Nach dem Sturm kommt die Maschine
Pflichterfüllung statt Zukunftsplanung – In Estepona an der Costa del Sol rücken die Kehrmaschinen an. Kurz vor den Osterferien werden die Strände auf Hochglanz gebracht: Sand wird geschoben, Unkraut gerupft, Duschen gestrichen und Mülleimer aufgestellt. Eine Kommunalverwaltung tut, was sie tut: Sie hält die Fassade in Ordnung. Die Stranddezernentin Susana Aragón listet in einer Pressemitteilung akribisch auf, was alles gemacht wird – von Bahía Dorada bis La Atalaya. Die Botschaft ist klar: Wir sind für euch da, liebe Touristen. Doch diese Inszenierung von Fürsorge ist nichts weiter als kosmetische Chirurgie an einem Patienten, der eine grundlegende Operation braucht.
Ein jährliches Ritual gegen die Symptome – Was hier als umsichtige Vorbereitung verkauft wird, ist in Wahrheit ein eingespieltes, teures und letztlich sinnloses Ritual. Die Maschinen bewegen Sand, um das durch Winterstürme und Regenfälle zerstörte Strandprofil wiederherzustellen. Sie beseitigen die Ausspülungen an Bachmündungen. Sie sieben und reinigen. Und nächstes Jahr, nach dem nächsten Winter, tun sie es wieder. Genau. Ein ewiger Kreislauf aus Zerstörung und Reparatur, finanziert aus der Gemeindekasse. Die Stadträtin gibt sich sogar forsch und stellt fest, dass man das ganze Jahr über für den Strand da sei – schließlich herrsche hier ein “unübertreffliches Klima”. Eine bemerkenswerte Logik: Weil das Wetter gut ist, muss man dauernd aufräumen. Wohl eher: Weil man die Küste dem Klimawandel und der eigenen Bebauung schutzlos ausliefert, bleibt einem nichts anderes übrig.
Die eigentliche Pflicht wird verweigert – Der entscheidende Punkt folgt im letzten Absatz der offiziellen Verlautbarung, fast beiläufig hingeworfen. Während der Kommunalbetrieb mit Hochdruck die Symptome bekämpft, wartet man seit über fünf Jahren auf die Genehmigung des Zentralstaats, um die Ursache anzugehen: nachhaltige Küstenschutzmaßnahmen wie Dämme oder Unterwasser-Spundwände. Der Stadtrat von Estepona sei sogar bereit gewesen, die vollen Kosten zu tragen, wie aus der Pressemeldung hervorgeht. Doch Madrid, so der Vorwurf, habe nicht einmal die Erstellung der notwendigen Pläne genehmigt. Hier offenbart sich das wahre Drama: Lokalpolitik, die ihr Handwerk versteht – das Kurieren am Symptom –, steht einer staatlichen Bürokratie gegenüber, die es versteht, nichts zu tun. Das Ergebnis ist eine verschleppte Katastrophe, die jedes Frühjahr teuer überschminkt wird.
Eine Frage der Prioritäten – Fragt man nach, ob es klug ist, Millionen in die jährliche Sandschaufelei zu stecken, anstatt mit aller Kraft auf langfristige Schutzbauwerke zu drängen, erntet man beschwichtigende Handbewegungen. Man müsse ja die Wirtschaft am Laufen halten, die Hotels und Strandbars (“Chiringuitos”) in der ersten Reihe seien schließlich vorbereitet. Kurzfristiger Profit sticht langfristige Vernunft. Das ist das Mantra der gesamten Küstenentwicklung an der spanischen Mittelmeerküste. Die Maschinen, die jetzt über den Sand rollen, sind das perfekte Symbol für diese Denkweise: Sie produzieren einen sauberen, ebenen Schein für die nächste Saison. Dass sie dabei die Struktur des Strandes auf Dauer weiter schwächen und der nächste Sturm nur umso härter zuschlagen wird, interessiert im Aktionsrausch der Ostervorbereitung niemanden. Es ist ein Spiel gegen die Zeit und gegen die Naturgewalten – und es wird verloren.
Quelle: Pressemitteilung des Ayuntamiento de Estepona, übermittelt von der Stranddezernentin Susana Aragón, wie von Europa Press Andalucía berichtet.