
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Warum liefen die Bauarbeiten weiter?
Stadtplanerin im Fokus einer Ermittlung
Die politische Verantwortung steht im Zentrum eines ungewöhnlichen Vorgangs im Rathaus von Llucmajor. Wie aus Ermittlungskreisen bekannt wurde, steht die Beigeordnete für Stadtplanung, María Inmaculada Pérez von der PP, wegen möglicher Unregelmäßigkeiten bei Bauarbeiten im Gewerbegebiet Son Noguera (auch Son Fosquet) unter Beobachtung. Ein entscheidender Punkt, den die Guardia Civil klären will: Warum hat die Dezernentin einen förmlichen Erlass zum Stopp der Arbeiten nicht unterzeichnet und vollzogen? Diesen hatten sowohl die Fachbeamten ihrer eigenen Abteilung als auch die Rechtsdienststelle bereits im März gefordert, da das Bauvorhaben gegen geltendes Planungsrecht verstoßen soll.
Mehrere städtische Bedienstete haben inzwischen als Zeugen vor der Guardia Civil ausgesagt. Ihren Schilderungen zufolge weisen alle Fingerzeige auf die PP-Politikerin als diejenige, die trotz fehlender Genehmigungen die Fortführung der Bauarbeiten ermöglicht habe. Die Oppositionsparteien im Rathaus fordern nun umfassende Aufklärung.
Opposition spricht von "überschrittener roter Linie"
Während das regierende PP-Team auf Nachfrage einer Zeitung zunächst Erklärungen ankündigte, sich dann aber auf "absolutes Schweigen" zurückzog, um erst "mehr Informationen zu sammeln", reagierte die Opposition scharf. Jaume J. Oliver, Sprecher der sozialistischen Gruppe (PSOE), sprach von einer überschrittenen "roten Linie". "Man ist von schlechtem Management zu mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten übergegangen", sagte er. Sein Gruppierung werde Erklärungen verlangen und – je nach Antwort – den sofortigen Rücktritt oder die Entlassung der Beigeordneten fordern.
Oliver betonte, die Fachbeamten der Planungsabteilung seien völlig entlastet, der Fokus liege allein auf der politischen Verantwortlichen. Die PSOE werde zudem die vollständige Herausgabe des Untersuchungsakts fordern. Oliver verwies zudem auf systematische Probleme: Die Vergabe von Baugenehmigungen dauere bis zu drei Jahre, was viele Familien zum Wegzug zwinge. Auch erinnerte er an frühere Vorfälle um Pérez, wie beleidigende Kommentare gegenüber Bürgern in einer Ratssitzung.
"Symptom eines allgemeinen Kontrollverlusts"
Die Kritik kommt aus mehreren Ecken. Oriol Gómez, Sprecher von Més per Llucmajor, sieht in der Ermittlungstätigkeit der Polizei das "eindeutige Symptom des allgemeinen Kontrollverlusts, in den das Regierungsteam von Bürgermeisterin Xisca Lascolas das Rathaus gestürzt hat". Es handele sich nicht um einen Einzelfall der Stadtplanungs-Dezernentin, sondern um eine undurchsichtige Regierungsweise, in der fragwürdige Praktiken eine Tradition hätten.
"Wenn sich bestätigt, dass die PP-Beigeordnete seit März einen Stopp-Erlass, der auf Berichten der eigenen Fachleute basiert, versteckt und zurückgehalten hat, ist das eine inakzeptable politische Verantwortungslosigkeit", so Gómez. Auch seine Formation fordert die sofortige Befragung der Dezernentin und vollen Zugang zu den Akten.
Vorgeschichte von Vorwürfen
Die aktuelle Untersuchung ist nicht der erste Konflikt um María Inmaculada Pérez. Wie Alexandro Gaffar von Llibertat Llucmajor anmerkte, hatte Més bereits vor Monaten eine mutmaßliche "Express-Legalisierung" eines Einfamilienhauses der Beigeordnete auf unbebautem Land angeprangert. Gaffar kritisiert die "absolute Intransparenz" des Stadtplanungsbereichs in Llucmajor.
Die ecosoberanistische Gruppe Més warnte abschließend davor, dass Llucmajor "nicht in die dunklen Zeiten der Stadtplanung unter Verdacht zurückfallen" dürfe. Sollten sich die Unregelmäßigkeiten bestätigen, müssten Konsequenzen "auf höchster Ebene" folgen.
Quelle: diariodemallorca.es