Wenn der Spatz nervt und die Taube stört

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Granada

Wenn der Spatz nervt und die Taube stört

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Mehr als nur Zwitschern

Der alltägliche Blick aus dem Fenster, der Spaziergang durch den Park: Begegnungen mit Vögeln sind in Städten an der Tagesordnung. Doch diese Begegnungen sind selten neutral. Sie prägen, wie wir Natur wahrnehmen und beeinflussen unser Wohlbefinden – im Positiven wie im Negativen. Eine neue internationale Studie, an der die Universität Granada (UGR) maßgeblich beteiligt ist, hat sich nun genau diesem Verhältnis zwischen Stadtmenschen und gefiederten Mitbewohnern gewidmet.

„Vögel können uns den Tag versüßen, allein durch den Anblick ihres Flugs oder ihrer Farben, oder durch ihren Gesang“, erklärt Lucía Izquierdo, Forscherin an der UGR und Hauptautorin der Arbeit. Diese positiven Erlebnisse fassen Fachleute als kulturelle Ökosystemleistungen zusammen – also als nicht-materiellen Nutzen, den die Natur dem Menschen stiftet.

Wenn Vögel zur Belastung werden

Doch die Kehrseite der Medaille fehlt in der Wahrnehmung selten: Lärm, Verschmutzung oder Schäden an Gebäuden können Vögel auch zur Plage machen. Diese negativen Aspekte, sogenannte Ökosystem-Diservices, führen in Wohngebieten nicht selten zu Konflikten zwischen Nachbarn und Tierwelt. „In einer Welt wachsender Städte ist es entscheidend, das Gleichgewicht zwischen den Vor- und Nachteilen der Tiere zu verstehen, mit denen wir am engsten zusammenleben“, betont Juan Diego Ibáñez, Zoologie-Professor an der UGR und Koordinator der Studie.

Um diese Balance zu erforschen, arbeiteten die Granadiner Wissenschaftler mit Experten der University of California in Berkeley und der University of British Columbia zusammen. Untersucht wurde, wie Vögel in Städten zu Nutzen und Schaden beitragen und ob die Gestaltung urbaner Grünflächen die Wahrnehmung dieser Interaktionen verändert.

Lieblinge und Störenfriede

Die Forscher erhoben dafür die Vogelvielfalt in mehreren spanischen Städten, darunter Granada, Madrid und Valencia. Ergänzend wurden Anwohner befragt, um ein Stimmungsbild zu Benachteiligungen und Vorteilen zu erhalten. Die Ergebnisse zeigen klare Gewinner und Verlierer: Der Haussperling und die Stockente werden von der spanischen Bevölkerung als besonders wohltuend empfunden. Das Schlusslicht bilden dagegen die Stadttaube und die Ringeltaube, denen vor allem Lärm, Schmutz und Sachschäden angelastet werden.

Die Rolle der Stadtplanung

Interessant ist auch der Einfluss des Wohnumfelds: Bewohner von Vierteln mit einem sogenannten Trennungsmodell – also großen, klar abgegrenzten Parks – bewerten die Vögel positiver. In Gegenden mit einem integrativen Modell, bei dem kleine Grünflächen zwischen den Häusern liegen, überwiegen dagegen die wahrgenommenen Nachteile. Die Studie sieht hier einen klaren Auftrag an die Stadtplanung: „Städte mit großen Grünflächen zu fördern, wird dazu beitragen, dass die Bürger besser mit den Vögeln in ihrer unmittelbaren Umgebung koexistieren können“, so Izquierdo.

Zudem zeigt die Untersuchung, dass die persönliche Verbindung zur Natur eine Schlüsselrolle spielt: Wer sich der Natur verbunden fühlt, nimmt eher die positiven Aspekte der Vögel wahr und verzeiht kleinere Unannehmlichkeiten. Die Forscher folgern daraus, dass Stadtgestaltung über die bloße Förderung von Biodiversität hinausgehen und die Interaktion des Menschen mit ihr von Anfang an mitdenken muss.

Wie die Universität Granada mitteilt, ist die Studie ein weiterer Schritt, um das Miteinander von Mensch und Tier im urbanen Raum besser zu verstehen und lebenswerter zu gestalten.


Quelle: europapress.es

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