
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Baskenland fordert mehr Mittel für psychische Gesundheit
Kritik an Versorgungslücken
Der Dachverband Salud Mental Euskadi hat die Politik aufgefordert, in der Diskussion über psychische Gesundheit konkrete Taten folgen zu lassen. Statt weiterer Debatten seien ausreichende Ressourcen und langfristige Zusagen nötig, erklärte die Organisation anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit. Dies gelte besonders für junge Menschen mit psychischen Problemen und deren Familien.
Verbandspräsidentin María Ángeles Arbaizagoitia verwies auf anhaltende Missstände in der Region: Patientinnen und Patienten warteten weiterhin auf geeignete Behandlungen, soziale Hilfsangebote hätten lange Wartelisten und der Zugang zu spezialisierten Diensten sei regional ungleich verteilt. Zudem fehlten in einigen Gebieten Fachkräfte wie Psychiater.
Hindernisse für junge Erwachsene
Bei der zentralen Veranstaltung in Bilbao stand die Situation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Fokus. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leidet weltweit etwa jeder Siebte zwischen zehn und 19 Jahren an einer psychischen Störung. Drei Viertel aller psychischen Erkrankungen beginnen demnach vor dem 18. Lebensjahr.
Der Verband betonte, dass junge Betroffene oft besondere Hürden überwinden müssen: Nach einer Krise falle die Rückkehr in Ausbildung oder Studium schwer, der Einstieg in den Arbeitsmarkt gestalte sich schwierig und ein unabhängiges Leben sei ohne ausreichende Unterstützung kaum möglich. Fehlende Wohnangebote mit Betreuung und Programme für eigenständiges Wohnen verschärften die Lage ebenso wie anhaltende Diskriminierung.
Besonders alarmierend sind die Zahlen zum Suizid: Im Baskenland ist er die häufigste Todesursache bei den 15- bis 29-Jährigen. Allein im laufenden Jahr wurden zwölf Todesfälle durch Suizid in der Altersgruppe unter 30 registriert. Diese Daten belegten die Dringlichkeit frühzeitiger Hilfen, so der Verband.
Forderungen der Betroffenen
Der Verband verlangt daher einen Ausbau von Maßnahmen zur Förderung, Vorbeugung und Früherkennung sowie eine schnellere und niedrigschwellige Versorgung. Der eigene Betroffenenrat der Organisation machte deutlich, dass ein Diagnose das Leben nicht bestimmen dürfe. Man wolle studieren, arbeiten, eine eigene Wohnung beziehen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben – unter gleichen Bedingungen wie alle anderen.
Konkret fordert das Gremium unter anderem bessere Hilfen bei Selbstverletzungen und Suizidgefahr, kürzere Wartezeiten, mehr Selbsthilfegruppen für junge Menschen sowie Unterstützung in Bildung, Beruf und Alltag. Zudem sollten junge Betroffene in Strategien gegen Einsamkeit und soziale Isolation einbezogen werden.
Rolle der Angehörigen
Salud Mental Euskadi wies zudem auf die zentrale Bedeutung von Familien hin, die Betroffene häufig über lange Zeit begleiten und stützen. Auch sie benötigten Orientierung, Beratung und Unterstützung. Die Mitgliedsvereine des Dachverbands übernähmen hier oft Aufgaben, die öffentliche Angebote nicht abdeckten.
Appell der Politik
Die Veranstaltung nutzten auch Vertreter von Politik und Verwaltung für Stellungnahmen. Die zuständige Abgeordnete für Soziales der Provinz Bizkaia, Amaia Antxustegi, sprach sich für mehr Prävention und frühe Hilfen aus. Institutionen müssten erreichbar sein, wenn Menschen Unterstützung bräuchten, sagte sie. Auch Bildungseinrichtungen und Arbeitsplätze sollten in der Lage sein, Probleme zu erkennen und zu begleiten.
Ivan Larraza vom baskischen Gesundheitsministerium bezeichnete die psychische Gesundheit als Priorität für die junge Generation. Notwendig seien ganzheitliche Antworten, die sowohl soziale als auch berufliche Integration förderten. Die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Verbänden hob er als wertvoll hervor.
Die Bürgerbeauftragte Estefanía Ocáriz Passevant verwies in ihrem Beitrag auf die Notwendigkeit, die Rechte von Menschen mit psychischen Erkrankungen tatsächlich durchzusetzen. Wie die baskische Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, fand die Veranstaltung im Itsasmuseum in Bilbao statt.
Quelle: europapress.es