Das Ende einer Ära: Olivia Valères Nachtclub schließt
Marbella

Das Ende einer Ära: Olivia Valères Nachtclub schließt

von Redaktion

Die Anfänge: Ein Wettstreit um die Nacht Die Geschichte der Diskothek Olivia Valère beginnt nicht mit ihrem eigenen Namen, sondern mit einer Konkurrenz. Wie investigative Recherchen belegen, trat die gebürtige Marokkanerin Olivia Valère Anfang der 1980er Jahre in die Nachtwelt Marbellas ein, nachdem sie sich während eines Besuchs auf der Costa del Sol für die Region entschieden hatte. Ihr erstes Lokal eröffnete sie im Gebäude Gray D’Albion in Puerto Banús. Der entscheidende Schritt zur Dominanz folgte jedoch durch einen direkten Konflikt. Valère engagierte sich in einem Wettstreit mit der damals dominierenden Figur der europäischen Nachtclub-Szene, Régine Zylberberg aus Paris. Dieser Kampf um das “Zepter der nächtlichen Vergnügungen” in Marbella, wie es in zeitgenössischen Berichten beschrieben wurde, dauerte etwa drei Jahre. Das Ergebnis: Valère übernahm schließlich die Diskothek, die Zylberberg im Hotel Puente Romano betrieb, und führte sie dort für rund neun Jahre.

Der Aufstieg zum unangefochtenen Tempel Nach dieser Konsolidierung erreichte Valère ihren Höhepunkt Ende der 1990er Jahre. Unter der Protektion des umstrittenen Politikers und Unternehmers Jesús Gil errichtete sie auf einem Grünstreifen in der “Goldenen Meile” von Marbella einen neuen, monumentalen Nachtclub. Die Eröffnung, mit Supermodel Naomi Campbell als Patronin, markierte den Beginn einer Phase, in der der Club zur unumstrittenen, obligatorischen Adresse für die internationale Jet Set und Prominenz wurde. Namhafte DJs wie Prince oder Paris Hilton prägten das Programm. Zu den dokumentierten Gästen über die vier Jahrzehnte gehören Sean Connery, Prince, Brooke Shields, Barry White (der dort auch sang), Alberto von Monaco, Eva Longoria, Bruce Willis und Antonio Banderas. Auch späteren Herausforderungen, wie dem Versuch des italienischen Unternehmers Flavio Briatore, mit seinem Club Billionaire die Vorherrschaft zu brechen, konnte Valère standhalten.

Adaption und familiäre Führung nach dem Tod der Gründerin Die Diskothek bewies über die Jahre eine außergewöhnliche Adaptionsfähigkeit. Sie begann in einem marmorverkleideten Gebäude in Puerto Banús und zog später in die Nähe des Palasts von König Fahd. Das musikalische Angebot entwickelte sich von melodiöser Musik zur elektronischen. Die Klientel wandelte sich von einer traditionellen Aristokratie zu jungem, wohlhabendem Publikum, das auch in teurer, aber lässiger Kleidung auftrat. Die nächtlichen Rituale änderten sich: Der Beginn der “Marcha” verschob sich auf drei Uhr morgens, die Warteschlangen bildeten sich oft erst nach vier Uhr. Olivia Valère verstarb 2022 in Paris. Das Unternehmen überlebte sie jedoch und wurde von ihrer Familie weitergeführt, was jedoch, wie Brancheninsider berichten, nicht ohne interne Konflikte verlief. Ihre Tochter Karen leitete die Geschäfte, unter anderem mit einer exklusiven Terrasse für arabische Klienten, zu denen regelmäßig Mitglieder verschiedener Königshäuser gehörten. Ihr Bruder Xavier organisierte die Buchung internationaler DJs, die praktisch täglich auftraten. Die Philosophie der Mutter – die Zusammenführung von “gutaussehenden, glamourösen Menschen mit positiver Energie” durch elektronische Musik, tägliche Shows mit Sängern, Comedians, Tanz- und Circusacts – blieb die Richtschnur.

Das finale Kapitel: Eine Institution schließt ihre Pforten Nach 42 Jahren Betrieb, beginnend mit dem ersten Club in Puerto Banús, verkündet die Institution Olivia Valère nun das Ende. Sie überdauerte die Gründerin, familiäre Spannungen und den stetigen Wandel des Nachtlebens. Ihr Schließung markiert das finale Kapitel einer Ära, in der Marbella als Rückzugsort für Millionäre, geprägt von aristokratischen und Jet-Set-Impulsen seit den 1960ern, sein nächtliches Zentrum in einem einzigen, von einer einzelnen Person geprägten Tempel fand.