Caritas prangert Normalisierung von Elendsquartieren an

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Las Palmas

Caritas prangert Normalisierung von Elendsquartieren an

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Skandal namens Wohnungspolitik

Während die Politik gerne von sozialer Wärme spricht, frieren die Realitäten auf der Straße. Die Diözesan-Caritas der Kanarischen Inseln zieht eine bittere Bilanz: 1.604 Menschen ohne Obdach wurden allein in diesem Jahr in der Provinz Las Palmas betreut. Das sind nicht bloß Zahlen – das ist das Eingeständnis eines kollektiven Versagens.

Die Wucht dieser Bilanz entfaltet sich vor dem Hintergrund des Tags der Obdachlosen am 25. Oktober. Unter dem Motto „Ein Zuhause ist mehr als ein Ort zum Leben" macht die Organisation deutlich, was in Spanien oft unter den Teppich gekehrt wird: Wer kein Dach über dem Kopf hat, wird systematisch ausgegrenzt – vom Arbeitsmarkt, vom Gesundheitssystem, vom gesellschaftlichen Leben.

Wenn Nein zur Normalität wird

Wer glaubt, es handele sich um eine Randerscheinung, irrt gewaltig. Die Caritas beklagt eine gefährliche Entwicklung: Überfüllte Abstellkammern als „Schlafzimmer", Wohnungen ohne Strom und Wasser, illegale Siedlungen, ein Leben im Auto oder in Caravans – all das werde zunehmend als gegeben hingenommen. Dazu kommen Mietverträge, die keinerlei Rechtssicherheit bieten und Bewohner zu modernen Tagelöhnern des Immobilienmarktes degradieren.

Maria Eugenia Rocha, Leiterin des Wohnungsbereichs, bringt es auf den Punkt: Diese Krise sei weder neu noch vorübergehend. Sie vergiftet alles – den Zugang zu Arbeit, Bildung und sozialer Teilhabe. Ein Skandal, den eine Gesellschaft eigentlich nicht dulden dürfte.

Die Scham der Statistik

Die Zahlen lesen sich wie ein Bericht aus einem Failed State. Fast ein Drittel der Betroffenen lebt seit über fünf Jahren auf der Straße – die Chronifizierung schreitet voran. 77 Prozent sind arbeitslos, die gesundheitlichen und psychischen Folgen sind verheerend. Drogenkonsum und soziale Isolation sind keine Randnotizen, sondern Systemfolgen.

Besonders perfide ist die Situation der Frauen. Sie tauchen in den Statistiken mit 19 Prozent auf, bleiben aber unsichtbar – sie verstecken sich in improvisierten und versteckten Unterkünften, aus Angst vor körperlicher und sexueller Gewalt. Das ist keine private Tragödie, das ist strukturelles Versagen.

Migranten als Sündenböcke der Krise

Die Realität sprengt jede Willkommenskultur-Rhetorik: Sieben von zehn betreuten Familien besitzen eine Nicht-EU-Staatsbürgerschaft, vier von zehn Obdachlosen sind Migranten. Die Caritas scheut nicht davor zurück, den Zusammenhang klar zu benennen: Die Migrationsbedingung verschärft die Wohnungsnot erheblich.

Die Schlussfolgerung kann daher nur eine sein: Die Wohnungsfrage muss endlich ins Zentrum der Politik rücken. Die Forderung der Caritas ist eindeutig – es braucht eine stabile, sichere und angemessene Unterkunft für alle. Und zwar nicht als Almosen in Krisenzeiten, sondern als Grundrecht. Alles andere ist nichts anderes als die Zementierung eines Zweiklassensystems, das sich längst überlebt hat.

Quelle: Europa Press


Quelle: europapress.es

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