Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Andalusien nach der Wahl: Ein politisches Beben mit Folgen
Ein klarer Sieg, ein kompliziertes Erbe
Die andalusischen Regionalwahlen endeten mit einem ambivalenten Ergebnis für den konservativen Ministerpräsidenten Juanma Moreno. Obwohl seine Volkspartei (PP) mit 41,6 Prozent der Stimmen und 53 der 109 Parlamentssitze deutlich stärkste Kraft wurde und fast 150.000 Wähler mehr als bei der Wahl 2022 mobilisierte, verfehlte sie knapp die absolute Mehrheit von 55 Sitzen. Dieser Ausgang, den Moreno selbst als „keine Auszeichnung mit Auszeichnung, aber ein Sehr Gut“ kommentierte, zwingt ihn nun zu Verhandlungen mit der rechtspopulistischen Vox, wie interne PP-Kreise gegenüber dieser Redaktion bestätigten.
Vox als entscheidender Faktor
Die Bildung einer neuen Regierung gestaltet sich komplex. Moreno benötigt für seine Wiederwahl entweder die aktive Unterstützung oder die Duldung durch Vox, dessen regionale Spitze, Manuel Gavira, bereits klare Forderungen ankündigte. Im Fokus stehe die Landwirtschaftspolitik, was laut Gavira den Anspruch auf das entsprechende Ministerium begründe. Eine lediglich stillschweigende Duldung, wie sie Vox auf nationaler Ebene dem PP-Vorsitzenden Alberto Núñez Feijóo verwehrt, gilt als unwahrscheinlich. Die Präzedenzfälle in den Regionen Extremadura und Aragón, wo Vox in Koalitionsregierungen eingetreten ist und eigene ideologische Positionen durchsetzte, deuten auf eine ähnliche Entwicklung in Andalusien hin.
Der überraschende Stimmverlust der PP
Der Verlust der absoluten Mehrheit war für die PP Andalusiens eine Überraschung, wie aus vertraulichen Gesprächen mit Wahlkampfmitarbeitern hervorgeht. Zwar erholte sich Morenos Popularität nach einer Phase der Schwäche im Herbst 2025, ausgelöst durch eine Krise bei Brustkrebsscreenings, durch seine als sachlich und engagiert wahrgenommene Krisenbewältigung bei einem schweren Verkehrsunfall in Adamuz Anfang 2026 und den anschließenden Februar-Hochwassern. Diese Ereignisse bescherten dem PP laut eigenen internen Umfragen einen Zuwachs von zwei Prozentpunkten und nährten die Hoffnung auf die 55 Mandate. Letztlich verhinderten jedoch der überraschende Zulauf für die linke Plattform Adelante Andalucía und eine deutlich gestiegene Wahlbeteiligung von fast 65 Prozent den alleinigen Regierungsanspruch.
Dramatischer Absturz der Sozialisten
Für die andalusischen Sozialisten (PSOE) unter Spitzenkandidatin María Jesús Montero endete die Wahl in einem Debakel. Die Kampagne, die sich vornehmlich auf Angriffe gegen den Zustand des öffentlichen Gesundheitswesens konzentrierte, verfing nicht. Montero, ehemalige Gesundheitsministerin der Region, war durch ihre eigene Vergangenheit in diesem Ressort angreifbar. Zudem belasteten sie laut Analysen des Malaga Hoy Vereinbarungen ihrer katalanischen Partei, des PSC, mit der Esquerra Republicana (ERC) über eine Sonderfinanzierung Kataloniens, die in weiten Teilen der andalusischen Bevölkerung auf Ablehnung stößt. Ein innerparteilicher Erneuerungsprozess mit Montero an der Spitze konnte den Niedergang nicht aufhalten.
Adelante Andalucía als Wahlsieger
Der klare Gewinner des Wahlabends war die linke Plattform Adelante Andalucía unter José Ignacio García. Sie vervierfachte ihre parlamentarische Präsenz und erhielt rund 400.000 Stimmen. Wie García in seiner Wahlnachtsrede erklärte, war das erklärte Ziel, Juanma Moreno die absolute Mehrheit zu nehmen – eine Mission, die gelang. Diese Stärkung der Linken verkompliziert die politische Landschaft zusätzlich und verringert den Spielraum für mögliche alternative Mehrheitsbildungen ohne Vox.
Folgen für die nationale Politik
Das andalusische Ergebnis hat direkte Implikationen für die gesamtspanische Politik. Es entzieht dem nationalen PP-Vorsitzenden Feijóo die vermeintlich sichere andalusische Bastion als Argument für Stabilität und reduziert die von der PP allein regierten Regionen auf nur noch zwei: Madrid unter Isabel Díaz Ayuso und Galicien unter Alfonso Rueda. Die Wahl bestätigt die „andaluzische Formel“ einer PP-Vox-Allianz als die vorherrschende konservative Regierungsoption auf regionaler Ebene und als einzige realistische Alternative zur derzeitigen Minderheitsregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez auf nationaler Ebene. Beide Parteien zusammen kommen in Andalusien auf 55 Prozent der Stimmen und verfügen über 68 Sitze, eine komfortable Mehrheit. In Extremadura liegt diese gemeinsame Basis sogar bei 60 Prozent.
Die Konstituierung des neuen Parlaments ist für Mitte Juni angesetzt, doch ein Regierungsbildungsprozess vor Juli, wie von Moreno erhofft, erscheint unrealistisch. Die Verhandlungen werden sich zunächst auf die Präsidentschaft des Parlaments und anschließend auf die Investitur des Ministerpräsidenten konzentrieren. Sie werden nicht nur die Zukunft Andalusiens, sondern auch die Kräfteverhältnisse im gesamtspanischen Parteiensystem neu definieren.
Quelle: malagahoy.es