Rückbau von Puerto Mayor startet

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

San Javier

Rückbau von Puerto Mayor startet

von Redaktion4 Min. Lesezeit

Ein halbes Jahrhundert Kampf um die Küste

Rund fünf Jahrzehnte nach der ursprünglichen Genehmigung hat der Rückbau eines privaten Hafenprojekts an der Mittelmeerküste der Region Murcia begonnen. Das Ministerium für den ökologischen Wandel (MITECO) startete die vorbereitenden Arbeiten zur Demontage der Anlage „Puerto Mayor“ in der Caleta del Estacio, einem Abschnitt der Nehrung La Manga, die das Mar Menor vom offenen Meer trennt.

Die Behörde investiert in das Vorhaben 23,59 Millionen Euro. Die Arbeiten sind auf eine Dauer von 18 Monaten angelegt. Wie die Regierungsdelegation der Region Murcia mitteilte, besichtigten die Wasserbeauftragte des Ministeriums, Laura Martín Murillo, und der Leiter der Küstendirektion, Daniel Caballero, das Gelände.

Ein langer Weg durch Instanzen

Die Geschichte des Projekts reicht bis in die 1970er-Jahre zurück. 1975 erteilte der Ministerrat eine Konzession für den Bau eines Sportboothafens am mediterranen Uferstreifen. Es folgte ein jahrzehntelanger Verwaltungs- und Rechtsstreit. Erst im April 2021 konnte das Ministerium die Rückübertragung der von der Hafeninfrastruktur beanspruchten Flächen in öffentliches Eigentum abschließen.

Das aktuelle Projekt sieht die Wiederherstellung von 97,72 Hektar Küsten- und Meeresgebiet vor. Damit wird fast eine Million Quadratmeter betroffen sein. Die Maßnahmen umfassen sowohl die Renaturierung von Land- als auch von Meeresflächen und die Wiederherstellung von Lebensräumen. Sie fügen sich ein in die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur sowie in den nationalen Pakt gegen die Klimanotlage.

Bereits vor dem eigentlichen Baubeginn liefen umfangreiche Vorbereitungen. Dazu gehörten laut Ministerium die Kartierung von Tier- und Pflanzenbeständen an Land und im Wasser, das Ausbringen von Seezeichen sowie der Schutz markierter Arten. Invasive Pflanzen wie die Akazie wurden entfernt. Zudem entnahmen Fachleute Proben des Meerwassers, untersuchten die Seegraswiesen mit Cymodocea nodosa und Posidonia oceanica, führten Bodenanalysen durch und maßen die Lärmbelastung.

Tausende Lkw-Ladungen Material

Im Zentrum des Rückbaus steht die Beseitigung von mehr als 2.500 Metern Spundwänden aus Stahl, die sowohl im Wasser als auch an Land verbaut wurden. Hinter diesen Wänden hatten sich über die Jahre große Mengen an Auffüllmaterial angesammelt. Dieses soll nun vollständig entfernt werden.

Konkret plant die Behörde den Abtransport von über 98.000 Kubikmetern Kies, Geröll und Sand. Hinzu kommen mehr als 44.700 Kubikmeter Boden, der an drei identifizierten Stellen mit Schwermetallen belastet ist. Dieses Material muss in zugelassenen Anlagen entsorgt werden. Zusätzlich fallen rund 35.260 Kubikmeter Auffüllungen im Innenbereich des östlichen Wellenbrechers an, die per Schiff abtransportiert werden sollen. Auch im Hafengebiet liegende verlassene Boote werden entfernt.

Martín Murillo sprach vor Ort von einer gewaltigen Dimension: Fast 10.000 Lastwagenladungen künstlichen Materials würden von der Küste abgefahren. Man korrigiere nun einen Fehler enormen Ausmaßes.

Küstenschutz wird angepasst

Neben dem Abriss der Hafenanlagen sind auch Arbeiten an der Küstenbefestigung geplant. Die letzten 200 Meter des südlichen Wellenbrechers werden abgetragen. Der verbleibende Teil soll ertüchtigt und verstärkt werden. Hierfür müssen über 46.000 Kubikmeter Steinmaterial weichen. Etwa 8.880 Tonnen neue Felsbrocken werden verbaut, während rund 11.450 Kubikmeter des vorhandenen Materials als Schutzschicht wiederverwendet werden. Auch ein neben dem Zufahrtsweg gelegener Wellenbrecher wird instand gesetzt, Schutt beseitigt und die Felsbrocken neu positioniert.

Dünen und Seegras als neues Ziel

Nach der Beseitigung der künstlichen Strukturen soll die natürliche Küstenlinie neu modelliert werden. Dafür wird der Sand verwendet, der aus den entfernten Auffüllungen gewonnen wird. Die Caleta del Estacio soll eine umfassende Dünenrestaurierung erhalten. Diese umfasst den Schutz bedrohter Arten, die Beseitigung invasiver Pflanzen, die Wiederherstellung der Dünenform, die Installation von Sandfängern und die Bepflanzung mit heimischen Gewächsen. Die Auswahl der Pflanzen wurde mit der regionalen Naturschutzverwaltung abgestimmt. Für Besucher sind Holzstege über bestehende Pfade vorgesehen, um den Zugang zum Strand zu erleichtern. Ein Zaun soll das Dünengebiet von der Wohnbebauung trennen.

Im Meeresbereich ist nach Abschluss der Bauarbeiten eine experimentelle Pflanzung des Seegrases Posidonia oceanica vorgesehen. Auf einer Fläche von 25 Quadratmetern sollen Setzlinge ausgebracht werden. Die Jungpflanzen stammen aus Samen und müssen mindestens vier Monate im Labor aufwachsen. Pro Quadratmeter sind zehn bis 30 Setzlinge geplant, die mit unterschiedlichen Techniken am Meeresboden befestigt werden.

„Das Entfernen von Beton, Stahl und Abfällen ist nur die halbe Arbeit“, sagte Martín Murillo. „Die andere Hälfte ist, dem Ort sein Leben zurückzugeben.“ Man wolle die natürliche Küstenlinie mit dem vor Ort vorhandenen Sand wiederherstellen. Die zuständige Kommissarin betonte zudem die Bedeutung der Umweltverbände. Ohne deren jahrzehntelangen Einsatz für den Erhalt des Naturerbes wäre diese Renaturierung nicht möglich gewesen.

Der Rückbau gilt als wichtiger Baustein im Aktionsrahmen zur Rettung des Mar Menor, der größten Salzwasserlagune Spaniens, die seit Jahren unter Nährstoffeinträgen und Fischsterben leidet.

Die Informationen für diesen Bericht stammen von der Nachrichtenagentur Europa Press sowie der Delegation der spanischen Regierung in der Region Murcia.


Quelle: europapress.es

Mehr aus Region Murcia & Spanien