
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Hantavirus als Wahlkampfthema
Sánchez setzt in Granada auf Regierungsbilanz
Mit nur noch zwei Tagen bis zur Wahl in Andalusien geht die spanische Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) in die Offensive. Die Umfragen deuten auf ein historisch schlechtes Ergebnis für die Regionalpartei PSOE-A hin, das sogar unter der magischen Marke von 30 Sitzen liegen könnte. In dieser Situation setzt die Partei auf ihre größte Galionsfigur: Regierungschef Pedro Sánchez reiste am Mittwoch nach Granada, um die Spitzenkandidatin María Jesús Montero zu unterstützen. Seine Botschaft an die hunderten Anhänger war klar: Schaut auf unsere Bilanz.
„Spanien hat wieder einmal ein Beispiel für effektives Management und internationale Solidarität gegeben, und wir haben es so gemacht, wie wir Sozialisten es tun: mit wissenschaftlicher und technischer Strenge, mit Transparenz gegenüber den Bürgern und mit institutioneller Loyalität – eine Loyalität, die sie nicht haben“, sagte Sánchez laut Berichten. Im Fokus seiner Rede stand die Bewältigung der jüngsten Hantavirus-Epidemie, bei der sich Spanien nach Ansicht des Premierministers international ausgezeichnet habe.
Die Suche nach dem „nützlichen“ Linken-Wähler
Sánchez‘ Besuch ist Teil einer doppelten Kampagnenschluss-Offensive. Er wird den Wahlkampf am Freitag auch in Sevilla abschließen. Das zentrale Anliegen ist dabei, das sogenannte „nützliche“ Wählerpotenzial der Linken zu bündeln. In einem polarisierten Umfeld, so die Argumentation, müsse sich jeder progressive Wähler auf die stärkste Kraft konzentrieren – die PSOE.
Kandidatin Montero brachte diese Strategie noch direkter auf den Punkt. Sie rief dazu auf, „alles zu geben“ und die unentschlossenen Wähler zu „erobern“. „Dass sich niemand täuscht, die einzige wirkliche Alternative zur Regierung der Rechten ist die PSOE, dass sich niemand täuscht“, betonte sie. Ihr Appell zielte darauf, bis zur Wahl am 17. Mai jeden Einzelnen zu überzeugen und sicherzustellen, dass die Stimme „richtig platziert“ wird.
Bilanz der Koalition als Kontrastprogramm
Pedro Sánchez untermauerte diesen Anspruch mit einer Aufzählung von Regierungserfolgen. Fast wie in einer Fragestunde im Kongress listete er wirtschaftliche Daten auf – Spanien wachse sechsmal schneller als der europäische Durchschnitt – und verwies auf jüngste Kabinettsbeschlüsse. Dazu gehörten ein Agrarkreditversicherungsabkommen, eine Reform des Arzneimittelzuschusses und die endgültige Verabschiedung eines Gesetzes zur Verwaltung und Integrität des öffentlichen Gesundheitswesens.
Besonders hob Sánchez die internationale Anerkennung der Hantavirus-Bewältigung hervor und erwähnte dabei sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch – fälschlicherweise – einen „Papst León XIV“. Dieser historische Fehlgriff sorgte in den sozialen Netzwerken für Erheiterung, da es einen solchen Papst nie gegeben hat. Dennoch nutzte Sánchez die Gelegenheit für einen Seitenhieb auf den oppositionellen Partido Popular (PP), dem er vorwarf, die Gründung einer Staatlichen Agentur für öffentliche Gesundheit im Parlament abgelehnt und entsprechende Gesetze in ihrer Regierungszeit nicht umgesetzt zu haben.
Warnung vor Ultrarechten und Blick nach Übersee
In einem globaleren Rahmen warnte Sánchez davor, politischen Kräften zu vertrauen, die sich aus „für die globale Gesundheit und die Bürger fundamentalen Organisationen“ wie der WHO zurückziehen. Diese nicht namentlich genannte Anspielung auf den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump kontrastierte er mit dem Selbstbild seiner Regierung. „Um es umgangssprachlich auszudrücken: Mit dieser progressiven Koalitionsregierung steht Spanien mit beiden Beinen fest auf dem Boden“, sagte er.
Als negatives Gegenbeispiel nannte Sánchez schließlich den argentinischen Präsidenten Javier Milei. „Das Normale ist, Mileis zu sehen“, merkte er an. Im Gegensatz dazu stehe sein eigenes „progressives Koalitionsprojekt“, das international keineswegs selbstverständlich sei. Um dieses Projekt „über 2027 hinaus“ zu schützen, brauche es institutionelle Verbündete – wie eine progressive Regierung in der Junta von Andalusien.
„Wenn wir mit einer Pandemie, einem Vulkan, einer Gesundheitsnotlage wie dem Hantavirus, dem Krieg in der Ukraine und dem Genozid in Palästina in der Lage waren zu wachsen, Arbeitsplätze zu schaffen und umzuverteilen – was werden wir dann erst mit María Jesús hier in Andalusien schaffen können?“, fragte Sánchez zum Abschluss als rhetorische Bekräftigung. Die Zeit für Überzeugungsarbeit wird knapp, die Umfragen bleiben eine harte Realität für die andalusischen Sozialisten.