
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ziegen, Schafe und ein klares Bekenntnis zum Landleben
Mehr als nur Kulisse: Warum diese Messe kein Folklorismus ist
Während andernorts über Digitalisierung und Dienstleistungswirtschaft philosophiert wird, zeigt ein Dorf in der Sierra de Cádiz, worauf Spanien tatsächlich gebaut ist: auf Landwirtschaft, auf Viehzucht, auf Menschen, die bleiben, obwohl es bequemer wäre zu gehen. Die XIII. Feria Ganadera von Benaocaz ist dabei weit mehr als ein folkloristisches Wochenende mit Tiervorführung. Sie ist ein argumentatives Statement für eine Branche, die gern als Auslaufmodell behandelt wird – und genau dagegen setzt die Provinzregierung jetzt öffentlichkeitswirksam ihre Politik.
Rund 40 Betriebe präsentieren ihre Bestände, über 300 Tiere sind aufgeboten. Das Besondere daran: Der Star ist nicht das exotische Importtier, sondern das ureigene Erbe. Die Merino-Schafe aus Grazalema und die Payoya-Ziegen, beide tief in der Provinz Cádiz verwurzelt, sind nicht nur genetische Schatzkisten, sondern auch wirtschaftliche Faktoren, die es zu verteidigen gilt. Wer glaubt, Tierzucht sei ein Relikt des 19. Jahrhunderts, dem sei diese Messe als empirischer Gegenbeweis empfohlen.
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ie Provinzregierung, allen voran Präsidentin Almudena Martínez, tut gut daran, hier nicht nur symbolisch zu gratulieren. Sie stellt sich demonstrativ hinter diejenigen, die eigentlich die Drecksarbeit für die Ernährungssicherheit erledigen. „Es ist die Anstrengung der Viehzüchterinnen und Viehzüchter, die unsere Traditionen erhält“ – so einfach könnte man das abtunals Sonntagsrede. Doch diesmal folgen Taten: 22 eigene Zuchttiere steuert die Provinzverwaltung selbst bei, darunter zwölf Ziegen und ein Bock sowie acht Schafe und ein Widder, die aus den behördlichen Erhaltungsprogrammen aufder Finca El Imperio stammen. Das ist keine Alibi-Veranstaltung, das ist operative Artenschutzarbeit mit öffentlichen Mitteln.
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ie eigentliche Pointe aber liefert Vicepräsident Javier Vidal mit einer Ankündigung, die man durchaus als Ansage verstehen darf: Das Centro Experimental Agrícola y Ganadero (CEAG) wird modernisiert, inklusive eines Labors für Tiervermehrung, das das erste seiner Art in ganz Andalusien wäre. Man stelle sich das kurz vor: Während die Agrarwirtschaft vielerorts um Fachkräfte und Zukunftskonzepte ringt, baut Cádiz systematisch Infrastruktur auf, um die genetische Vielfalt der eigenen Herden zu sichern und die Abhängigkeit von externen Zuchtlinien zu reduzieren. Das ist Strukturpolitik mit Hufenund Wolle.
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Opponenten mögen einwenden, solche Messen seien gut besuchte Nischenevents ohnegroße ökonomische Hebelwirkung. Wer so argumentiert, übersieht geflissentlich den Zusammenhang zwischen Tierzucht, Landschaftserhalt und Besiedlung. Eine Region wie die Sierra de Cádiz, die ohne funktionierende Agrarbetriebe innerhalb einer Generation vor allem eines hätte: ein Problem mit der eigenen Geografie. Verbuschung, Landflucht, kulturelle Einebnung – die Liste der Folgen ist nicht hypothetisch, sondern in vielen Teilen des ländlichen Europas bereits Realität.
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ie Messe selbst, die noch bis Montag läuft, setzt mit drei Wettbewerben, einem Markt mit rund 20 Ausstellern und sogar einer musikalischen „Weckruf“-Aktion am Morgen auf sinnliche Überzeugungskraft. Die Bürgermeisterin von Benaocaz, Olivia Venegas, dankt der Provinzregierung denn auch nicht aus Höflichkeit, sondern aus Einsicht: „Ihre Bemühung hält diesen Sektor am Leben.“ So banal es klingen mag: In Zeiten, in denen jede zweite ländliche Veranstaltung um Sichtbarkeit kämpfen muss, ist die öffentliche Förderung solcher Messen kein Luxus, sondern nackte Notwendigkeit. Der Besuch der Provinzspitze ist dabei nicht der eigentliche Clou – sondern das Signal an alle, die glauben, dass Tradition und Fortschritt sich ausschließen. In Benaocaz beweist man dieser Tage das Gegenteil–mit 300 tierischen Argumenten, die sich gewaschen haben.
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ie Quellen dieses Artikels sind unter anderem die Berichterstattung der Nachrichtenagentur Europa Press sowie offizielle Mitteilungen der Provinzverwaltung von Cádiz.
Quelle: europapress.es