Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Netzengpass kostet Spanien Milliardeninvestition
Fehlende Netzkapazität verhindert milliardenschwere Wasserstoff-Projekte
Die spanische Regierung und Energieunternehmen betonen regelmäßig das Potenzial des Landes als europäischer Hub für grünen Wasserstoff. Doch die Realität an der Netzinfrastruktur sieht anders aus. Konkrete Großprojekte scheitern oder müssen deutlich reduziert werden, weil der staatliche Netzbetreiber Red Eléctrica de España (REE) keine ausreichenden Kapazitäten für den Netzanschluss garantieren kann. Dies belegen zwei aktuelle Fälle, die auf einer Fachveranstaltung in Madrid vorgestellt wurden.
Schwedischer Investor wählt Portugal nach gescheiterten Anschlusszusagen
Das schwedische Unternehmen Stegra, das derzeit im Norden Schwedens eine Stahlproduktion auf Basis von grünem Wasserstoff errichtet, suchte für sein nächstes Großprojekt einen Standort auf der Iberischen Halbinsel. Wie Gotzon Gómez, Geschäftsführer von Stegra für Spanien und Portugal, auf der dritten Technischen Wasserstoff-Tagung von Enagás berichtete, wurden zehn potenzielle Standorte in Spanien und einer in Portugal geprüft.
Die entscheidende Voraussetzung war, laut Gómez, Zugang zu “erneuerbarer Elektrizität in großem Maßstab” zu einem “wettbewerbsfähigen Preis”. Während diese Bedingung an vielen spanischen Küstenstandorten – alle in Betracht gezogenen Orte lagen an der Küste aufgrund des benötigten Hafen-Zugangs – prinzipiell erfüllt war, fehlte es an der essenziellen Netzinfrastruktur. In keinem der zehn spanischen Standorte konnte REE einen Netzanschluss für die benötigten zwei Gigawatt garantieren.
Der ausschlaggebende Vorteil lag schließlich im portugiesischen Sines, in der Region Alentejo. Dort hatte die Stilllegung eines thermischen Kraftwerks Kapazitäten im Netz freigemacht. Im September 2024 wurde bekanntgegeben, dass Stegra dort eine Milliarde Euro investieren und eine Anlage für grünen Wasserstoff bauen wird, die etwa 500 direkte und weitere tausend indirekte Arbeitsplätze schaffen soll.
Zweites Projekt muss Leistung deutlich reduzieren
Ein weiteres Beispiel für die Netzknappheit lieferte Olivia Infantes, Direktorin für Regulierung und Öffentliche Finanzierung von Wasserstoff bei Moeve, auf derselben Veranstaltung. Das Unternehmen plant die Produktion von grünem Wasserstoff als Rohstoff für nachhaltige Kraftstoffe in seiner Raffinerie in Huelva, im sogenannten Andalusischen Wasserstofftal.
Ursprünglich war die Installation von Elektrolyseuren mit einer Gesamtleistung von 400 Megawatt vorgesehen. Wie Infantes erklärte, musste die geplante Leistung im März dieses Jahres jedoch auf 300 Megawatt reduziert werden – ausschließlich “aufgrund der Anschlusskapazität des Transportnetzes”.
Widerspruch von Seiten des Netzbetreibers
Diese Praxisberichte stehen im Kontrast zu öffentlichen Äußerungen der REE-Führung. Vor wenigen Wochen bezweifelte REE-Präsidentin Beatriz Corredor auf einer Veranstaltung der Arbeitgeberverbandes CEOE, dass das Netz in dem Maße gesättigt sei, wie von anderer Seite dargestellt. “Heute gibt es kein Unternehmen, das ohne Netzanschluss geblieben ist, wenn es einen beantragt hat”, sagte Corredor. Sie räumte ein: “Das Transportnetz ist aus technischer Sicht nicht gesättigt, aus administrativer Sicht vielleicht schon.”
Infrastruktur als Schlüssel für die Energiewende
Die Fälle zeigen laut Experten ein strukturelles Problem auf. Arturo Gonzalo, Präsident von Enagás, verwies zu Beginn der Tagung zwar auf einen “außerordentlichen Ausbau” von Wasserstoffprojekten weltweit, betonte aber gleichzeitig die “enormen Herausforderungen”. Dazu gehöre neben der Skalierung und der Preisentwicklung auch der Ausbau der notwendigen Infrastrukturen – für die Erzeugung wie für den Transport.
Die mangelnde Netzanschlusskapazität droht damit, nicht nur Einzelprojekte zu verzögern, sondern den strategischen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Spanien grundlegend zu behindern und milliardenschwere Investitionen ins europäische Ausland abzuwandern.
Berichterstattung basierend auf Informationen der dritten Technischen Wasserstoff-Tagung von Enagás in Madrid und öffentlichen Stellungnahmen der beteiligten Unternehmen und Behörden.
Quelle: 20minutos.es