
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Verborgene Museen jenseits der Großstadt
Am 18. Mai ist Internationaler Museumstag. Ein willkommener Anlass, den Blick über die großen, bekannten Häuser in den Metropolen hinauszurichten. Denn oft verbergen sich in kleinen Dörfern und Gemeinden wahre kulturelle Juwelen – Museen, die nicht nur ausstellen, sondern Geschichten bewahren und Gemeinschaft stiften. Die Region Valencia ist hierfür ein herausragendes Beispiel.
Vom Klassenzimmer zum Welterbe: Museen als Gemeinschaftsprojekt
Ein beeindruckendes Modell findet sich im ländlichen Ortsteil Puçol von Elche. Was 1969 als Schulprojekt begann, ist heute ein lebendiges Archiv einer ganzen Region. Schüler sammelten unter Anleitung ihrer Lehrer gemeinsam mit der Bevölkerung Objekte und dokumentierten Traditionen. Dieser partizipative Ansatz war so erfolgreich, dass die UNESCO das Projekt 2009 als „Gutes Praxisbeispiel zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes“ auszeichnete. Das Museo Escolar de Puçol bewahrt damit nicht einfach nur Dinge, sondern eine Lebensweise – ein perfektes Beispiel für das diesjährige Motto „Museen verbinden eine gespaltene Welt“.
Dieser Geist des Engagements findet sich in vielen kleinen Orten wieder. In Onil, dem Herzen des sogenannten „Spielzeugtals“, widmet sich ein Museum in einem Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert der Geschichte der Puppen- und Spielzeugherstellung. In Segorbe taucht man in einer restaurierten Ölmühle des 19. Jahrhunderts in die Welt des „flüssigen Goldes“ aus der Sierra de Espadán ein.
Kuriositäten, Kunst und uralte Spuren
Manche Orte setzen auf besondere Nischen. Das Castell de Guadalest hält den spanischen Rekord für die meisten Museen pro Einwohner. Hier findet man private Sammlungen, die von Mikrominiaturen – etwa einer Freiheitsstatue im Nadelöhr – bis zum wohl einzigen Pfefferstreuer- und Salzstreuer-Museum Europas reichen.
Doch es geht nicht nur um Kurioses. In Vilafamés beherbergt das Museo de Arte Contemporáneo Vicente Aguilera Cerni eine erstklassige Sammlung mit Werken von Joan Miró, Picasso, Antoni Tàpies und vielen anderen – eine kleine Sensation für ein Dorf mit unter 2.000 Einwohnern. Und in Fanzara wurde das ganze Dorf zur Leinwand: Beim MIAU, dem „Unvollendeten Museum für Urbane Kunst“, verwandelten Street-Art-Künstler aus aller Welt Hauswände in eine stetig wachsende Open-Air-Galerie.
Reisen in die Tiefen der Zeit
Die ländlichen Museen der Region sind auch Fenster in eine ferne Vergangenheit. In Moixent erzählt das Archäologische Museum die Geschichte der bedeutenden iberischen Stadt La Bastida de les Alcusses und zeigt eine Replik des berühmten „Guerrero de Moixent“. Alpuente, ein Schlüsselort für die Paläontologie, präsentiert in einer alten Einsiedelei aus dem 14. Jahrhundert fossile Knochen von Dinosauriern, darunter das weitgehend vollständige Skelett eines Sauropoden.
Eine absolute Referenz für die Frühgeschichte ist das Museu de la Valltorta in Tírig. Als Zentrum für die Levantinische Felskunst, die zum UNESCO-Welterbe gehört, organisiert es Führungen zu den nahegelegenen Felsüberhängen, wo originale Jagd- und Tanzszenen aus der Steinzeit zu sehen sind. In Bocairent spannt das Museum Vicent Casanova einen Bogen vom Paläolithikum bis ins Mittelalter, und in Aras de los Olmos verbindet ein Ecomuseo iberische und römische Fundstücke mit einem astronomischen Observatorium, das die makellosen „Starlight“-Nachtlichter der Region nutzbar macht.
Wie diese Beispiele zeigen, muss man für hochkarätige Kultur und einzigartige Einblicke nicht in die Großstadt fahren. Oft lohnt die Abfahrt von der Autobahn, um in einem kleinen Dorf unerwartete Schätze und eine intensive Reise durch die Zeit zu erleben.
Quelle: europapress.es