147 unbegleitete Minderjährige auf Balearen angekommen
Balearen

147 unbegleitete Minderjährige auf Balearen angekommen

von Redaktion

Die Zahlen steigen weiter. Seit Jahresbeginn sind nach Angaben der Regionalregierung 147 minderjährige Migranten ohne familiäre Begleitung auf den Balearen angekommen. Insgesamt erreichten in den ersten Monaten des Jahres 604 Menschen in 44 sogenannten Pateras, den meist seeuntüchtigen Booten, die Inseln. Die zuständige Ministerin, Antònia Estarellas, wies im Parlament auch auf die menschliche Tragödie hin, die sich dahinter verbirgt: die Ankunft von Leichen an den Stränden.

Politisches Ping-Pong um Verantwortung. Die Debatte entzündete sich an einer Anfrage der Vox-Abgeordneten Patricia de las Heras, die konkrete Maßnahmen der Regionalregierung für die unbegleiteten Minderjährigen auf Formentera forderte. Estarellas konterte, dass die Tutorenschaft für Minderjährige in die Kompetenz der einzelnen Inselräte falle, nicht der Regionalregierung. Sie betonte jedoch die Unterstützung für die Räte in dieser “kritischen” Situation, die durch die “nicht-existente” Migrationspolitik der Zentralregierung in Madrid verschärft werde.

Formentera an der Belastungsgrenze. De las Heras hielt dagegen, dass Formentera die am stärksten überlastete Betreuungsstelle des ganzen Landes sei und diese Last nicht alleine tragen könne. Die Ministerin räumte die wachsenden Zahlen ein und warf der Madrider Regierung vor, der Realität auf den Inseln den Rücken zuzukehren. Ihre politischen Entscheidungen würden für die Bürger der Baleare immer “schlechter”, so Estarellas mit Verweis auf eine von ihr kritisierte “massive” Regularisierung von Migranten.

Ein System unter Druck. Der Vorwurf an die Zentralregierung ist ein wiederkehrendes Motiv in der Migrationsdebatte der Balearen. Die Inseln, geografisch im Mittelmeer nahe an Transit-Routen gelegen, fühlen sich mit den Anlandungen oft alleingelassen. Die Diskussion um die unbegleiteten Minderjährigen zeigt dabei ein grundsätzliches Problem auf: die Kluft zwischen der lokalen Aufnahme-Kapazität und den europaweit ungelösten Fragen der Verteilung und des Schutzes.