
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Madrider Justiz will Prozess nach Restaurantbrand
Ermittlungen abgeschlossen
Die Untersuchung des tödlichen Brandes im Madrider Restaurant „Burro Canaglia“ ist abgeschlossen. Der zuständige Ermittlungsrichter hat vorgeschlagen, fünf Personen vor Gericht zu stellen. Ihnen werden Verstöße gegen die Rechte der Arbeitnehmer sowie fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.
Bei dem Unglück am 21. April 2023 im Stadtteil Manuel Becerra kamen drei Menschen ums Leben. Mehrere Gäste und Angestellte erlitten zum Teil schwere Verletzungen, viele kämpfen noch immer mit den psychischen Folgen.
Wer muss sich verantworten?
Die Liste der Beschuldigten ist lang und umfasst verschiedene Ebenen der Verantwortung. Neben dem Geschäftsführer der Betreibergesellschaft La Perla di Montello und dem damaligen Lokalmanager sollen sich auch zwei Geschäftsführer der Franchisezentrale Foodology Lab vor Gericht verantworten. Komplettiert wird die Runde durch zwei Architekten, die für die Umbaumaßnahmen des Lokals verantwortlich zeichneten.
Tödliche Kombination: Flamme und Deko
Der Brand entstand, als ein Kellner eine mit einem Bunsenbrenner flambierte Pizza an einen Tisch bringen wollte. Als er an einer Säule vorbeikam, entzündete die offene Flamme die dort angebrachte üppige Blumendekoration. Das Feuer breitete sich rasant über die Trockenblumen und Kunstpflanzen aus und griff schnell auf die Decke über. Die Gäste gerieten in Panik und versuchten zu fliehen. Die Obduktion ergab, dass die Todesopfer an den Folgen einer schweren Sauerstoffunterversorgung durch Rauchgasinhalation starben.
Die Arbeitsschutzbehörde hatte in ihrem Gutachten mehrere Ursachen für das verheerende Ausmaß ausgemacht. Kritisiert wurden vor allem die große Menge leicht entzündlicher Dekoration, das Flambieren von Speisen außerhalb dafür vorgesehener Bereiche und das Fehlen einer Sicherheitskoordination. Auch die fehlende Freihaltung der Fluchtwege von brennbarem Material wurde als schwerwiegender Mangel angeführt.
Mängel bei Sicherheitsvorkehrungen
Besonders gravierend: Zum Zeitpunkt des Unglücks gab es keine aktuelle Gefährdungsbeurteilung für das Lokal. Auch die Brandmelde- und Löschsysteme waren nicht überprüft, ein Evakuierungsplan existierte nicht. Der Gutachter verwies zudem auf bauliche Probleme: Es gab nur einen einzigen Notausgang, und die Haupttür ließ sich entgegen der Fluchtrichtung öffnen. Ein Zeuge berichtete außerdem, dass ein Servierwagen die Tür blockierte und erst beiseitegeschoben werden musste, um Menschen herauszulassen.
Franchisegeber in der Pflicht?
Die Ermittlungen beleuchteten auch die Rolle der Franchisezentrale. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, ergab die Untersuchung, dass Foodology Lab das flambierte Gericht „Pizza Inferno“ auf die Speisekarte gesetzt hatte. Zudem verlangte der Franchisevertrag die Einhaltung der strengen Corporate-Identity-Vorgaben der Marke, die auch die Innenausstattung betrafen.
Die Dekorfirma hatte zuvor andere Restaurants der Kette ausgestattet. Für das Madrider Lokal wurden drei Varianten angeboten – der Betreiber wählte die teuerste. Ein Verantwortlicher der Zentrale räumte in einer internen Mail ein, dass noch nie zuvor ein Restaurant der Marke mit einer derartigen Dichte an Blumenschmuck ausgestattet worden sei.
Nächster Schritt: Anklage oder Einstellung
Der Ermittlungsrichter hat die Akten nun an die Staatsanwaltschaft und die Nebenklagevertreter übergeben. Diese haben zehn Tage Zeit, um ihre Anklageschriften einzureichen oder die Einstellung des Verfahrens zu beantragen. Das Gericht hat zudem die Haftpflichtversicherungen MGS, Banco Sabadell und Catalana Occidente als zivilrechtlich haftbar in das Verfahren einbezogen.
Quelle: europapress.es