
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Asiatische Tigermücke erreicht Gran Canaria
Ein Alarm, der viel zu selten ernst genommen wird
Sie ist klein, unscheinbar und doch einer der gefährlichsten Tiere der Welt: die asiatische Tigermücke. Seit Jahren warnt die Weltgesundheitsorganisation vor der Ausbreitung invasiver Stechmückenarten. Doch solange die Tiere nur in fernen Tropenregionen ihr Unwesen treiben, scheint die Gefahr abstrakt. Nun hat sich die Realität ihren Weg in den touristischen Süden Gran Canarias gebahnt – und plötzlich ist sie ganz konkret.
Die Gesundheitsbehörden der Kanarischen Inseln haben die Entdeckung von Exemplaren der Aedes aegypti. in der Ortschaft Mogán gemeldet. Nur eine Woche zuvor war in unmittelbarer Nähe bereits die verwandte Art Aedes albopictus, besser bekannt als Asiatische Tigermücke, im Ortsteil Motor Grande aufgetaucht. Man muss kein Epidemiologe sein, um zu verstehen, dass dies kein Zufall ist, sondern ein Muster – und eines mit alarmierender Tendenz.
Ein ungebetener Gast mit Potenzial zur Katastrophe
Die Faktenlage ist eindeutig: Wie die Regionalregierung mitteilte, führte ein Bürgerhinweis über wiederholte Mückenstiche in einer Wohnung im Ortskern von Mogán zur Entdeckung der Larven. Wissenschaftler des Instituts für Tropenkrankheiten der Universität La Laguna identifizierten die Funde zweifelsfrei als Aedes aegypti – jene Spezies, die in der Fachwelt als einer der effektivsten Überträger des Dengue-, Zika- und Gelbfiebers gilt.
Besonders perfide ist die Art und Weise der Einschleppung: Alles deutet darauf hin, dass die Eier der Mücke unbeabsichtigt über importierte Waren oder Pflanzen auf die Insel gelangten. Es ist genau jenes Szenario, vor dem Experten seit Jahren warnen. Ein einzelnes Gefäß mit stagnierendem Wasser genügt, um einer ganzen Population zur Existenz zu verhelfen. Die Konsequenz: Die Behörden haben das Überwachungssystem für Entomologie hochgefahren, Fallen im Umkreis der betroffenen Wohnung aufgestellt und die Anwohner informiert. Das ist korrekt, das ist standardisiert – und dennoch reicht das nicht.
Wer jetzt einwendet, die Kanaren hätten bereits mehrfach bewiesen, dass sie solche Ausbrüche in den Griff bekommen, hat nicht grundsätzlich unrecht. Seit 2019 wurden Episoden mit Aedes aegypti auf Fuerteventura, La Palma und in Santa Cruz de Tenerife erfolgreich für erloschen erklärt. Auch die Tigermücke in Tacoronte und in der Hauptstadt Teneriffas gilt als eliminiert. Das ist beruhigend – aber es ist kein Grund, in Sorglosigkeit zu verfallen. Denn während die Behörden alte Brände löschen, entzünden sich an anderen Stellen neue.
Eine Inselkette im Fadenkreuz invasiver Arten
Der Blick auf die Landkarte der aktuellen Fundorte gleicht zunehmend einem Flickenteppich der Bedrohung. Der Flughafen Teneriffa Süd ist ebenso betroffen wie das nahe gelegene Valle Gran Rey auf La Gomera. Im Hafen von Santa Cruz treibt eine Population von Aedes aegypti ihr Unwesen, in Las Palmas sind gleich zwei Stadtteile betroffen – darunter der Muelle Santa Catalina mit seiner touristischen Infrastruktur. Nun also auch noch Mogán, das mit seinem Strand und seiner Hafenpromenade ein Magnet für Urlauber aus aller Welt ist.
Was die Verantwortlichen dieser Inseln offenbar immer noch nicht vollständig begriffen haben, ist die Dimension des Problems. Es ist nicht übertrieben, von einem Wettlauf gegen die Zeit zu sprechen. Das Mittelmeer wird wärmer, die Kanaren werden es ebenso. Wenn sich diese Mücken erst einmal dauerhaft etabliert haben, werden sie nicht wieder verschwinden – und die Zahl der Dengue-Fälle in Südeuropa zeigt, wie schnell aus einem Insektenproblem eine Gesundheitskrise wird. Wie das Portal „Europa Press“ berichtet, bleibt den Behörden kaum Zeit, die erneute Einschleppung einzudämmen.
Ein Appell an die Vernunft
Man kann den Gesundheitsbehörden nicht vorwerfen, untätig zu sein. Die Protokolle greifen, die Fachleute arbeiten koordiniert, die Kommunikation mit der Bevölkerung läuft. Doch all dieses Bemühen nützt wenig, wenn es an der Basis hapert. Jeder Balkon, jeder Garten – egal ob Privatbesitz, Hotelanlage oder stillgelegtes Grundstück – kann ein Eiablageplatz werden. Untersetzer, Eimer, Abflüsse, Gießkannen: alles potenzielle Brutstätten.
Wer in den kommenden Wochen Wasseransammlungen in der Nachbarschaft duldet, leistet diesen Plagegeistern Schützenhilfe. Die Zahl der Standorte, an denen die invasive Mücke inzwischen gesichtet wurde, ist zu hoch, um noch vom Einzelfall zu sprechen. Der Kampf gegen die Aedes aegypti ist kein Problem der Hygiene, sondern einer der Disziplin. Wenn die Menschen auf den Kanarischen Inseln nicht endlich geschlossen handeln, werden sie sich in wenigen Jahren nicht mehr nur über Mückenstiche ärgern, sondern über Krankheitsfälle in ihrer eigenen Nachbarschaft.
Quelle: europapress.es