Der Spanier, der Amerika rettete

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Mexiko Stadt

Der Spanier, der Amerika rettete

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Name, den Amerika ehrt – und Spanien vergisst?

Man muss kein Freund großer Worte sein, um die schiere Absurdität zu erkennen: Während die USA einen Mann mit der höchsten denkbaren Ehre auszeichnen, die ein Fremder dort erhalten kann, gähnt in seiner Heimat weitgehend Leere. Bernardo de Gálvez, geboren 1746 im beschaulichen Macharaviaya in der Axarquía, ist in den Vereinigten Staaten ein gefeierter Freiheitsheld – und in Spanien kaum mehr als eine Fußnote. Diese Schieflage ist nicht nur historisch ungerecht, sie ist ein Armutszeugnis für den Umgang mit den eigenen Größen.

Während US-amerikanische Historiker längst anerkennen, dass die Unabhängigkeit der USA ohne die militärischen Erfolge Gálvez' gegen die Briten womöglich gescheitert wäre, ranken sich hierzulande Mythen um andere, weniger glanzvolle Episoden. Dabei ist die Faktenlage glasklar: Gálvez' Siege in Baton Rouge, Mobile und vor allem Pensacola 1781 zerschlugen die britischen Positionen im Süden Nordamerikas und ebneten den Weg für den最终 Triumph der Aufständischen. Es war ein spanischer General, kein französischer Adliger, der den Briten im entscheidenden Moment die Flanke brach.

Wo die Geschichte zur Ruhe kommt

Die Ironie der Geschichte liegt nicht nur in der unterschiedlichen Wahrnehmung diesseits und jenseits des Atlantiks, sondern auch im Ort seiner letzten Ruhe. Während sein Geburtsort in Andalusien mit einem schmucken Denkmal liebäugelt, schläft der Held in der Kirche San Fernando in Mexiko-Stadt – im selben Gotteshaus, in dem bereits sein Vater Matías de Gálvez, ebenfalls eine wichtige Figur der spanischen Krone, bestattet wurde. Als Vizekönig von Neuspanien war Matías eine tragende Säule des Imperiums, sein Sohn ein Vollender der militärischen Macht.

Dass ausgerechnet ein Tempel in Mexiko zur letzten Ruhestätte dieser beiden Männer wurde, ist mehr als ein Zufall der Geschichte. Es ist ein Symbol der engen Verflechtung Spaniens mit Amerika. Der frühe Tod Gálvez' mit nur 40 Jahren im Jahr 1786 in Tacubaya beendete eine Karriere, die gerade erst ihren Zenit erreicht hatte. Seine Überreste wurden ein Jahr später in die Kirche überführt, wo sie bis heute ruhen – in einem Land, das ihm längst den gebührenden Respekt zollt, den ihm die alte Heimat verwehrt.

Mehr als ein Gedenkstein

Doch es wäre ungerecht, zu behaupten, dass nichts passiert. Die US-amerikanische Organisation „Orden der Granaderos y Damas de Gálvez de Texas" ließ 1986, zum 200. Todestag, eine Bronzetafel an der Kirche anbringen. Die renommierte „Daughters of the American Revolution" folgte im Jahr 2000 mit einem weiteren Gedenkakt. Und in Spanien selbst? Da dauerte es bis 2008, bis die Real Academia de Bellas Artes von San Telmo in Málaga eine große Tafel initiierte. Man könnte sagen: besser spät als nie – oder, präziser: peinlich spät.

Die Kirche San Fernando ist ohnehin kein unbedeutender Ort. Sie ist ein Pantheon der mexikanischen Geschichte, in dem Größen wie Benito Juárez oder Vicente Guerrero ihre letzte Ruhe fanden. Dass ein spanischer Militär in dieser illustren Runde liegt, sollte uns zu denken geben – und nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen. Es zeigt, welchen Stellenwert Gálvez in der internationalen Geschichtsschreibung hat.

Ein Erbe, das nicht in der Kiste bleiben darf

Es geht nicht darum, in wehmütiger Nostalgie zu schwelgen oder koloniale Verklärung zu betreiben. Es geht um historische Gerechtigkeit. Die Geschichte von Bernardo de Gálvez ist die einer globalen Verbindung: von einem kleinen Dorf in Andalusien über die Schlachtfelder Floridas bis in die Hauptstadt Mexikos. Sie ist ein Beweis dafür, dass die Identität Spaniens weit über die Pyrenäen hinausreicht.

Sein Einfluss auf die unabhängigen USA ist unbestritten – 2014 erhielt er posthum die Ehrenbürgerschaft der Vereinigten Staaten. Sein Porträt hängt im Kapitol. Wenn das kein Maßstab ist, an dem man die eigene Erinnerungskultur messen lassen muss, dann wissen wir auch nicht, was sonst. Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Geschichte von Bernardo de Gálvez nicht nur in den Archiven von Macharaviaya oder den Feuilletons Mexikos erzählt wird, sondern endlich auch den Platz einnimmt, der ihm in der kollektiven Erinnerung Spaniens gebührt: im Zentrum des Selbstverständnisses – nicht am Rand. Wie die Gedenkinitiativen und historischen Belege in den USA zeigen, ist das Zögern Spaniens längst nicht mehr haltbar.


Quelle: axarquiaplus.es

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