
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Torrox: Arbeitslosenrekord mit Schattenseiten
Ein Erfolg, der nach mehr verlangt
Die Zahl klingt glatt wie eine Wahlkampfparole: 1.009 Arbeitslose, sechs Monate in Folge gesunken, der beste Juni-Wert der jüngeren Geschichte. Bürgermeister Óscar Medina spricht von „beschleunigter Schaffung von Arbeitsplätzen“ und lobt die „Stärke der lokalen Wirtschaft“. Von Januar bis Juni sind 192 Menschen weniger gemeldet – ein Rückgang um rund 16 Prozent. Das klingt nach einem kleinen Wirtschaftswunder an der Costa del Sol.
Doch wer die Euphorie ungefiltert übernimmt, verwechselt Konjunktur mit Struktur. Wie die Lokalzeitung AxarquíaPlus berichtet, fällt der Rückgang zeitlich exakt mit dem Beginn der Sommersaison zusammen: minus 40 Personen allein von Mai auf Juni, ein Plus von 3,81 Prozent. Der Tourismus, die Gastronomie, der Einzelhandel – sie pumpen Frischblut in den Arbeitsmarkt, solange die Sonne scheint. Das ist schön, aber es ist kein nachhaltiger Jobmotor.
Stabilität auf Sand gebaut
Der Bürgermeister verweist stolz auf den Wandel seit 2015: von über 26 Prozent Arbeitslosigkeit auf heute historisch niedrige Werte. Das ist anzuerkennen. Nur: Der Preis dieser Transformation heißt Abhängigkeit. Saisonale Beschäftigung, befristete Verträge, Mini-Jobs – die Statistik unterscheidet nicht zwischen einem festen Schreibtischjob und einer Aushilfe im Eiscafé. Wenn der Winter kommt oder die nächste Krise den Reiseverkehr lahmlegt, fallen diese Zahlen schneller wieder nach oben, als man „Inversionsstabilität“ sagen kann.
Medina selbst mahnt zur „Vorsicht“ – ein lobenswerter Ansatz, der aber zur rhetorischen Floskel verkommt, wenn er im selben Satz von „führender Rolle bei der Schaffung von Arbeitsplätzen“ spricht. Die Realität ist: Torrox hat noch immer über tausend Menschen ohne Arbeit. Die psychologische Grenze von 1.000 ist noch nicht geknackt. Und die Frage, ob diese Jobs den Menschen ein Leben in Würde ermöglichen oder nur ein Überwintern, bleibt unbeantwortet.
Die wahre Messlatte
Was also bleibt? Eine positive Zahl, aber keine nachhaltige Trendwende. Der Aufschwung basiert auf Extras – auf gutem Wetter, auf Buchungsrekorden, auf der Euphorie des Moments. Echte Wirtschaftspolitik würde jetzt in die Ausbildung investieren, in die Digitalisierung, in Branchen, die nicht nur im Juni boomen. Solange das ausbleibt, feiert Torrox einen Etappensieg, der einer ernsthaften Prüfung nicht standhält.
Die nächste harte Zahl kommt im September. Dann sehen wir, ob der Sockel der Arbeitslosigkeit wirklich bröckelt – oder ob uns die Sommersonne nur geblendet hat.
Quelle: Daten der Gemeinde Torrox, berichtet von AxarquíaPlus, Juni 2025.
Quelle: axarquiaplus.es