Compensación de Seguros (CCS) verzeichnet eine Flut von Anträgen, die an Deutlichkeit nicht zu übertreffen ist. Über 63.000 Haushalte und Unternehmen haben bis Ende September Schadensersatz gefordert. Die vorläufige Bilanz: mehr als 174 Millionen Euro Schaden. Das ist keine Bagatelle, das ist eine wirtschaftliche Zäsur für die Region.
Die Wohnungsfrage als Epizentrum des Schadens
Wie zu erwarten, trifft es die Menschen dort, wo sie leben. Privatwohnungen und Hausgemeinschaften sind das Herzstück der Krise. Fast 59.000 Anträge entfallen auf diesen Sektor – das sind rund 94 Prozent aller Meldungen. Für mehr als 11,6 Millionen Euro haben die Versicherer bereits ausgezahlt. Die restlichen Kategorien – vom Ladenlokal bis zur Industrieanlage – wirken dagegen fast wie ein statistisches Anhängsel. Doch genau diese Zahlen offenbaren die ganze Dramatik: Es geht nicht um ein paar Risse in der Fassade, es geht um beschädigte Existenzen.
Wer jetzt noch zögert, seinen Schaden zu melden, dem sei gesagt: Der CCS hat klargestellt, dass auch verspätete Anträge bearbeitet werden. Die gesetzliche Sieben-Tage-Frist ist kein Hindernis. Eine gute Nachricht in einem ansonsten düsteren Szenario – doch sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wiederaufbau Jahre dauern wird.
Die geografische Härteprobe
Die Verteilung der Schäden liest sich wie eine Landkarte des Schreckens. Granada-Stadt ist mit über 32.000 Anträgen das unumstrittene Zentrum der Zerstörung. Armilla, Ogíjares und Churriana de la Vega folgen mit Tausenden von Meldungen. Die Beben machen vor Provinzgrenzen keinen Halt: Auch in Jaén, Málaga und sogar bis nach Melilla reichen die Ausläufer. Das ist keine lokale Randnotiz, sondern eine gesamte Region, die unter den seismischen Erschütterungen stöhnt.
Kritik an der aktuellen Versicherungspraxis ist angebracht. Zwar sind Erdbeben durch den Fonds für außergewöhnliche Risiken abgedeckt – aber nur, wer eine gültige Police besitzt. Wer in den betroffenen Gebieten ohne Versicherungsschutz lebt, steht buchstäblich vor den Trümmern seiner Existenz. Die zuständigen Behörden wären gut beraten, die Betroffenen nicht mit Formularen und Wartezeiten allein zu lassen. Es braucht unbürokratische Hilfe, keine Paragrafenreiterei.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Versprechen der Politik mehr sind als heiße Luft. Die Perito-Prüfungen laufen, die ersten Zahlungen sind geflossen. Doch bei über 60.000 offenen Fällen ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Basierend auf Informationen des Consorcio de Compensación de Seguros, wie sie Europa Press berichtet.
Quelle: europapress.es