
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Wohnungsbetrug: 60-Jähriger soll Studenten abgezockt haben
Fiktive Anzeige, reale Beute
Ein offenbar dreister Wohnungsbetrug beschäftigt die spanische Polizei: Wie die Beamten am Dienstag mitteilten, konnten sie einen 60-jährigen Mann festnehmen, der mehrere Studenten um insgesamt über 3.500 Euro erleichtert haben soll. Die Masche des Beschuldigten, der bereits polizeibekannt ist, folgte einem einfachen Muster: Er inserierte eine Mietwohnung in Granada, die er gar nicht besaß.
Die erste Anzeige erreichte die Polizei Anfang September von einer jungen Frau aus Valdepeñas in Ciudad Real. Sie gab an, im April auf ein Inserat für eine Wohnung in Granada gestoßen zu sein. Gemeinsam mit einer Freundin reiste sie an, um das Objekt zu besichtigen – und traf dort auf einen Mann, der ihnen eine Wohnung im vierten Stock zeigte. Die beiden Frauen schlossen einen Mietvertrag für die Immobilie ab und überwiesen 800 Euro als Reservierungsgebühr. Der eigentliche Mietvertrag sollte im September unterzeichnet werden. Als die Frauen den Vermieter jedoch nicht mehr erreichen konnten, wurde ihnen klar, dass sie auf einen Betrug hereingefallen waren. Eine Nachfrage beim Eigentümer des Gebäudes ergab, dass alle Wohnungen regulär vermietet waren.
Wie die Ermittlungen ergaben, ist die Frau aus Valdepeñas nicht das einzige Opfer. Auch ein Mann aus Granada fiel auf den mutmaßlichen Betrüger herein. Er hatte im August 700 Euro Kaution und 700 Euro für angebliche Verwaltungsgebühren überwiesen. Die Anzeige datiert auf Mitte August. Das Inserat, auf das er sich bezog, war zu diesem Zeitpunkt bereits von der Plattform verschwunden.
Auch zwei weitere Studentinnen aus Marbella (Málaga) erstatteten Anzeige. Eine von ihnen zahlte im Februar insgesamt 1.400 Euro – jeweils 700 Euro für Kaution und die erste Miete. Eine andere Frau aus Marbella überwies im April 700 Euro als Reservierungsgebühr für die angebliche Wohnung. Allen Opfern gemeinsam: Sie verloren im August den Kontakt zum angeblichen Vermieter und konnten die Wohnung nie beziehen.
Ermittlungen führen zum mutmaßlichen Täter
Im Fall des ersten gemeldeten Betrugs war es die Geschädigte selbst, die die Sache in die Hand nahm. Als sie im September keinen Kontakt mehr zu ihrem „Vermieter“ bekam, reiste sie erneut nach Granada und sprach den Eigentümer des Hauses an. Der klärte sie auf, dass alle Wohnungen regulär vermietet seien – und sie vermutlich auf einen Betrüger hereingefallen sei. Die Frau erstattete daraufhin Anzeige.
Die Ermittlungen führten die Beamten schließlich auf die Spur des mutmaßlichen Täters. Sie werfen ihm vor, insgesamt vier Studenten aus Granada, Málaga und Ciudad Real geschädigt zu haben. Die jungen Leute büßten jeweils zwischen 700 und 1.600 Euro ein – sei es als Reservierungsgebühr, Kaution oder für angebliche Verwaltungskosten. In einem Fall verlor der Mieter sogar doppelt: 700 Euro Kaution plus 700 Euro für die Vermittlung. Alle Opfer berichteten übereinstimmend, dass der Kontakt zum angeblichen Vermieter abrupt abbrach, als es an die Schlüsselübergabe gehen sollte.
Ermittlungserfolg durch aufmerksame Opfer
Der Fall hatte sich für die Ermittler erst durch die Aussagen mehrerer Geschädigter aus verschiedenen Provinzen konkretisiert: Betroffen waren nicht nur die junge Frau aus Ciudad Real, sondern auch zwei Studenten aus Marbella sowie ein weiterer aus Granada. Alle hatten zwischen Februar und August unterschiedliche Summen als Anzahlung oder Kaution gezahlt – meist zwischen 700 und 800 Euro.
Was den Betrug besonders perfide machte: Der falsche Vermieter zeigte den Interessenten tatsächlich eine Wohnung, die ihm nachweislich nicht gehörte. Die Geschädigten stellten erst spät fest, dass sie betrogen worden waren, als der angebliche Vermieter nicht mehr erreichbar war und sich herausstellte, dass die tatsächliche Eigentümerin die Wohnung bereits an andere Mieter vergeben hatte.
Wie aus Polizeikreisen zu hören ist, hatte der Beschuldigte nicht nur die Studentin aus Valdepeñas, sondern auch eine weitere Betroffene aus Málaga getäuscht. Eine weitere Geschädigte aus Marbella zahlte im April ebenfalls 700 Euro Reservierungsgebühr für dieselbe Wohnung. Alle Opfer eint, dass sie erst nach Wochen bemerkten, dass die angebliche Vermietung ein Schwindel war – und der Kontakt zum "Vermieter" abrupt abbrach.
Der mutmaßliche Täter wurde in Granada festgenommen und soll nun einem Richter vorgeführt werden. Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei dem Mann um einen Serientäter handelt, der gezielt die Wohnungsnot von Studierenden ausgenutzt hat.
So schützen Sie sich vor Betrug bei der Wohnungssuche
Angesichts des Falles raten Experten zur Vorsicht bei Wohnungsinseraten: Seriöse Vermieter verlangen keine hohen Vorauszahlungen, bevor ein unterschriebener Mietvertrag vorliegt. Zudem sollte man sich immer die Identität des Vermieters zeigen lassen und im Zweifel den Grundbucheintrag prüfen.
Wie die Ermittlungen ergaben, hatte der Beschuldigte gegenüber den Geschädigten immer wieder betont, der Mietvertrag werde formalisiert, sobald die Wohnung frei sei. So hielt er die Studenten über Monate hinweg hin – bis der Kontakt im August vollständig abbrach. Erst dann realisierten die Betroffenen, dass sie auf einen Betrüger hereingefallen waren. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann seine Masche mehrfach angewendet hat. Nach seiner Festnahme wurde er der Justiz übergeben. Ob er noch für weitere Betrugsfälle verantwortlich ist, wird nun ermittelt. Besonders perfide: Der Mann soll die Identität des tatsächlichen Wohnungseigentümers genutzt haben, um seine Opfer zu täuschen.
Wie die Ermittler weiter mitteilten, stellten sich die Geschädigten aus den unterschiedlichsten Städten – darunter Granada, Málaga und Marbella – als Studenten heraus, die auf der Suche nach einer Unterkunft für ihr Studium waren. Die Polizei rät bei der Wohnungssuche zu erhöhter Vorsicht, insbesondere wenn Vorauszahlungen verlangt werden oder der Anbieter auf persönliche Besichtigungstermine verzichten will. Der Beschuldigte wurde nach seiner Festnahme der Justiz übergeben. Wie viel von dem erbeuteten Geld zurückgeholt werden konnte, ist unklar.
Quelle: europapress.es