
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Wirtschaft schlägt Alarm: „Jetzt kommen harte Jahre“
Die Stimmung in der balearischen Wirtschaft ist so schlecht wie lange nicht mehr. Bei einem Krisengipfel mit der Regionalregierung haben Spitzenvertreter der Transportbranche, der Bauindustrie und der Fährunternehmen ein düsteres Szenario gezeichnet: explodierende Kraftstoffpreise, Materialknappheit und eine Inflation, die an den Grundfesten der Unternehmen nagt. „Uns stehen harte Jahre bevor“, warnte Ezequiel Horrach, Vizepräsident des Transportverbands, unmissverständlich.
Alarmsignale aus allen Branchen
Die Bezeichnung des Treffens als bloßer „Gedankenaustausch“ verfehlt die Dramatik der Lage. Tatsächlich offenbarte die Runde am Donnerstag ein Ausmaß an Verzweiflung, das in dieser Deutlichkeit selten zu hören ist. Rafael Roig, Präsident der Transportföderation, machte klar: „Die Spritpreise werden weiter steigen.“ Für eine Inselgruppe wie die Balearen, die nahezu vollständig von See- und Landtransport abhängig ist, sei das eine existenzielle Bedrohung. Die Unternehmen erwarten von der Regierung konkrete Lösungen – doch genau daran mangelte es bislang.
Bauwirtschaft warnt vor Kettenreaktion
Guillem Rosselló von der Baustoffhersteller-Vereinigung Construïm schlug in dieselbe Kerbe. Im Archipel funktioniere die Wirtschaft „wie am Fließband“: Steigen die Preise in einem Sektor, leidet am Ende die gesamte Wertschöpfungskette. Die Erhöhung der Herstellungskosten werde unweigerlich auf die Endverbraucher abgewälzt. Eine Preissteigerung bei Baumaterialien sei unter diesen Bedingungen schlicht „unvermeidlich“.
Climent Olives, Präsident der Bauvereinigung, ergänzte, dass man aktuell noch nicht einmal das Ausmaß der nächsten Preisrunde kenne. Zwar hatte die Eskalation im Nahen Osten im Juni noch eine kurze Verschnaufpause gebracht – das Hilfspaket der Regierung umfasste 160 Millionen Euro. Doch nun, so Olives, sei die Lage „genauso angespannt wie zu Beginn des Konflikts“.
Fährgesellschaften: Monopol als Kostenfalle
Besonders deutlich wurden die Vertreter der Schifffahrtsbranche. Rafael Cardona, Geschäftsführer von Trasmapi, verwies auf ein strukturelles Problem: „Als Inseln sind wir einem Monopol bei den Treibstoffkosten ausgeliefert.“ Diese Abhängigkeit schlage direkt auf die Betriebskosten durch – und werde am Ende über höhere Ticketpreise und Frachttarife abgerechnet.
Hinzu kommt ein politisches Dilemma: Die relevanten Häfen unterstehen der Zentralregierung in Madrid, die Balearen-Regierung hat hier kaum Einflussmöglichkeiten. Cardona forderte daher staatliche Subventionen und Vergünstigungen, wie sie bereits während der Ukraine-Krise und der Corona-Pandemie gewährt wurden. Die Antwort der Hafenbehörde? Fehlanzeige. Man warte weiterhin auf eine Reaktion, so der Manager.
Konkrete Hilfen? Fehlanzeige
Das vierte Spitzentreffen dieser Art endete ohne greifbares Ergebnis. Zwar wurden Ideen ausgetauscht, doch konkrete Beschlüsse zur Entlastung von Unternehmen und Verbrauchern blieben aus. Die Vertreter der Wirtschaft verlassen den Raum mit einer klaren Botschaft an die Politik: Man erwarte keine Wunder, aber ein erkennbares Signal. Die Zeit des Abwartens, so der Tenor, sei vorbei. Die Rechnung für die Krise werde sonst auf dem Rücken der gesamten Bevölkerung beglichen. Wie die Wirtschaftsverbände in einer gemeinsamen Stellungnahme gegenüber verschiedenen Medien betonten, brauche es nun schnelle und unbürokratische Hilfe, um die Insellage nicht zum wirtschaftlichen Damoklesschwert werden zu lassen.
Quelle: europapress.es