
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Baskenland setzt auf Impfstraßen ohne Termin
Mehr Tempo, weniger Hürden: Die neue Waffe gegen die Atemwegs-Saison
Wieder einmal steht sie vor der Tür, die Zeit der Schniefnasen, kratzenden Kehlen und überlasteten Arztpraxen. Doch das Baskenland will sich diesmal nicht in Schicksalsergebenheit üben. Mit einer bemerkenswerten Offensive startet die Regionalregierung ihre Impfkampagne gegen Grippe und Covid-19. Das Ziel ist klar: niedrigschwellig, unbürokratisch und vor allem schnell. Die Devise lautet nicht länger, den Bürger zum Impfen zu überreden, sondern ihm den Weg dorthin so einfach wie möglich zu machen.
Der Clou in diesem Jahr sind die sogenannten 'Txertogunes', Impfstraßen, die es zum ersten Mal flächendeckend in allen drei baskischen Provinzen geben wird. Wer zu den empfohlenen Risikogruppen gehört, kann dort einfach vorbeikommen – ganz ohne lästige Terminvereinbarung, ohne stundenlanges Warten in der Telefonschleife. Von Mitte Oktober bis Anfang November öffnen diese speziellen Zentren ihre Türen, in denen nicht nur der Piks gegen die Grippe gesetzt wird, sondern auch die Corona-Auffrischung und Impfungen für Kinder ab einem Alter von sechs Monaten möglich sind. Das ist gelebte Pragmatik.
Appell an die Vernunft der Berufsgruppen
Die eigentliche Hauptlast der Kampagne tragen jedoch die Hausärzte und ihre Teams. Sie sind das Fundament des Systems. In den Gesundheitszentren von Durango, Vitoria und San Sebastián wird deutlich gemacht, dass es nicht nur um das Verabreichen von Spritzen geht. Es geht um Aufklärung, um das Identifizieren derer, die den Schutz am dringendsten brauchen, und um das Beantworten lästiger Fragen. Der baskische Gesundheits-Vizekonsequent Gontzal Tamayo bringt es auf den Punkt: "Cuidarte también es cuidar. Vacúnate" – Sich um dich zu kümmern bedeutet auch, sich um alle zu kümmern. Impf dich.
Ein besonderer Appell richtet sich an das medizinische und pflegerische Personal. Tamayo lässt keinen Zweifel daran, dass deren Impfung keine Privatangelegenheit ist, sondern eine Frage der Solidarität und der Systemstabilität. Wer sich impfen lässt, schützt sich selbst, schützt seine Patienten und hält das Gesundheitssystem in den stressigen Monaten der Viruswellen funktionsfähig. Dieser Verantwortung kann sich niemand entziehen, der jeden Tag mit den Verletzlichsten der Gesellschaft arbeitet.
Ein Modell mit Signalwirkung
Seit dem 1. Oktober läuft die Terminvergabe für alle, die zur Zielgruppe gehören: Über 60-Jährige, Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere, Kleinkinder und natürlich das medizinische Personal. Der Gang zur Hausarztpraxis bleibt der Königsweg, doch die neuen Impfstraßen sind das i-Tüpfelchen. Sie entlasten die Praxen und sorgen dafür, dass während der erwarteten Infektionswelle weiterhin ausreichend Kapazitäten für die reguläre Versorgung bleiben. Das ist mehr als nur organisatorische Feinjustierung – es ist eine Ansage.
Das Baskenland zeigt damit, wie man aus den Lehren der Pandemie praktische Konsequenzen zieht. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, wird das Modell der Terminfreiheit nun nicht mehr nur als Pilotprojekt erprobt, sondern als fester Bestandteil der Kampagnenstrategie etabliert. An Standorten von Bilbao bis Eibar, von Gasteiz bis Irun können die Menschen die Impfung in ihren Alltag integrieren, statt ihre Pläne der Bürokratie unterzuordnen.
Kritiker mögen einwenden, dass ein Angebot noch lange keine hohe Impfquote garantiert. Richtig ist: Überzeugungsarbeit wird weiterhin nötig sein. Doch dieses Modell sendet das richtige Signal. Es macht den Menschen das Impfen leicht, anstatt sie mit Hindernissen zu konfrontieren. In einer Zeit, in der jede Impfung zählt, ist das ein starkes Zeichen gegen die Impfmüdigkeit. Andere Regionen sollten genau hinschauen.
Quelle: europapress.es