Wenn der Ozean den Wein veredelt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Málaga

Wenn der Ozean den Wein veredelt

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Mythos oder Methode? Der Kampf um den perfekten Tropfen

Die Weinwelt ist voller Mythen, doch selten wird einer so konsequent auf den Prüfstand gestellt wie die Lagerung von Flaschen unter dem Meeresspiegel. Während Kritiker das Phänomen gern als Marketing-Gag abtun, schreitet nun die Wissenschaft ein. Die Universität Málaga hat mit einer ambitionierten Studie begonnen, die beweisen soll, was bislang nur gefühlt wurde: Schmeckt der Wein wirklich anders, wenn er im Atlantik reift?

Ein Experiment mit Hand und Kehle

Im Rahmen einer Forschungswerkstatt des Projekts SEJ-121, geleitet von Professor Gorka Zamarreño Aramendia, machten sich 32 Branchenkenner an die Arbeit. Bodegabesitzer, Sommeliers und institutionelle Vertreter trafen sich im Enogastronomischen Labor der Tourismusfakultät, um an einer außergewöhnlichen Verkostung teilzunehmen. Die Prämisse war simpel, die Durchführung umso spannender: 22 Weine aus der Axarquía, jeweils zur Hälfte klassisch im Keller gereift und zur anderen Hälfte in den Fluten versenkt, wurden blind gegeneinander angetreten.

Die Ergebnisse dieser sensorischen Prüfung, an der unter anderem namhafte Häuser wie Bodega Fabio Coullet oder Bodegas Bentomiz mitwirkten, haben selbst die Forscher überrascht. Professor Zamarreño sprach offen von einer „scheinbaren Evolution der süßen Weine“, die unter Wasser gelagert wurden. Das ist ein Befund, der die Gemüter erhitzen dürfte, denn er nährt die Hoffnung aller Experimentierfreudigen, dass der Ozean dem Wein eine Tiefe verleiht, die im kühlen Keller unerreicht scheint.

Skepsis ist der beste Sommelier

Doch Vorsicht vor Euphorie! Die Wissenschaft wäre nicht die Wissenschaft, würde sie sich mit bloßen Geschmackseindrücken zufriedengeben. Die Forscher betonen ausdrücklich, dass es in diesem Projekt nicht darum geht, dem Unterwassergold eine höhere Qualität zu attestieren. Das Ziel ist bescheidener und zugleich anspruchsvoller: Es gilt zu klären, ob es objektive, nachweisbare Differenzen gibt und ob diese für die Önologie von Bedeutung sind.

Deshalb wurden bei der Verkostung Proben entnommen, die nun im Hochsicherheitstrakt der Uni-Laboratorien (SCAI) einer chemisch-physikalischen Analyse unterzogen werden. Erst diese harte Datenlage wird zeigen, ob der Schmeckerlebnis-Moment der Tester einer wissenschaftlichen Prüfung standhält oder ob sich die Experten von der Romantik des Meeres haben verführen lassen. Es ist genau diese Disziplin, die den Unterschied zwischen einem Modetrend und einer echten Innovation ausmacht.

Ein Leuchtturmprojekt für den Süden

Unabhängig vom finalen Laborbericht hat dieses Experiment bereits jetzt seinen Wert bewiesen. Die Veranstaltung, die auch von der Escuela de Hostelería La Cónsula unterstützt wurde, demonstriert eindrucksvoll die Schlagkraft der Kooperation zwischen akademischer Forschung und regionalem Gewerbe. Während Politiker wie Jorge Martín von der Mancomunidad oder Leonor García-Agua von Sabor a Málaga die administrative Bedeutung unterstreichen, zeigt sich hier das eigentliche Potenzial: die Positionierung der Axarquía als Labor für avantgardistische Weinbau-Methoden.

Es geht nicht um die Frage, ob der Atlantik-Riesling den Klassiker ersetzt. Es geht darum, dem Markt neue Impulse zu geben und der Region einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Sollten die SCAI-Analysen die sensorischen Eindrücke bestätigen, stünde Málaga vor einem Imagegewinn, den kein Marketing-Budget der Welt erkaufen könnte. Die nächste Runde der Forschung wird also mit Spannung erwartet – und vielleicht stoßen wir dann alle auf Weine an, die das Meer für uns veredelt hat. Wie das spanische Nachrichtenportal Axarquía Plus berichtet, markiert die Studie einen wichtigen Schritt zur wissenschaftlichen Evaluierung dieses Trends.


Quelle: axarquiaplus.es

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