
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Eine Niere, drei Leben: Altruistische Spende startet Transplantationskette
Ein einziger Akt der Großzügigkeit hat weit über die Grenzen der Kanarischen Inseln hinaus Wirkung gezeigt: Im Universitätsklinikum der Kanaren (HUC) in La Laguna ist eine Kette von gekreuzten Nierentransplantationen angestoßen worden, an der sich mehrere Krankenhäuser auf dem spanischen Festland beteiligten. Koordiniert wurde der komplexe Ablauf von der Nationalen Transplantationsorganisation (ONT).
Den Anfang machte ein Mann aus Gran Canaria, der sich entschied, anonym eine Niere zu spenden. Diese altruistische Geste ermöglichte es, ein System aus mehreren Spender-Empfänger-Paaren zu verketten, die aufgrund von Unverträglichkeiten nicht direkt füreinander spenden konnten. Durch die geschickte Vernetzung der Paare konnte am Ende nicht nur einem, sondern gleich drei Patienten ein lebensrettendes Organ vermittelt werden.
Logistische Meisterleistung im Gesundheitswesen
Die Durchführung solcher Transplantationsketten gleicht einer logistischen Meisterleistung. Da jeder Eingriff synchronisiert ablaufen muss, war die enge Abstimmung zwischen den medizinischen Teams, Chirurgen, Transplantationskoordinatoren und der Logistikabteilungen der beteiligten Häuser entscheidend. Nur so konnte die Sicherheit aller Spender und Empfänger zu jedem Zeitpunkt gewährleistet werden. Wie das Krankenhaus bei einer Pressekonferenz mitteilte, waren neben dem HUC zwei weitere Kliniken auf der Halbinsel in den Prozess involviert.
Ein System mit wachsender Bedeutung
Die Idee hinter dem gekreuzten Nierentransplantat ist nicht neu, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. In Ländern wie Südkorea, den Niederlanden, Großbritannien oder den USA wird dieses Verfahren bereits seit Jahrzehnten erfolgreich angewandt, da dort die Zahl der Spenden nach dem Tod geringer ist. In Spanien hat die ONT das Programm zur Lebendspende – auch aufgrund der guten Ergebnisse und der wenig invasiven Entnahmetechnik – seit 2008 gezielt ausgebaut.
Der Clou an einer Kette mit altruistischem Spender: Eine einzelne anonyme Person kann eine Reaktion auslösen, die mehrere weitere Transplantationen ermöglicht. Statistiken der ONT zeigen, dass bis Ende September in Spanien und im Austausch mit Portugal und Italien bereits 387 gekreuzte Lebendspende-Transplantationen durchgeführt wurden. 28 altruistische Spender sorgten auf diese Weise für insgesamt 92 Transplantationen. Auf den Kanarischen Inseln haben nach Angaben der Gesundheitsverwaltung bereits zwei Personen solche Ketten ausgelöst.
Der Nutzen einer Lebendspende ist medizinisch belegt: Die Organe und Patienten überleben im Schnitt länger als bei Spenden Verstorbener. Zudem kann der Eingriff oft vor dem Beginn einer notwendigen Dialyse erfolgen. Das HUC blickt auf eine lange Tradition zurück: Seit 1981 wurden dort 3.521 Nierentransplantationen durchgeführt, allein in diesem Jahr kamen 81 hinzu, sieben davon mit Organen von Lebendspendern.
Quelle: europapress.es