Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Der Schein der Vielfalt
Eine Saison der bekannten Gesichter
37 Veranstaltungen zwischen September und Januar – auf den ersten Blick ein beeindruckendes Volumen. Das Teatre-Auditori Emma Vilarasau präsentiert, wie die Direktorin Maria Farriol bekannt gab, den ersten Teil der Spielzeit 2026/27 unter dem Motto “Ara i aquí” (“Jetzt und hier”). Doch dieses “Hier” wirkt erstaunlich vertraut. Die große Achse, so der Originaltext, bleibe das Theater, angeführt von einem “Cartell teatral amb protagonisme femení”. Namen wie Emma Vilarasau, Carmen Conesa oder Míriam Iscla stehen für Qualität, keine Frage. Doch wo ist der Aufbruch? Wo der mutige Blick über den etablierten Kanon hinaus? Ein Programm, das sich auf große Namen der katalanischen Szene stützt, ist bequem, aber nicht unbedingt visionär.
Die Auswahl liest sich wie ein Who’s who des katalanischen Kulturbetriebs: “Permagel” nach Eva Baltasar eröffnet, “La truita” mit Vilarasau beschließt. Dazwischen reihen sich sichere Banken: Stephen Kings “Misery” mit Conesa, Jordi Galcerans “Dakota”, der Rückkehr des Erfolgsstücks “Com vaig aprendre a conduir” aus der Sala Beckett. Selbst der sozialpolitische Anstrich bei “Els objectes flotants”, das zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen aufgeführt wird, kann nicht überdecken, dass hier vor allem auf Bewährtes gesetzt wird. Ein “eklektisches” Programm, wie Farriol betont? Eher eine konsolidierte Nische.
Musik, Tanz und die Illusion des Mainstreams
Auch die Musiksparte bestätigt den Eindruck der kulturellen Selbstbedienung. Els Amics de les Arts, Els Catarres und Sau sind die großen Reklamenamen. Sau präsentiert sogar ein “Concert de pel·lícula” parallel zu den Dreharbeiten eines Films über die Band – eine geschickte crossmediale Vermarktung, gewiss, aber kaum ein künstlerisches Wagnis. Die klassische Musik setzt auf die lokalen Orchester aus Sant Cugat und dem Vallès sowie auf symphonisierte Pop-Hits von ABBA bis Springsteen. Ein Publikumsmagnet, zweifellos. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Genre? Fehlanzeige.
In der Tanzsparte darf immerhin Nacho Duato als Zugpferd herhalten, flankiert vom Ballet de Barcelona und anderen lokalen Größen. Die Oper hält mit Donizettis “L’elisir d’amore” die traditionelle Linie. Das Familienprogramm schließlich, mit dem preisgekrönten “El viatge de la Nuru” oder dem sensorischen “Amamá”, bleibt der einzig wirklich interessante Bereich, der konsequent neue Formate und junge Zielgruppen adressiert. Doch er bildet das schmückende Beiwerk, nicht den Kern.
Erfolgsmodell oder Stillstand?
Die Zahlen, die Bürgermeister Josep Maria Vallès hervorhebt, scheinen dem Haus Recht zu geben: 86% durchschnittliche Auslastung, fast 3.000 Abonnenten nach 33 Jahren. Ein “Erfolgsmodell”, wie es heißt. Doch genau hier liegt der Hund begraben. Erfolg wird an Besucherzahlen und Abomarkt gemessen, nicht an künstlerischer Neugier oder gesellschaftlicher Relevanz. Das Modell funktioniert, also wird es fortgeschrieben. Der neue Programmkurator Andreu Gomila, so wird angedeutet, dürfe seine Handschrift erst ab 2027 “de manera més visible” zeigen – also innerhalb der vorgegebenen, erfolgreichen Grenzen.
Die angekündigte Ergänzung durch das kleinere Teatre de la Unió im Herbst wird begrüßt, doch sie ändert nichts am Grundproblem des großen Hauses: Es verwaltet einen Status quo. Das Motto “Jetzt und hier” sollte für die Unmittelbarkeit der darstellenden Kunst stehen. Stattdessen wirkt es wie eine Abwehrhaltung gegen die Frage, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Ein Programm “für jeden” kann nicht gleichzeitig ein mutiges Programm sein. Es ist der klassische Kompromiss, der am Ende niemanden wirklich herausfordert. Die Saison 2026/27 im Teatre-Auditori Emma Vilarasau verspricht solide Unterhaltung auf hohem Niveau. Mehr nicht. Und das ist, bei allem Respekt vor den beteiligten Künstlern, eben auch eine verpasste Chance.
Quelle: Programmankündigung des Teatre-Auditori Emma Vilarasau, vorgestellt von Direktorin Maria Farriol und Bürgermeister Josep Maria Vallès.
Quelle: cugat.cat