Gestrandete Projekte: Spaniens Sandkriege

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Marbella

Gestrandete Projekte: Spaniens Sandkriege

von Redaktion

Millionen für Sand, aber keine langfristige Lösung

Die Strände der Costa del Sol sind nicht nur Touristenmagneten, sondern auch chronische Patienten. Jedes Jahr schlagen Winterstürme Millionen Tonnen Sand weg und die lokalen Gemeinden müssen hohe Summen für die Reparatur aufbringen. Die Städte Marbella und Mijas haben in den ersten Monaten dieses Jahres bereits fast eine Million Euro für die Wiederherstellung ihrer Küstenlinien ausgegeben, wie aus aktuellen Zahlen bekannt wurde. Doch diese Maßnahmen sind nur Flickwerk.

Die definitive Lösung soll aus Madrid kommen: Das Ministerium für ökologische Transition hat zwei große Projekte zur Stabilisierung der Küste zwischen den Flüssen Guadalmina und Guadaiza sowie zwischen Venus und Punta el Ancón in Marbella, sowie ein Projekt für den Abschnitt zwischen El Bombo und La Cala in Mijas in Planung. Die Gesamtinvestitionen sollen rund 15,9 Millionen Euro betragen. Doch seit der positiven Umweltverträglichkeitsprüfung (DIA) im letzten Jahr ist der Prozess ins Stocken geraten.

”Wir warten auf die Ausschreibung”

Die nächsten Schritte – die Ausschreibung und die eigentliche Durchführung der Arbeiten – bleiben für die lokalen Behörden im Dunkeln. Der Stranddezernent von Marbella, Diego López, äußerte gegenüber Medien seine Frustration: “Wir warten auf die Ausschreibung”. Er erklärt, dass eigentlich nur ein Bericht über die Sandqualitäten fehle, um die Projekte auszuschreiben. Dieser Bericht sei von der Regionalregierung Andalusiens bereits vor über sechs Monaten positiv beschieden worden und empfiehlt einen Sandtransfer aus einem Fluss in der Provinz Cádiz.

“Was wir nicht wissen, sind die Gründe für die Verzögerungen oder welche neue Ausrede sie jetzt vorbringen werden, um ein Projekt auszuschreiben, das die Regierung mehrfach angekündigt hat”, so López. Er weist darauf hin, dass Marbella allein für die Nutzung der Strände jährlich 2,7 Millionen Euro zahlt, während die Investitionen der nationalen Küstenbehörde in der Stadt dieses Jahr “ausnahmsweise nicht 200.000 Euro erreichen” würden.

In Mijas hat Bürgermeisterin Ana Mata diese Woche einen offiziellen Brief an die Generaldirektorin für Küste und Meer des Ministeriums geschickt. Sie fordert nicht nur die Durchführung der Arbeiten, sondern auch eine detaillierte Aufklärung über die “Paralisierung” des Projekts. Sie möchte eine Liste der bereits erreichten Meilensteine, der ausstehenden Verfahren, möglicher Hindernisse und eines voraussichtlichen Zeitplans erhalten.

Eine alte Lösung für neue Probleme?

Die Kritik kommt nicht nur aus den Rathäusern. Die Umweltorganisation Ecologistas en Acción hatte bereits während der Planungsphase Einwände gegen die Projekte vorgelegt. Sie bezeichnete die vorgesehenen Maßnahmen als “antinatur”. Besonders das Projekt für San Pedro, das auf traditionelle, senkrecht zur Küste verlaufende Buhnen setzt, wird stark kritisiert.

“Es ist eine Ungereimtheit, die auf das Modell der 80er Jahre zurückgreift”, sagte ein Sprecher der Gruppe gegenüber einer lokalen Zeitung. Diese Buhnen würden natürliche Sedimentflüsse stoppen und zu einer permanenten, nicht-natürlichen Sandregenerierung führen. Für das Marbella-Projekt, das teilversenkte Dämme vorsieht, sehen die Umweltaktivisten zwar einen geringeren Impact, aber auch hier fehlt ihnen eine ganzheitliche, naturnahe Lösung, die die neuen Realitäten des Klimawandels berücksichtigt.

Ein Erfolg in der Nachbarschaft

Während Marbella und Mijas auf Antworten warten, zeigt ein Blick zur Nachbarstadt Benalmádena, dass Projekte auch realisiert werden können. Dort wurde im Juni 2023 die Erweiterung eines teilversenkten Damms an der Playa de Malapesquera mit einer Investition von 1,1 Millionen Euro abgeschlossen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass die Bürokratie nicht immer das letzte Wort hat.

Die Gemeinden an der Costa del Sol stehen vor einem Dilemma: Sie müssen jedes Jahr große Summen für den kurzfristigen Schutz ihrer wichtigsten Wirtschaftsgrundlage aufbringen, während die langfristige, finanziell unterstützte Lösung aus der Zentrale auf sich warten lässt. Die Strände werden weiter erodieren, die Stürme werden kommen – und die Frage bleibt, wer den Sandkrieg bezahlen und gewinnen wird.

Mehr aus Costa del Sol & Andalusien