Wasserkonflikt: Ökologische Auflagen bedrohen historischen Wassertransfer
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Wasserkonflikt: Ökologische Auflagen bedrohen historischen Wassertransfer

von Redaktion

Die Debatte um den Tajo-Segura-Kanal erreicht eine neue Eskalationsstufe. Laut einem Vertreter der Bewässerungsgemeinschaften führt die im vergangenen Jahr in Kraft getretene Erhöhung der ökologischen Mindestwasserführung im Fluss Tajo bereits zu einem signifikanten Wasserverlust für die Landwirtschaft im Südosten Spaniens. Wie Roque Luis Bru, Vizepräsident des SCRATS (Sindicato Central de Regantes del Acueducto Tajo-Segura), in einer Anhörung vor der Regionalversammlung von Murcia darlegte, entziehe die Maßnahme dem Transfer system bereits etwa 70 Kubikhektometer Wasser. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Europa Press.

Bru, der auch Präsident der Comunidad General de Regantes Riegos de Levante ist, vertritt etwa 22.000 Landwirte, die rund 25.000 Hektar im Süden der Provinz Alicante bewässern. Er beschrieb eine existenzielle Abhängigkeit: Der vor 47 Jahren in Betrieb genommene Kanal habe die Region transformiert und den Wechsel zu hochwertigeren Kulturen ermöglicht. Die aktuelle Politik führe nun zu neuer Unsicherheit in einem Sektor, der bereits unter wirtschaftlichem Druck, Investitionsrückständen und Nachwuchsmangel leide.

Desalination als teure Alternative, kein Ersatz In seiner Stellungnahme räumte Bru zwar die Bedeutung der Meerwasserentsalzung ein, wies jedoch auf ihre Grenzen hin. Das entsalzte Wasser sei deutlich teurer, betonte er. Erst der günstigere Mix aus transferiertem und eigenem Wasser halte die Bewässerungskosten für die meisten Betriebe tragfähig. “Eine weitgehende Substitution durch entsalztes Wasser ist für die Mehrheit der Landwirte nicht überlebensfähig”, so seine Einschätzung. Zudem kritisierte er, es lägen “keine seriösen Studien über die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen” der ökologischen Flussregulierung vor, deren einzige Nutznießer nach seiner Auffassung Portugal sei.

Parlamentarische Reaktionen spiegeln tiefen Graben wider Die anschließende Debatte unter den Regionalabgeordneten offenbarte die politische Polarisierung. Während der PSOE-Abgeordnete Fernando Moreno den Kanal für “unverzichtbar” erklärte und einen Mix aus verschiedenen Wasserquellen forderte, sprach Antonio Martínez von Vox von einer “Wassergewalt” gegen die Levante-Region. Er warnte, die aktuelle wasserrechtliche Planung könne das “Todesurteil” für die Infrastruktur bedeuten.

Eine grundsätzlichere Kritik kam von José Luis Álvarez-Castellanos (Podemos-IU). Er führte die Probleme nicht auf eine einzelne Maßnahme zurück, sondern auf strukturelle Faktoren wie den Klimawandel, die Ausweitung der Bewässerungsflächen und die Umweltfolgen der intensiven Landwirtschaft. Sein Vorschlag: die Prüfung einer “Umstellung” oder einer “Neudimensionierung der landwirtschaftlichen Produktionskapazität”.

Der Volksvertreter Jesús Cano (PP) warf der Zentralregierung vor, Entscheidungen “ohne echten Dialog und hinter dem Rücken der Region” zu treffen und dem Kanal damit “die Guillotine aufzulegen”.

Wirtschaftliche Folgen und ein Appell nach Madrid In seiner Erwiderung verteidigte Bru den Kanal als fundamentalen Pfeiler der Wasserversorgung. Er verwies auf die vollständige Vernetzung der Entsalzungsanlage Torrevieja mit dem Transfersystem und befürwortete einen stärkeren Einsatz von aufbereitetem Wasser. Zugleich warnte er vor den Anpassungsschwierigkeiten der Betriebe in einem globalen Wettbewerb.

Abschließend unterstrich er die wirtschaftliche Dimension: Die vom Kanalwasser abhängige Bewässerungslandwirtschaft stütze “mehr als 100.000 direkte Arbeitsplätze”. Sein Appell an die Abgeordneten lautete, “vor allem in Madrid” zu arbeiten, um den Fortbestand des Tajo-Segura-Kanals zu sichern. Sein Verschwinden, so Bru, hätte “sehr schwerwiegende” Folgen für den gesamten Südosten Spaniens.