Aufschub für Francisca: Räumung in Marbella verschoben

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Marbella

Aufschub für Francisca: Räumung in Marbella verschoben

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Sieg auf Raten

Francisca Carmona atmet auf – vorerst. Die 74-Jährige, deren Haus 1992 unter Bürgermeister Jesús Gil dem Erdboden gleichgemacht wurde, sollte am 28. Oktober ihre Wohnung räumen. Doch nun hat das Gericht in Marbella die Zwangsräumung bis zum 1. Dezember ausgesetzt. Ein Erfolg? Vielleicht. Aber einer, der bitter nachhallt, denn er zeigt, wie wenig sich in über drei Jahrzehnten für diese Frau geändert hat.

Eine Chronik des Versagens

Die Geschichte von Francisca ist exemplarisch für den Umgang der spanischen Kommunalpolitik mit den Schwächsten. 1990 kaufte sie mit ihrem verstorbenen Mann ein Haus im Viertel La Florida – für umgerechnet knapp 11.000 Euro. Zwei Jahre später ließ der damalige Bürgermeister Jesús Gil das gesamte Areal abreißen, um "marginale Zonen" zu beseitigen. Während andere Betroffene damals Wohnungen erhielten, wurde Francisca mit Provisorien abgespeist: dreimal wurde sie seither umquartiert, zuletzt vor zwölf Jahren in eine Wohnung im Stadtteil Plaza de Toros, die sich später als Eigentum der Baufirma Niesa Nueva Inmobiliaria Española herausstellte – nicht als städtische Wohnung, wie angenommen.

Die Stadtverwaltung hat über all die Jahre ihre Verantwortung schlicht ignoriert. Statt Francisca eine dauerhafte Bleibe zu garantieren, überließ man sie einem rechtlichen Schwebezustand, der nun beinahe in einer Zwangsräumung geendet hätte. Dass es dazu nicht kam, ist allein der momentanen Verhandlungsbereitschaft der Eigentümerfirma und dem Druck der Öffentlichkeit zu verdanken – nicht etwa der Weitsicht der Behörden.

Versprechen statt Lösungen

Der zeitliche Aufschub ist an eine Bedingung geknüpft: Die Stadtverwaltung, angeführt von Bürgermeisterin Ángeles Muñoz, will bis zum 1. November eine Lösung präsentieren. Das Gericht gewährt "einen Monat Gnadenfrist", wie es aus Prozesskreisen heißt. Doch was bedeutet das konkret? Bisher gab es nur Lippenbekenntnisse: Man arbeite "an allen möglichen Lösungen", die Frau solle in ihrer Wohnung bleiben können "wenn sie das wolle". Das ist keine Politik, sondern ein Appeasement auf Zeit.

Dabei wäre die Lösung simpel: Francisca braucht einen Rechtsanspruch auf die Wohnung, nicht die Gnade einer privaten Baufirma. Dass sich eine 74-jährige Frau, die durch städtischen Raubbau ihr Eigentum verlor, auf Verhandlungen zwischen einer Gemeinde und einem Immobilienunternehmen verlassen muss, ist ein Armutszeugnis. Die Familie zeigt sich dennoch zuversichtlich: Die Bürgermeisterin persönlich habe sich eingeschaltet, Francisca sei "sehr, sehr glücklich". Verständlich – aber diese Freude könnte trügerisch sein, denn die Frist bis Dezember ist keine Garantie, sondern nur ein weiterer Befristungsakt in einem jahrzehntelangen Trauerspiel.

Der Zynismus der Verwaltung

Kritisch gefragt: Warum geriet dieser Fall überhaupt in diese Sackgasse? Die Stadt Marbella hätte längst eine Entschädigung oder angemessenen Wohnraum bereitstellen müssen. Stattdessen wurde Francisca von einer Interimslösung zur nächsten weitergereicht, bis der Zufall – oder das Engagement eines Rechtsanwalts – eine Firma ins Spiel brachte, die nun über das Schicksal einer alten Frau verhandelt. Das ist ein Skandal, den Sonntagsreden nicht übertünchen.

Die erneute Verschiebung ist also zwiespältig: Sie gibt Francisca Zeit, aber sie verlängert auch die Unsicherheit. Wenn die Stadt bis zum 1. November nicht liefert – und die bisherige Bilanz spricht dafür –, steht die 74-Jährige im Dezember vor demselben Problem. Es bleibt zu hoffen, dass der öffentliche Druck diesmal ausreicht. Doch der Fall zeigt: Wer in Spanien einer kommunalen Willkür zum Opfer fällt, kämpft oft sein ganzes Leben lang um das, was ihm ohnehin zusteht.

Wie die spanische Tageszeitung SUR berichtet, wurde die Räumung durch die Vermittlung des Rathauses und Gespräche mit der Eigentümerfirma Niesa vorerst gestoppt.


Quelle: diariosur.es

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