Wrack vor Marbella zeugt von altem Handel

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Marbella

Wrack vor Marbella zeugt von altem Handel

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Frachter mit Geschichte

Der Meeresboden vor Marbella gibt ein Geheimnis preis, das weit über einen einfachen Schiffsuntergang hinausreicht. Rund 140 Jahre nach dem Unglück untersuchen Archäologen die Überreste eines Handelsschiffs vor der Playas von Cabopino. Die Entdeckung wirft ein neues Licht auf die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Europa und Südamerika im späten 19. Jahrhundert.

Im November 1887 sank das Schiff während eines schweren Sturms. Die Besatzung konnte sich damals retten, die Ladung jedoch blieb auf dem Meeresgrund. Dabei handelte es sich nicht um gewöhnliche Fracht. An Bord befanden sich Keramikfliesen, Dachziegel und weiteres Baumaterial – produziert in französischen Fabriken, bestimmt für den pulsierenden Baumarkt in Buenos Aires.

Aufbruch in eine neue Ära

Argentinien erlebte in jenen Jahren einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung. Zwischen 1881 und 1889 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 141 Prozent. Die Hauptstadt Buenos Aires verwandelte sich in rasantem Tempo, und mit ihr stieg die Nachfrage nach hochwertigen Baumaterialien aus Europa. Wie der Architekt und Archäologe Daniel Schávelzon in einer Studie festhielt, importierte das Land allein im Jahr 1880 rund 14 Millionen Fliesen.

Der Grund für diese Importfreude war simpel: Die europäischen Erzeugnisse galten als qualitativ deutlich überlegen gegenüber lokaler Produktion. Reiseführer jener Zeit warben sogar mit Bodenfliesen und Ziegeln als idealem Ballast für Schiffe – sie stabilisierten die Fracht und ließen sich dennoch profitabel verkaufen.

Spuren einer untergegangenen Route

Die Forscher des Centro de Arqueología Subacuática gehen davon aus, dass es sich bei dem Wrack um den italienischen Frachter „Galigniano" handelt. Das Schiff mit einer Tonnage von rund 600 Tonnen war in Neapel registriert. Dokumente aus der Zeit des Unglücks bestätigen den Untergang am 23. November 1887.

Einige Keramikfragmente tragen Marken des Marseille-Produzenten Roux B. Martin – ein wichtiger Hinweis auf die Handelswege jener Epoche. Die Fracht verdeutlicht, dass nicht nur Rohstoffe und Agrarprodukte den Atlantik überquerten. Auch europäische Fertigwaren prägten das Stadtbild südamerikanischer Metropolen.

Präzise Arbeit unter Wasser

Erstmals 2022 untersuchten Archäologen das Wrack genauer. In etwa sechs Metern Tiefe dokumentierten sie Überreste des Rumpfs, Spanten und eine schützende Metallummantelung. Das Schiff maß damals rund 39 Meter in der Länge und 15 Meter in der Breite.

Im September führte das Institut für andalusisches Kulturerbe erneut eine Untersuchung durch. Mit modernen Methoden wie dreidimensionaler Modellierung wollen die Experten die Struktur des Schiffs genauer erfassen und die Identität endgültig bestätigen. Die Kombination aus Unterwasserbefunden und historischen Archiven könnte künftig noch mehr Details über Bauweise, Handelsrouten und letztlich das Schicksal des Frachters preisgeben.

Das Wrack von Cabopino verwandelt einen tragischen Schiffsuntergang in ein Fenster zur Wirtschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts. Es zeigt: Lange bevor Marbella als Synonym für Tourismus stand, verliefen vor seiner Küste bedeutende Handelswege zwischen zwei Kontinenten.


Quelle: diariosur.es

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