
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Nationale Sicherheit warnt vor bewaffneten Drogenkartellen und Hafeninfiltration
Lagebild: Eskalation der Bedrohungslage
Ein vertrauliches Jahresdokument des spanischen Departements für Nationale Sicherheit (DSN), das am 21. April der Regierung vorgelegt wurde, zeichnet ein alarmierendes Bild der Sicherheitslage. Nur zwei Wochen vor dem tödlichen Angriff auf zwei Guardia Civil-Beamte vor der Küste von Huelva warnte der Bericht bereits vor einer "größeren offensiven Fähigkeit" und "gesteigerten Aggressivität" der Drogenkartelle. Diese ist laut dem Bericht, der dem investigativen Recherchenetzwerk vorliegt, direkt auf den "Einsatz von Kriegswaffen" und "kriegstauglichem Material" gegen Sicherheitskräfte zurückzuführen.
Die Kriminellen scheuen keine Gewaltanwendung: "Sie zögern nicht, Fahrzeuge und Boote der Beamten zu rammen, sobald sie ein Risiko des Abfangens oder des Drogenverlusts wahrnehmen", heißt es in dem Papier, das von Ministerpräsident Pedro Sánchez im Nationalen Sicherheitsrat gebilligt wurde.
Geografische Verlagerung und operative Kapazitäten
Trotz verstärkter Polizeipräsenz im Golf von Cádiz und an der Mündung des Guadalquivir haben die kriminellen Organisationen ihre Aktivitäten verlagert. Als neue Einflusszonen identifiziert der DSN-Bericht die Provinz Huelva, den Fluss Guadiana und die portugiesische Algarve. Parallel expandieren die Routen entlang des Mittelmeerbogens von der Küste Murcias bis nach Gerona und auf die Balearen. Sogar Anlandungen im Süden Frankreichs und Italiens werden registriert.
Die maritime Bedrohung ist quantifizierbar: Das Marine-Überwachungszentrum COVAM hat allein im Bereich der Straße von Gibraltar mehr als 600 Hochgeschwindigkeitsboote (Go-Fasts) identifiziert. Dem stehen nach Angaben der Berufsvereinigung JUCIL weniger als ein Dutzend einsatzbereite Boote der Guardia Civil gegenüber, die über 400 Kilometer Küstenlinie kontrollieren soll. Die Kartelle nutzen zudem ein breites Spektrum an Transportmitteln, einschließlich "Flugzeuge verschiedener Typen, auch Drohnen", für illegale Flüge zwischen Marokko und Spanien.
Strategische Drehscheibe und Infiltrationswege
Spanien wird im Bericht als "strategischer Schlüsselpunkt für den weltweiten Drogenhandel" eingestuft, bedingt durch seine geopolitische Lage als Transitland nach Europa. Besorgniserregend ist die "signifikante Menge an Haschisch, die in Lastkraftwagen versteckt transportiert wird" – ein Trend, der seit 2023 anhält. Landrouten von Almería, Granada und Cádiz Richtung Frankreich bleiben aktiv.
Die vielleicht größte systemische Gefahr sieht der DSN in der "Infiltration der Häfen durch das organisierte Verbrechen". Diese stellt laut Dokument "eine der größten Bedrohungen für die legale Wirtschaft und die nationale Sicherheit" dar. Die Kartelle nutzen nicht nur spezialisierte Narcolanchas, sondern infiltrieren den legalen Schiffsverkehr, indem sie "Fischerboote, Segelboote, Yachten und andere Freizeitfahrzeuge" für den Drogenschmuggel missbrauchen. Korruption wird dabei als "kriminalitätsverstärkender Faktor" genannt.
Diversifikation der kriminellen Geschäftsfelder
Der Bericht weist auf eine bedenkliche Entwicklung hin: Einige der etablierten Drogenkartelle diversifizieren ihr Geschäft. Es gibt Hinweise darauf, dass dieselben Routen und Logistikmittel, die für den Drogenhandel aufgebaut wurden, nun auch für Aktivitäten im Zusammenhang mit illegaler Immigration genutzt werden könnten. Diese Ausweitung der kriminellen Portfolio macht die Bekämpfung der Netzwerke noch komplexer.
Die Analyse des DSN unterstreicht eine wachsende Diskrepanz zwischen den hochgerüsteten, flexiblen und gewaltbereiten Kartellen und den begrenzten materiellen und personellen Ressourcen der Sicherheitskräfte. Die Warnungen des Berichts gewannen durch den tödlichen Vorfall vor Huelva eine tragische Aktualität.