Atlantik wird zur tödlichen Falle

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Kanarische Inseln

Atlantik wird zur tödlichen Falle

von Redaktion2 Min. Lesezeit

436 Menschen in vier Booten: Die Kanaren-Route wird zur zermürbenden Realität

Wieder eine Nacht der Rettung, wieder ein Morgen der Ernüchterung: Die spanische Seenotrettung (Salvamento Marítimo) hat innerhalb weniger Stunden insgesamt 436 Migranten aus vier havarierten Booten aus dem Atlantik geholt. Drei der vier Schlauch- und Holzboote steuerten die winzige Insel El Hierro an, eines wurde in der Nähe des Hafens von Arguineguín auf Gran Canaria abgefangen. Die Zahlen sind erschreckend – und sie sind längst kein Einzelfall mehr.

Ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die eigene Erschöpfung

Die Rettungskräfte arbeiten am Limit: Gegen 18:12 Uhr am Freitag entdeckte die „Salvamar Diphda“ ein Boot rund 50 Seemeilen vor El Hierro. An Bord: 91 Menschen, darunter vier Frauen und ein Minderjähriger. Nur wenige Stunden später, gegen 22:45 Uhr, folgte der nächste Einsatz – wieder vor El Hierro: 32 Menschen, alle subsaharischer Herkunft, wurden von dem havarierten Boot genommen. Die Nacht war noch nicht vorbei, da meldete die Rettungszentrale gegen 5 Uhr morgens den bislang größten Fund: 244 Menschen – 216 Männer, 9 Frauen und 9 Kinder – waren in einem einzigen Boot zusammengepfercht, das sich La Restinga näherte. Die „Salvamar Navia“ begleitete das völlig überladene Wasserfahrzeug in den Hafen.

Kurz darauf, gegen 6 Uhr, ein weiterer Einsatz vor Gran Canaria: Die „Guardamar Polimnia“ rettete 69 Menschen aus einer Patera, in der sich fast ausschließlich Maghrebiner befanden. Ihre Ankunft im Hafen von Arguineguín war für den Mittag geplant.

Wer jetzt noch von „Einzelfällen“ spricht, verkennt die Lage

Während die politische Debatte in Madrid weiterhin um Zuständigkeiten, Verteilquoten und Abschiebeabkommen kreist, zeigt sich die Realität in den Kontrollzentren des Mittelmeers und des Atlantiks. Hier geht es nicht um Theorien, sondern um Leben. Doch die Zahl der Ankünfte steigt seit Jahren – und mit ihr die Zahl der Toten, die in den offiziellen Statistiken oft nicht auftauchen. Die aktuelle Serie von Ankünften auf El Hierro macht deutlich: Die Route ist nicht gestoppt, sie ist längst zur tödlichen Normalität geworden.

Die Behörden in Spanien sprechen von erhöhtem Druck, die EU von „Herausforderungen“. Wer die Berichte der Rettungskräfte liest, erkennt: Es ist kein Problem, das sich mit Worthülsen lösen lässt. Die Seenotretter zeigen in diesen Stunden eine beeindruckende Professionalität – aber sie arbeiten am Rande der Belastbarkeit. Die Frage ist nicht, ob Europa eine Lösung findet. Die Frage ist, ob es noch rechtzeitig gelingt, bevor die nächste Meldung nicht mehr von einer Rettung, sondern von einer Tragödie berichtet.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf das staatliche Rettungskoordinationszentrum berichtet, sind alle Rettungsaktionen ohne größere Zwischenfälle verlaufen – dieses Mal.


Quelle: europapress.es

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