
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Erster General vor Gericht im Korruptionsfall
Auftakt am Provinzgericht
In Madrid hat am Montag ein Verfahren begonnen, das in der Geschichte der spanischen Sicherheitskräfte als Novum gilt. Vor der Audiencia Provincial verantwortet sich erstmals ein Generalleutnant der Guardia Civil im Ruhestand. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Spitzenbeamten vor, seine Befugnisse genutzt zu haben, um einem Bekannten lukrative Aufträge für die Renovierung von Polizeikasernen zu verschaffen.
Die Anklage fordert für den Ex-General eine Haftstrafe von einem Jahr wegen Bestechlichkeit. Parallel dazu muss sich ein Geschäftsführer mehrerer Baufirmen verantworten, die seinerzeit die Aufträge erhalten hatten. Auch gegen ihn lautet die Forderung auf ein Jahr Haft.
Die Rolle des Beschuldigten
Laut Anklageschrift soll der Offizier im Herbst 2016 seine Kompetenz zur Mittelverteilung genutzt haben, um mehreren Kommandanturen Finanzierungsmöglichkeiten für Fassadenarbeiten anzubieten. Zeitgleich empfahl er den Unternehmer als Fachmann für Spritzkork, ein Material, das der Lösung von Feuchtigkeitsproblemen dienen sollte. Die Ermittlungen gehen auf einen anonymen Hinweis zurück, der die Verbindung zwischen dem Militär und dem Geschäftsmann ins Visier nahm.
In sieben Fällen, darunter die Kommandanturen in Alicante, Jaén und Teneriffa, wurde das Angebot angenommen. Die beteiligten Firmen stellten demnach zwischen November und Dezember jenes Jahres Rechnungen über rund 1,38 Millionen Euro für die Renovierungsarbeiten in den verschiedenen Liegenschaften aus.
Mängel und Schäden
Die Staatsanwaltschaft beanstandet nicht nur die Auftragsvergabe, sondern auch die Ausführung. Viele Arbeiten seien technisch unzureichend gewesen, da die nötige Expertise für die Verarbeitung des Spritzkorks gefehlt habe. Der daraus entstandene Schaden für die Behörde wird als erheblich beschrieben.
Geteilte Fronten
Die Anklagevertretung der Ex-Soldatenvereinigung ASESGC und des Verbandes AUGC schließt sich den Forderungen der Staatsanwaltschaft an. Die Verteidigung hingegen plädiert auf Freispruch und weist die Vorwürfe zurück. Die AUGC betont in diesem Zusammenhang die spürbaren Folgen für die Basis: Mangelhafte Infrastruktur betreffe den Dienstalltag tausender Beamter unmittelbar, so der Verband.
Das Verfahren ist auf mehrere Wochen angesetzt. Zunächst wählte das Gericht die Mitglieder der Geschworenenjury aus, anschließend trugen die Prozessbeteiligten ihre Eröffnungsplädoyers vor. Die Beweisaufnahme soll klären, ob der Ex-General systematisch seine Stellung missbraucht hat, um den Unternehmer zu bevorteilen, und ob die Vergabepraxis rechtlich Bestand hat.
Quelle: europapress.es