Schlüsselfertig - aber ohne Strom
Estepona

Schlüsselfertig - aber ohne Strom

von Redaktion

72 Familien stehen vor leeren Wänden. Sie haben bezahlt, ihre alten Wohnungen verkauft, Möbel gekauft. Doch ihre neuen Häuser im „Alma“-Ensemble im Zentrum von Estepona bleiben unbewohnbar. Der Grund ist absurd und ein Lehrstück über Verantwortungslosigkeit: Es gibt keinen Stromanschluss. Nicht wegen technischer Probleme, sondern wegen eines administrativen Desasters, das sich zwischen Rathaus und Energieversorger Endesa ab 2021 entsponnen hat. Während die Betroffenen verzweifeln, schieben die Verantwortlichen den schwarzen Peter hin und her.

Das Versprechen der Fertigstellung wurde zur Falle. Wie der Sprecher der betroffenen Eigentümervereinigung (ADAVE), Paco López, darlegt, wurden die Wohnungen im Mai 2025 fertiggestellt. Die böse Überraschung folgte auf dem Fuße: Der Bauträger teilte mit, das Gebäude werde nicht über die nötige elektrische Leistung verfügen. Ein Abwärtssiralé aus Pannen begann. Laut der Vereinigung reicht der Fehler zurück ins Jahr 2021. Damals habe die Stadtverwaltung das Urbanisierungsprojekt bei Endesa eingereicht, doch durch einen Fehler in der Bearbeitung sei die notwendige Leistung für die Zukunft nicht reserviert worden. Skandalöserweise erteilte das Rathaus dennoch die Baugenehmigung, und das Projekt wurde 2022 realisiert – ein offenkundig verantwortungsloses Handeln, das die heutige Misere zementierte.

Die Ausreden der Verantwortlichen sind vorgeschoben. Die Stadtverwaltung verweist in einer Stellungnahme pauschal auf ein landesweites Problem der Stromnetze und hat sogar einen Brief an die Ministerin für Ökologischen Wandel geschickt, wie berichtet wird. Das ist politische Schaumschlägerei. Endesa seinerseits behauptet, die ursprüngliche Anfrage der Stadt 2021 sei unvollständig gewesen und daher nie bearbeitet worden. Erst im Dezember 2025 – nachdem die Häuser längst standen und die Käufer in der Warteschleife hingen – habe das Rathaus eine neue Anfrage gestellt, die nun „in Analyse“ sei. Die eigentliche Keule kommt jedoch von Endesa selbst: In Málaga gebe es aktuell „keine elektrische Leistung mehr“, das Netz sei „100% gesättigt“. Seit Sommer 2024 seien alle Anfragen für Projekte über ein Megawatt „suspendiert“.

Hier offenbart sich systemisches Versagen. Das Kernproblem ist nicht ein überlastetes Netz, sondern eine Kultur der Nachlässigkeit. Die Stadt genehmigte Bauvorhaben, ohne die grundlegendste Versorgungssicherheit – Strom – zu klären. Der Energiekonzern agiert in trägen, bürokratischen Bahnen. Und der eigentliche Leidtragende ist der Bürger, der in gutem Glauben investiert hat. Die angekündigte neue Umspannstation in Benahavís, die Entlastung bringen soll, liegt laut Endesa-Angaben selbst seit über fünf Jahren wegen Grundstücksproblemen brach. Ein Albtraum aus Inkompetenz und Passivität.

Die betroffenen Familien bleiben auf der Strecke. Sie fordern zu Recht von Endesa die Erfüllung ihrer Versorgungspflicht, von der Stadt eine ernsthafte und sofortige Mediation und vom Bauträger, den Druck von den Käufern zu nehmen. Ihre verzweifelte Lage ist ein unübersehbarer Prüfstein für die Handlungsfähigkeit von Politik und Wirtschaft. Wenn nicht einmal für die grundlegendste Infrastruktur in einem der beliebtesten Tourismusgebiete Spaniens verlässlich geplant werden kann, wer soll dann noch Vertrauen in solche Projekte haben? Es reicht nicht, die Schuld auf „die Netzlage“ abzuwälzen. Verantwortung muss konkret heißen: Die 72 Familien erhalten sofort eine Lösung und eine Entschädigung für die verlorene Zeit. Alles andere ist blanker Hohn.

Quellen: Angaben der Asociación de Damnificados de las Viviendas Alma de Estepona (ADAVA), Stellungnahmen des Ayuntamiento de Estepona und von Endesa, wie im Originalartikel von Malagahoy.es berichtet.