
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Archiviertes Trauma
Ein Akt der Entrüstung
Nach vier Jahren Ermittlungen, sieben Verlängerungen und einem Berg von Beweisen bleibt für die Eltern der vierjährigen Vera eine bittere Wahrheit: Die Justiz will ihre Frage nicht hören. Die Frage, wie eine Gemeinde ihre Bürger schützen muss – und wie sie es in Mislata nicht tat. Nun hat die zuständige Richterin das Verfahren gegen den städtischen Techniker eingestellt. Die Eltern kündigen Berufung an. Nicht aus juristischem Kalkül, sondern aus einer Mischung von „Indignation, Suffering, Anger and Impotence“, wie sie in einer öffentlichen Mitteilung erklären.
Das Schweigen der Institution
Der Kern des Vorwurfs ist nicht bloß ein fehlerhaftes Genehmigungsverfahren. Es ist ein systemisches Versagen. Die Richterin selbst listet in ihrem Beschluss, wie Europa Press berichtet, die „multiple Deficiencies“ der Feria auf: Es gab keine verantwortliche Erklärung zur Eröffnung des Festes, die 30 Tage vorher vorgelegt werden muss. Die Genehmigung für die Nutzung des öffentlichen Raums, die der technische Mitarbeiter selbst bearbeitete, autorisierte nicht die Eröffnung des Hinflables. Die Lizenz für die Aktivität war unbekannt, da sie in die Zuständigkeit des Industrie-Dezernats fällt.
Die Eltern fragten dreimal die Vorladung des betreffenden Stadtrats. Dreimal lehnte die Richterin ab. Ein fataler Kreislauf: Die Institution, deren Pflicht es war, Sicherheit zu garantieren, wird nicht zur Rechenschaft gezogen. Stattdessen, so die Eltern, gebe die Richterin „dem Statement eines Beschuldigten mehr Glaubwürdigkeit als den Conclusions der verschiedenen Reports der National Police und der Independent Experts“.
Der blinde Fleck der Aufsicht
Die tragische Kette der Ereignisse ist bekannt: Der Hinflable wurde nicht am vorgesehenen, sicheren Platz installiert, sondern neben Trampolins. Er war nur mit schlechten Seilen an einer Seite befestigt, auf der anderen vollständig exponiert. Der Wind nahm ihn im Januar 2022 mit. Vera und die achtjährige Cayetana starben.
Die technischen Mitarbeiter der Stadt, so der Vorwurf, bekamen den Lagewechsel nicht mit. Sie hatten die Mittel, sie hatten die Verantwortung – und sie nutzten sie nicht. „Die Liste der Negligences, die auf den Ayuntamiento de Mislata hinweisen, ist interminable“, schreiben die Eltern. Von der fehlenden Aktivitätslizenz bis zum übersehenen Standortwechsel. Der Hinflable-Produzent, die Nationale Polizei und externe Experten sehen die Hauptverantwortung bei der Gemeinde. Die Richterin sieht sie nicht.
Ein falscher Schluss
Für die Familie ist die Einstellung des Verfahrens gegen den Techniker ein „falscher Schluss der Instruction“. Die Richterin signierte den Beschluss Stunden, nachdem ihr Anwalt die Beschuldigung des Industrie-Dezernats und eine neue Verlängerung erbeten hatte. Sie argumentiert mit einer internen Rundschreiben der Regionalregierung, die – so die Kritik – höher gewichtet wird als das Valencianische Gesetz 14/2010 für öffentliche Veranstaltungen, das die Verantwortung klar den Veranstaltern und ihrem Ingenieur zuweist.
Die zentrale Frage der Eltern bleibt unbeantwortet: „Does the Judge wirklich believe her own Argument, dass die Action des Ayuntamiento nichts mit dem traurigen Outcome und seinen schweren Consequences zu tun hatte?“ Sie wissen, dass eine verantwortliche Handlung der Gemeinde den Unfall vermieden oder seine Folgen gemindert hätte. Die Beweise sagen es. Die Justiz scheint es zu ignorieren.
Quellen: Mitteilung der Familie; Beschluss der Richterin (via Europa Press); Valencianisches Gesetz 14/2010 für öffentliche Veranstaltungen; Expertenberichte der Nationalpolizei und externer Sachverständiger.