Gewaltschutz: Zahlen, Trends und Herausforderungen
Rückgang bei Jugendlichen, Zuwachs bei älteren Frauen Im ersten Quartal 2026 suchten 3.334 Frauen in der Region Unterstützung in spezialisierten Zentren für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt. Dies entspricht einem leichten Rückgang von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auffällig ist die Entwicklung bei den Erstabfragen: 746 Frauen nahmen erstmals Kontakt auf, ein Anstieg von drei Prozent. Demgegenüber steht ein signifikanter Rückgang bei jugendlichen Betroffenen im Alter von 16 und 17 Jahren. Ihre Zahl sank um etwa 35 Prozent; die der neuen Nutzerinnen dieser Altersgruppe ging von 24 auf 15 zurück, wie aus den von der Regionalregierung vorgelegten Daten hervorgeht.
Verschiebungen im Hilfebedarf und Zugangswegen Die regional zuständige Ministerin für Sozialpolitik, Familien und Gleichstellung, Conchita Ruiz, stellte die Bilanz vor. Ein Schwerpunkt lag auf der Gruppe der Frauen über 65 Jahre, von denen etwa einhundert in dem Quartal betreut wurden. Diese Frauen, so Ruiz, hätten die Gewalt oft jahrelang erduldet und suchten nun, etwa auf Initiative ihrer Kinder oder durch Kenntnis der Hilfsangebote, Hilfe. Ihr primärer Bedarf liege in psychologischer Betreuung. Die Art der geleisteten Interventionen hat sich verschoben. Am häufigsten nachgefragt waren im Berichtszeitraum sozialarbeiterische Leistungen (4.286), die damit die psychologische Betreuung von der Spitzenposition des Vorjahres verdrängten. Sowohl sozialarbeiterische als auch rechtsberatende Interventionen verzeichneten einen Anstieg von elf Prozent in diesem Jahr. Insgesamt wurden 11.243 Fachinterventionen durchgeführt, 307 mehr als 2025. Die Präsenzberatung bleibt dominierend, doch telefonische oder Video-Interventionen nahmen um 379 zu.
Ökonomische Abhängigkeit als zentrale Hürde Fachkräfte der Betreuungsnetzwerke beobachten laut Ministerin Ruiz eine verstärkte wirtschaftliche Abhängigkeit der Betroffenen von ihren Peinigern. Dies werde selbst von Frauen mit stabiler Beschäftigung berichtet und sei auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten und mangelnde Unterstützungsnetzwerke im nahen Umfeld zurückzuführen. Trotz dieser erschwerten Umstände entschieden sich die Frauen, die Gewaltbeziehung zu beenden und Hilfsangebote wahrzunehmen. Die Zahlen für das spezialisierte Zentrum für Opfer sexualisierter Gewalt (CAIVAX) blieben stabil: 361 Frauen wurden betreut, 22 weniger als 2025. Darunter waren 70 Erstkontakte und 24 Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahren. Die dort geleisteten professionellen Interventionen stiegen um 101 auf 1.136. Hier war, wie Ruiz erläuterte, die telefonische Beratung am gefragtesten, da die Opfer zunächst anonym bleiben wollten und erst später zu Präsenzterminen übergingen.
Daten zu Tätern und spezifischer Unterstützung Die ausgewerteten Fälle sexualisierter Gewalt betrafen zu 90 Prozent Sexualstraftaten im engeren Sinne. Fünf Nutzerinnen meldeten sexuelle Belästigung, ein Fall digitaler sexualisierter Gewalt wurde registriert. In der Mehrzahl der Fälle stammten die mutmaßlichen Täter aus dem sozialen Nahraum der Opfer – es handelte sich dabei vor allem um Freunde, Arbeitskollegen oder Bekannte, nicht um Familienmitglieder. Ruiz betonte den umfassenden Ansatz der Zentren. Neben psychologischer und juristischer Unterstützung werde an der Wiederherstellung aller durch die Gewalt geschädigten Lebensbereiche gearbeitet. Dies geschehe in Einzel- und Gruppensettings mit dem Ziel, soziale Kompetenzen und Selbstwertgefühl zu stärken und ein tragfähiges Unterstützungsnetz aufzubauen. Das regionale Hilfsnetzwerk stehe den betroffenen Frauen dauerhaft zur Verfügung, wenn sie bereit sind, Hilfe anzunehmen.
Quelle: Europapress basierend auf Daten der Regionalregierung.