
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Die Warnung einer fast Erblindeten
Die Beobachtung einer Sonnenfinsternis hat Mercedes López Romero fast das Augenlicht gekostet. Die 45-jährige Physiotherapeutin und frühere Abgeordnete von Ciudadanos im andalusischen Parlament warnt deshalb eindringlich davor, das Himmelsereignis zu beobachten – nicht einmal mit Schutzbrille. Wenn Kinder beteiligt seien, gelte das umso mehr, sagte sie der Nachrichtenagentur Efe.
Ein folgenschwerer Wettstreit
López wuchs in Dalías in der Provinz Almería auf. Mit acht Jahren versteckte sie sich während einer Sonnenfinsternis mit anderen Kindern im Schulhof ihrer Schule, um ungestört in die Sonne zu schauen. Die Erwachsenen hielten sich abseits und schützten ihre Augen. „Wir machten einen Wettstreit daraus, wer am längsten durchhält“, erinnert sich López. Sie hielt am längsten stand. Ihre zwei Jahre jüngere Schwester und die anderen Kinder schauten kürzer und blieben ohne Schäden.
Zunächst schien alles harmlos. Erst mit 14 Jahren bemerkte López im Unterricht, dass sie Zahlen an der Tafel nicht mehr zuverlässig erkennen konnte. Ein Augenarzt identifizierte Verbrennungen an der Netzhaut und fragte, ob sie längere Zeit nach oben geschaut habe. Die Antwort bestätigte den Zusammenhang.
Späte Diagnose, fortschreitender Verlust
Die ärztliche Prognose war ernüchternd. Mit 17 Jahren wurde López mitgeteilt, dass sie keinen Führerschein werde machen können. Den Wunsch, Medizin oder Krankenpflege zu studieren, gab sie wegen ihrer Sehbehinderung auf. Mit 18 trat sie der Blindenorganisation ONCE bei und studierte an deren Schule Physiotherapie – den Beruf, den sie heute ausübt.
Der Sehverlust ist bis heute nicht zum Stillstand gekommen. López leidet unter einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht, trägt fast immer eine Sonnenbrille, auch in Innenräumen. Fernseh- und Handybildschirme nutzt sie ganz ohne Helligkeit und Kontrast. „Ich sehe immer wie durch Nebel“, beschreibt sie ihre Wahrnehmung. Farben könne sie kaum noch unterscheiden und verwechsle sie ständig. Operieren lasse sich ihre Schädigung nicht, da Nervengewebe in der Makula betroffen sei.
Warnung an Eltern
López blickt mit Sorge auf die Menschen, die die bevorstehende Sonnenfinsternis zum Anlass für Ausflüge nehmen. „Ich habe Angst zu sehen, wie Leute das mit Kindern beobachten; sie sind sich der Gefahr nicht bewusst“, sagte sie. Sie spricht aus eigener Erfahrung: Ein einziger Moment ohne ausreichenden Schutz habe ihr Leben verändert.
Später war López in der Politik aktiv. In der Generaldirektion für Behinderung übernahm sie Verantwortung für die Belange von Menschen mit Behinderung. Diese Aufgabe erfordere „gelebte Empathie“, sagte sie. Das Ende von Ciudadanos nannte sie ungerecht: Die Partei habe als Kraft der Mitte viel gegeben, mit Menschen aus der Zivilgesellschaft, mit Werten und Ehre.
Die Angaben stammen aus einem Interview mit der Nachrichtenagentur Efe, das 20 Minutos veröffentlicht hat.
Quelle: 20minutos.es