Kataloniens riskanter Sprung ins Eigentum

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Katalonien

Kataloniens riskanter Sprung ins Eigentum

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Modell gegen die Altersdiskriminierung der Banken

Wer mit über 40 Jahren stabile Einkünfte vorweisen kann, aber an der Finanzierung scheitert, kennt das Problem: Banken rechnen sich die Rückzahlung eines Kredits bis ins Rentenalter nicht mehr schön. Die katalanische Regierung will diesen Teufelskreis nun durchbrechen – und setzt dabei auf eine ungewöhnliche Allianz: den Staat als Miteigentümer.

Im Januar 2027 soll die erste Ausschreibung des neuen Fonds starten. 100 Millionen Euro sind zunächst eingeplant, um Menschen über 40 den Einstieg ins Eigentum zu ermöglichen. Das Prinzip: Die Generalitat kauft einen Anteil von bis zu 60 Prozent der Immobilie, der Käufer finanziert den Rest. Wer zwischen 40 und 55 Jahre alt ist, erhält die Hälfte der Anteile, wer älter ist, muss nur 40 Prozent stemmen.

Warum der Tanteo scheitern musste

Dass die Regierung nun neue Wege geht, ist auch ein Eingeständnis des Scheiterns. Seit Jahren setzt Katalonien auf das Vorkaufsrecht – mit mäßigem Erfolg. Rund 400 Millionen Euro wurden in dieses Instrument gepumpt, um Wohnungen vor spekulativen Käufern zu sichern. Die Bilanz ist ernüchternd: Zu wenig Wohnraum, zu hohe Kosten, zu viele Hürden.

Die neue Strategie setzt deshalb auf einen anderen Hebel: Sie will den großen Investmentfonds die Wohnungen abkaufen, die sich nach den verschärften Regeln des Wohnungsmarkts nicht mehr rechnen. Die Fonds verkaufen, der Staat kauft – und der kleine Eigentümer kommt zurück. Die Konsellera für Wohnen, Sílvia Paneque, nennt es die Rückkehr zur "Matrix der kleinen Eigentümer". Ein nostalgisches Bild, das gut klingt, aber viele Fragen offenlässt.

Ein Parlament, das nicht überzeugt ist

Bemerkenswert: Die Volksvertretung in Katalonien hat dem Plan im Rahmen der Debatte zur allgemeinen Politik eine klare Absage erteilt. Die Mehrheit der Parteien sieht das Modell kritisch – zu viele ungeklärte Details, zu viel Risiko für die öffentlichen Kassen. Die Regierung kündigt das Programm trotzdem an. Es sei eine Antwort auf die "Käuferschicht von morgen", heißt es aus dem Konselleriat.

Doch auch ohne parlamentarische Unterstützung setzt die Regierung auf Publikumswirkung. Das Modell ist auf 50 Jahre ausgelegt, die Immobilien bleiben dauerhaft preisgebunden – selbst wenn der Käufer den staatlichen Anteil später übernimmt. Eine Spekulation wird damit verhindert, ebenso wie die Rückkehr zu Marktdynamiken. Nur: Wie viele Wohnungen mit 100 Millionen Euro tatsächlich aus dem Bestand der Fonds gelöst werden können, bleibt unklar. Die Zahl soll sich nach der ersten Ausschreibung zeigen.

Baustellen neben dem großen Wurf

Parallel arbeitet die Regierung an weiteren Maßnahmen: einem Notfallfonds für Wohnungsnotfälle mit 25 Millionen Euro Anfangskapital, der Ausweitung von Darlehen für Renovierungen und dem Plan, 50.000 Wohnungen zu mobilisieren. Die Zahlen klingen ambitioniert, doch auch hier klafft eine Lücke zwischen Ankündigung und Realität: Von den 45.551 mobilisierten Wohnungen sind erst 12.599 tatsächlich bewohnbar. Der Rest steckt in der Planung.

Die Regierung kündigt weitere Schritte an, diesmal ohne die parlamentarische Rückendeckung. Das kann als Mut zum Risiko gewertet werden – oder als politischer Schlingerkurs. Dass ausgerechnet das gescheiterte Tanteo-System den neuen Fonds legitimieren soll, ist zumindest originell. Wer wirklich eine Wohnung braucht, interessiert weniger die Bewertung der Instrumente als die Frage, ob sie den Zuschlag bekommt.

Die Informationen basieren auf einem Bericht der Nachrichtenagentur Europa Press über die Ankündigung der katalanischen Regierung vom 3. Oktober 2026.


Quelle: europapress.es

Mehr aus Katalonien