
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Wann 35.000 Euro nicht mehr als Kosmetik sind
Die Schattenseiten des Sommers
Ein neues Sonnensegel hier, ein paar Meter Rollstuhlrampe dort – wer die Pressemitteilung der Gemeinde Algarrobo zur diesjährigen Strandausstattung liest, könnte meinen, hier würde vorbildlich in die Lebensqualität investiert. Rund 35.000 Euro sollen es sein, die in die "puesta a punto", die Sommerbereitschaft der Küste, fließen. Eine Summe, über die man in Zeiten knapper Kassen erst einmal froh sein mag. Doch der Schein trügt. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich das Paket als das, was es ist: eine rein reaktive, auf den touristischen Augenblick fixierte Instandhaltungsmaßnahme. Von nachhaltiger Infrastrukturpolitik kann keine Rede sein.
Die Fakten, wie sie das Rathaus kommuniziert, klingen durchaus positiv: Eine dritte beschattete Zone mit Kunstrasen wird eingerichtet, bestehende barrierefreie Zugänge werden erweitert, und nach den Winterstürmen wurde der Sand geglättet und Steine wurden entfernt. Dreizehn im Vorjahr installierte, aber wegen der Dürre gesperrte Duschen werden endlich in Betrieb gehen. Die Rettungswache wird mit 18 Rettungsschwimmern, zwei Bootsführern und externer Unterstützung verstärkt. Alles löblich. Alles notwendig. Und alles im Grunde Flickwerk.
Das Label-Karussell und die Wirklichkeit vor Ort
Der wahre Clou der Ankündigung liegt jedoch im letzten Drittel: Der Strand von Algarrobo-Costa darf sich auch dieses Jahr wieder mit der Blauen Flagge, dem Q-Label für touristische Qualität und dem S-Zeichen für Nachhaltigkeit schmücken. Diese Triologie der Auszeichnungen wird stolz als Beleg für exzellentes Management präsentiert. Hier argumentiere ich scharf: Solche Labels sind oft nichts weiter als teure Feigenblätter. Sie zertifizieren einen Minimalstandard – Sauberkeit, Wasserqualität, Vorhandensein von Mülleimern und Rettungsmitteln –, der selbstverständlich sein sollte. Sie schaffen aber keine neuen Parks, entsiegeln keine Flächen, bremsen die Betonierung der Küste nicht. Im Gegenteil: Sie dienen als Marketinginstrument, das den Erwartungsdruck und damit den touristischen Andrang weiter erhöht – was langfristig genau jene Nachhaltigkeit untergräbt, die das "S" vorgeblich sichert.
Bürgermeisterin Natacha Rivas betont laut Bericht von Axarquía Plus, man verbessere die Strände "jahr für Jahr" aufgrund von Nutzerwünschen. Das ist der klassische Kurzatmigkeitstrick der Kommunalpolitik: auf den unmittelbaren Beschwerdedruck reagieren, anstatt eine langfristige, resilientere Vision für die Küste zu entwickeln. Mehr Schatten? Klar, weil es heißer wird. Bessere Zugänge? Sicher, weil die Bevölkerung altert. Doch wo ist der Masterplan, der über die nächste Sommersaison hinausdenkt? Wo sind Konzepte gegen die Überhitzung der Orte, gegen den Verkehrskollaps, gegen die Abhängigkeit von einer saisonalen Einnahmequelle?
Was 35.000 Euro wirklich bedeuten
Setzen wir die Investition in Relation: 35.000 Euro für die Aufrüstung der gesamten Strandinfrastruktur einer Gemeinde, die sich mit Qualitätsflaggen schmückt, sind ein Tropfen auf den heißen Stein – oder in den trockenen andalusischen Sand. Diese Summe repräsentiert Wartung, nicht Wandel. Sie sichert den Status quo für eine weitere Saison, während die grundlegenden Herausforderungen – Klimakrise, Wasserknappheit, Massentourismus – ungelöst weiterbrodeln.
Die Verstärkung der Rettungswache ist richtig und wichtig. Doch die eigentliche Frage der Sicherheit stellt sich weit vor der Küste: in der mangelnden Verkehrsinfrastruktur, in der ungebremsten Bodenversiegelung, in der ökologischen Sicherheit eines ganzen Ökosystems.
Fazit: Algarrobo macht seinen Job. Die Strände werden sauber, zugänglich und bewacht sein. Das ist die Pflichtübung. Die Kür – eine echte, zukunftsfähige Tourismusstrategie, die den Namen Nachhaltigkeit verdient – bleibt aus. Die Investition ist Kosmetik. Die Krankheit, die Abhängigkeit von einem ausbeuterischen Tourismusmodell, bleibt unbehandelt. Man feiert die Auszeichnungen für das Aufräumen nach dem Sturm, während man die Wolken am Horizont ignoriert, die den nächsten, viel größeren Sturm ankündigen.
Quelle: Axarquía Plus (Originalmeldung: "Algarrobo invierte 35.000 euros en la puesta a punto de sus playas y refuerza la vigilancia para el verano")
Quelle: axarquiaplus.es