
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Spaniens Hormontherapien werden knapp
Seit dem Frühjahr kämpfen Tausende Patientinnen in Spanien mit einem gravierenden Problem: Das Hormonspray Lenzetto, ein zentrales Medikament zur Linderung von Menopausenbeschwerden, ist vielerorts nicht mehr erhältlich. Wie die spanische Tageszeitung 20minutos berichtet, hat der Lieferstopp einen Dominoeffekt ausgelöst, der mittlerweile die gesamte Palette finanzieller Hormonersatztherapien erfasst hat.
Versorgungskrise mit Folgen
Die Nachfrage nach dem Präparat, das einen natürlichen Östrogenwirkstoff enthält, ist enorm. Schätzungen der Spanischen Gesellschaft für Menopausenforschung (AEEM) zufolge nutzen rund 300.000 Frauen im Land derartige Behandlungen. Lenzetto, das mittels Sprühstoß auf die Haut aufgetragen wird, war dabei das am häufigsten verordnete Medikament. Auch für trans Frauen ist es ein wichtiger Baustein der Hormontherapie.
Die Probleme begannen bereits im März. Wie die spanische Arzneimittelbehörde (AEMPS) auf Anfrage mitteilte, liegt die Ursache in einem Defekt am Zerstäuber-Mechanismus des Sprays. Zwar sollen im November neue Lieferungen eintreffen, doch die Wartezeit hinterlässt tiefe Spuren. Die Behörde räumt ein, dass der vermehrte Rückgriff auf Alternativen wie Estradiol-Pflaster inzwischen zu „punktuellen Versorgungsproblemen“ führt – so auch bei den Präparaten Evopad, Estradot und Bijuva, deren Produzenten ebenfalls mit Engpässen bis Ende November kämpfen.
Geduldete Nebenwirkungen
Für viele Betroffene bedeutet der Wechsel des Medikaments einen Rückfall in alte Qualen. In der Region Cuenca erlebte eine 49-jährige Verwaltungsangestellte dies am eigenen Leib. Nach Jahren mit Schlafstörungen, Schweißausbrüchen und depressiven Verstimmungen hatte ihr eine Gynäkologin Lenzetto verschrieben – mit rascher Besserung. Als das Spray jedoch nicht mehr lieferbar war, musste sie erneut auf Pflaster umsteigen.
Der erneute Präparatewechsel brachte die Symptome zurück. „Die Hitzewallungen kamen wieder, ich schwitzte stark, hatte Kopfschmerzen und konnte nachts nicht schlafen“, schildert sie ihre Erfahrung. Erst nach einer mehrwöchigen Eingewöhnungsphase stellte sich eine Besserung ein. Andere Patientinnen müssen ihre Therapie zeitweise ganz unterbrechen, was Mediziner als kritisch bewerten.
„Die Beschwerden sind nicht nur eine Belastung für die Lebensqualität“, erklärt Carmen Pingarrón, Vorstandsmitglied der AEEM, gegenüber 20minutos. „Nächtliche Schweißausbrüche rauben den Schlaf, die Frauen sind erschöpft und gereizt.“ Darüber hinaus seien Hitzewallungen ein Indikator für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Wer die Hormone absetze, setze sich diesem Risiko wieder aus.
Hersteller zeigen wenig Interesse
Wie die Arzneimittelbehörde weiter ausführt, wurden nicht subventionierte Alternativen wie das Gel Oestraclin angefragt, um die Lücke zu schließen. Das Gesundheitsministerium habe bei den Herstellern sondiert, ob sie bereit wären, ihre Produkte in die staatliche Finanzierung aufzunehmen – bislang ohne Erfolg, wie es heißt. Das Gel selbst ist weiterhin verfügbar, die Produktion wurde sogar hochgefahren.
Bis die Regale sich wieder füllen, bleiben die betroffenen Frauen auf die Suche nach Restbeständen angewiesen. Eine Situation, die für viele zur täglichen Herausforderung wird – und in einigen Fällen nur mit Glück endet. Wie im Fall der Frau aus Cuenca, die nach stundenlangen Telefonaten quer durch die Stadt schließlich die letzte verfügbare Packung aufspürte.
Quelle: 20minutos.es