Marbellas erste Immobilien-Pionierin
Die Lehre: Ein Hotel verkauft sich wie Zucker Der Rat ihres Onkels war simpel und radikal: “Verkaufst du ein Kilo Zucker oder ein Hotel – es ist das Gleiche. Greif hoch.” Kristina Szekely, die diesen Satz des kanadischen Businessmanns John Fabry als Mantra ihres Lebens nahm, wurde damit zur ersten multilingualen Immobilienmaklerin in Marbella. In einer Zeit, als der Ort noch ein verschlafenes Dorf war und es gerade zwei, drei Agenturen gab – heute sind es über 2.500 –, war sie mit ihrem Talent für Sprachen und ihre natürliche kommerzielle Ader eine absolute Ausnahmeerscheinung. Sie sprach damals vier, heute sieben Idiome. Ihre Stärke war nicht die Branchenkenntnis, sondern das, was man heute “Networking” nennt: “Ich hatte einfach einen Sinn für Menschen”, sagt Szekely im Gespräch mit Malaga Hoy. Ihre Karriere begann organisch, durch Anfragen von Freunden: “Du lebst hier, finde mir etwas.”
Die Strategie: Provokation und diskrete Alleinstellung Szekelys Weg war geprägt von einer ungewöhnlichen Mischung von Öffentlichkeit und Diskretion. Sie war die erste, die ihren Namen und ihr Bild öffentlich einsetzte – ein damals ungewöhnlicher, fast provokatorischer Schritt. Sie platzierte ihre Werbung im Flughafen und an der Wand des Tunnels von Puerto Banús, direkt gegenüber ihrer eigenen Agentur. “Die Menschen sehen eine Person, die Gesicht zeigt”, erklärt sie ihre Logik. Doch parallel zu dieser öffentlichen Inszenierung hielt sie das Prinzip der absoluten Diskretion für ihre hochrangigen, oft internationalen Klienten “zur Raison”. Der respektvolle Umgang mit den oft reichen, arabischen Käufern war ein Markstein; viele lokale Händler versuchten damals, diese Kundschaft aufgrund ihres vermeintlichen Vermögens auszunutzen und Preise zu überhöhen. Szekelys Ansatz war anders: Respekt und Professionalität. Die Diskretion war so hoch, dass zwei ihrer Klienten denselben Bankberater hatten, ohne dass einer vom anderen wusste.
Die Goldenen Jahre: Marbella als Mikrokosmos Die frühen Jahre in Marbella beschreibt Szekely als eine Zeit absoluter Sicherheit und intensiver sozialer Verdichtung. “Man konnte den Schlüssel im Auto lassen”, erinnert sie sich. Die Kundschaft für Luxusimmobilien selbst brachte das Bedürfnis für Alarmsysteme mit, nicht die Entwickler. Die lokale Gesellschaft war klein und drehte sich um Figuren wie Prinz Alfonso von Hohenlohe und das Marbella Club. Man sah sich drei Mal am Tag. Die Geschichten aus dieser Zeit sind legendär: Ein arabischer Klient, der zwei Häuser kaufte – eine für jede seiner beiden Ehefrauen, um absolute Gleichbehandlung zu gewährleisten. Eine englische Hausbesitzerin, die einem zeitknappen Rennfahrer-Klienten jede Tür zeigen wollte, während er nur einen schnellen Blick auf die Immobilie wollte. Szekely lernte aus jedem Fall: Sie realisierte, dass sie einen potenziellen Käufer für La Zagaleta besser im Helikopter hingebracht hätte, als ihn im endlosen Stau zu verlieren.
Das Ende einer Episode und der Beginn einer Legende Ein strategischer Rückschlag formte ihre Karriere: Ihre erste eigene Agentur im Puente Romano musste sie nach fünf Jahren schließen, weil die Eigentümer ihre Vertrag nicht verlängerten. Sie sah in Szekely, die eine breite Palette an Objekten aller Preisklassen verkaufte, eine Konkurrenz für ihr eigenes, homogenes Angebot. Doch dieser Ausstieg war nur ein Übergang. Szekely baute weiter auf ihre unverwechselbaren Stärken: Internationalität, Sprachkenntnis, Diskretion und eine gewisse kalkulierte Provokation. Sie war nicht nur eine Maklerin; sie war eine der Personen, die den Übergang Marbellas vom beschaulichen “Sol”-Paradies zu einem internationalen Luxusmarkt mit eigenen Standards – wie den qualitativ hochwertigen Gebäuden des “Don Gonzalo” – persönlich verkörperte. Ihre Geschichte ist ein Stück der Geschichte des Ortes selbst.
Quellen: Interview und Porträt von Kristina Szekely in Malaga Hoy.