Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Drohende Streiks im Gemüsepacksektor Almerías
Verhandlungen zum Tarifvertrag festgefahren
Die Tarifverhandlungen für den für die andalusische Provinz Almería zentralen Sektor der Obst- und Gemüseverpackung (manipulado hortofrutícola) sind nach Angaben der Gewerkschaften völlig blockiert. Seit dem Auslaufen des letzten Rahmenabkommens Ende 2024 wurde in über 14 Verhandlungstreffen keine Einigung erzielt. Die Gewerkschaften UGT FICA Almería und CCOO Industria de Almería kündigten nun am Mittwoch an, dass sie zu Streikmaßnahmen greifen werden, sollte kein “sofortiges Entblocken” der Gespräche erfolgen. Die Branche beschäftigt schätzungsweise 30.000 Menschen.
Gewerkschaften kritisieren “immobilistische Haltung” der Arbeitgeber
Wie aus einer gemeinsamen Stellungnahme der Gewerkschaften hervorgeht, machen diese die “immobilistische Haltung” der Arbeitgeberseite für das Scheitern der Gespräche verantwortlich. Verhandelt wird mit den Verbänden Asempal Agricultura, Coexphal und Ecohal. Den Unternehmen werde vorgeworfen, die Arbeitsrechte Tausender Beschäftigten “in Geiselhaft” zu nehmen. Der Sektor generiere zwar mit über 35 Milliarden Euro erhebliche Wirtschaftsleistung und führe Exporte in ganz Europa an, an die Belegschaft würden jedoch lediglich prekäre Bedingungen weitergegeben.
Die Arbeitgeber verteidigen ihre Position, wie von Coexphal verlautbart, als “realistisch” und “an die wirtschaftliche Lage des Sektors” angepasst. Diese sei durch gestiegene Kosten und die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns (SMI) geprägt.
Forderungen und Angebote liegen weit auseinander
Die konkreten Positionen beider Seiten sind laut Gewerkschaftsangaben unvereinbar. Die Arbeitgeberseite schlage eine Verlängerung des alten Tarifvertrags bis 2030 mit minimalen und aufgeschobenen Gehaltserhöhungen vor. Zusätzlich seien Maßnahmen im Gespräch, die die Arbeitsbedingungen verschlechtern würden, darunter eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit von derzeit 46 auf bis zu 54 Stunden unter dem Deckmantel der “Freiwilligkeit”.
Die Gewerkschaften fordern hingegen einen “gerechten” Tarifvertrag, der eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden, eine monatliche Gehaltszahlung, eine Begrenzung unregelmäßiger Arbeitszeiten sowie Gehaltssteigerungen über dem Niveau des Mindestlohns vorsieht. Dies sei nötig, um Kaufkraftverluste auszugleichen, zumal die Verbraucherpreise bereits über drei Prozent gestiegen seien, viele Beschäftigte aber kaum mehr als den SMI verdienten.
Protest während Agrarmesse und soziales Profil der Branche
Ihren Unmut brachten die Gewerkschaftsdelegierten am Mittwoch mit einer Protestaktion vor dem Centro de Exposiciones de Campohermoso in Níjar zum Ausdruck, wo parallel die Landwirtschaftsmesse Expolevante stattfand. Sie verwiesen auf die besondere soziale Struktur der Belegschaft: Der Sektor sei zu über 80 Prozent feminisiert und weise einen hohen Anteil an Migrantinnen und Migranten auf. Die Arbeitsbedingungen seien physisch fordernd, mit langen Schichten, variablen Arbeitszeiten, kaum Vereinbarkeit von Familie und Beruf und einer hohen Rate an muskuloskelettalen Erkrankungen.
Sollten sich die Verhandlungen nicht zügig wieder bewegen, kündigten UGT und CCOO eine Intensivierung des Mobilisierungskalenders an, um einen “würdigen Tarifvertrag” zu erkämpfen.
Quelle: Gewerkschaftsmeldungen von UGT und CCOO Almería.