Ein Akt der Hoffnung: Die ersten Anträge auf Regularisierung
Balearen

Ein Akt der Hoffnung: Die ersten Anträge auf Regularisierung

von Redaktion

Startschuss für ein außerordentliches Verfahren Seit heute Morgen nehmen ausgewählte Postfilialen auf den Balearen die ersten persönlichen Anträge für ein außerordentliches Regularisierungsverfahren für Migranten entgegen. Laut dem spanischen Ministerium für Inklusion, Soziales und Migration wurden landesweit in den ersten 24 Stunden nach Freischaltung des Systems 19.633 Terminanfragen registriert. Die Behörden begannen heute damit, diese Anträge schrittweise zu bearbeiten.

Einblicke in persönliche Beweggründe Unter den ersten Antragstellern in der Hauptpost von Palma befanden sich Johny (39) und Paola (33) aus Kolumbien. Wie sie gegenüber der Nachrichtenagentur Europa Press erklärten, verließen sie ihre Heimat aufgrund gewaltsamer Bedrohungen. Während Johny mittlerweile einen Arbeitsvertrag in einem Paketzustellunternehmen hat, konnte Paola seit ihrer Ankunft vor einem Jahr nicht legal arbeiten. Ihr gemeinsamer Wunsch, den sie über den Weg der Familienzusammenführung beantragen, ist es, Papiere zu erhalten. “Ich möchte, dass meine Kinder eine Zukunft haben”, betonte Johny, dessen Kinder heute in der Schule waren.

Eine ähnliche Geschichte erzählt das kolumbianische Ehepaar Indira und Joan, das mit zwei ihrer drei minderjährigen Kinder vor vier Jahren nach Mallorca floh. Auch sie berichten von Todesdrohungen in ihrer Heimat. Beide arbeiten seitdem informell – er in einer Barbershop, sie in der Haushaltshilfe und Pflege. Sie beantragen die Regularisierung sowohl über den Arbeits- als auch den Familienweg. “Wir hoffen, aus dem Schatten herauszutreten und endlich Zugang zu Wohnungen und Sicherheit für unsere Kinder zu haben”, sagte Indira.

Logistik und Kritik am Verfahren Auf den Balearen sind acht Postfilialen für das Verfahren geöffnet, fünf davon in Palma, jeweils eine in Calvià, Maó und Eivissa. Zusätzlich ist die Provinzialdirektion der Nationalen Sozialversicherungsanstalt (INSS) in Palma am Nachmittag geöffnet. Marcos Sánchez, Dienststellenleiter des Postnetzes auf den Inseln, gab bekannt, dass in der Filiale Constitució in Palma 22 Termine für heute vergeben wurden, in Maó 16. Gegen 11:00 Uhr seien bereits 15 Anträge eingereicht worden, ohne technische Probleme. “Bisher kam jeder mit gut vorbereiteten Dokumenten”, so Sánchez.

Dennoch gibt es Kritik an der Vorbereitung. Daniel Bauzá, Gewerkschaftsdelegierter von CCOO im Postsektor der Balearen, bemängelte, die Post sei personell und organisatorisch nicht auf dieses Ausmaß vorbereitet worden. Die Schulung der Mitarbeiter sei in letzter Minute und intransparent, ohne Einbeziehung der Gewerkschaften erfolgt. Zudem seien die Teams nicht ausreichend verstärkt worden, um die zu erwartende Arbeitslast zu bewältigen. Die Post habe jedoch zugesichert, bei Bedarf zusätzliches Personal einzustellen.

Weiterer Ausbau der Kapazitäten geplant Laut Sánchez wird derzeit erwogen, auch die Postfiliale auf Formentera einzubeziehen, wobei noch unklar ist, ob die Nachfrage der kleineren Insel von Eivissa aus bedient werden kann. Auch die Eröffnung weiterer Stellen in Manacor und Inca wird als sinnvoll erachtet. Pro Standort sind derzeit zwei bis drei speziell geschulte Mitarbeiter im Einsatz, die für die Entgegennahme und Prüfung der Anträge zertifiziert sind.

Unter den Antragstellern des ersten Tages waren neben Menschen aus Lateinamerika auch Personen aus Subsahara-Afrika und Asien. Eine chinesische Staatsbürgerin, die seit etwa zwei Jahren auf Mallorca lebt und nicht hat arbeiten können, reichte ihren Antrag mit Hilfe einer Freundin ein, da sie selbst nur geringe Spanischkenntnisse hat. Für sie alle, so zeigen die Gespräche, steht hinter dem bürokratischen Akt die Hoffnung auf ein legales, sicheres und selbstbestimmtes Leben.

Quelle: Informationen und Aussagen basieren auf einem Bericht der Nachrichtenagentur Europa Press.