Waffenpakete aus den USA: Festnahme in Madrid

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Waffenpakete aus den USA: Festnahme in Madrid

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Vom Paket zur Pistole: Festnahme in Madrid

Wer glaubt, der illegale Waffenhandel sei ein Geschäft für Schattenwelten mit dicken Kneipen und zwielichtigen Häfen, der irrt gewaltig. Das digitale Zeitalter hat auch vor dem Waffenschmuggel nicht Halt gemacht. Das zeigt ein aktueller Ermittlungserfolg der Guardia Civil, die in Zusammenarbeit mit der US-Bundesbehörde Homeland Security Investigations (HSI) einen Mann in Madrid festnahm, dessen Geschäftsmodell ebenso simpel wie beunruhigend ist: Er bestellte sich seine Waffen einfach im Internet.

Wie die Guardia Civil mitteilte, hatte der Mann, ein Spanier zwischen 40 und 50 Jahren, über amerikanische Webseiten und andere ausländische Portale Einzelteile von Schusswaffen bestellt. Die Pakete ließ er nach Madrid schicken, wo er die Komponenten – darunter Schlitten, Läufe und Rahmen – in seiner Werkstatt zu voll funktionsfähigen Pistolen zusammensetzte. Die Ermittler schätzen, dass der Mann über profundes technisches Know-how verfügte, das er nutzte, um die Waffen anschließend im illegalen Markt zu verkaufen.

Detektivarbeit gegen den digitalen Waffenmarkt

Der Fall nahm seinen Lauf im Februar dieses Jahres, als Beamte der HSI in den USA ein verdächtiges Postpaket abfingen, das nach Spanien adressiert war. Im Inneren befanden sich neue Pistolenläufe. Dieser Fund war der Auslöser für die gemeinsamen Ermittlungen, die schließlich zu dem 40- bis 50-Jährigen führten. Die Tarnung des Verdächtigen war ausgefeilt: Er agierte unter verschiedenen falschen Identitäten, um seine Einkäufe zu verschleiern und die spanischen Kontrollen zu umgehen. Die Ermittler konnten ihm diese Täuschungsmanöver jedoch nachweisen.

Die Bilanz der Razzia kann sich sehen lassen – und macht die Dimension des Problems deutlich. Die Beamten beschlagnahmten ein Arsenal, das sieben Pistolen, eine abgesägte Schrotflinte, ein Gewehr, 13 neue Pistolenläufe, fünf Waffenrahmen, drei Schalldämpfer und rund 1.400 Schuss Munition verschiedener Kaliber umfasste. Dazu kamen 6.500 Euro Bargeld, mutmaßlich der Erlös aus bereits getätigten Verkäufen. Die Behörden gehen davon aus, dass der Mann die Waffen nicht nur sammelte, sondern aktiv im Milieu der Hauptstadt vertrieb.

Ein Schlag gegen die „Do-it-yourself"-Kriminalität

Dieser Fall wirft ein Schlaglicht auf eine wachsende Gefahr: den Bau von Schusswaffen aus legal erhältlichen Bauteilen. Während der Kauf einer kompletten Waffe in Spanien streng reguliert ist, lassen sich Einzelteile über internationale Online-Shops oft leichter beschaffen. Die Guardia Civil ordnet die Operation in ihren Plan Integral para el Control de las Armas de Fuego (PICAF) ein, der genau solche Schlupflöcher schließen soll. Die Ermittlungen wurden von der Ermittlungsabteilung des Gerichts in Majadahonda (Madrid) geleitet, das nun über das weitere Schicksal des mutmaßlichen Waffenhändlers entscheiden wird.

Der Vorgang ist ein Warnsignal: Die Digitalisierung macht auch vor der Kriminalität nicht Halt. Wer heute eine Waffe will, muss nicht mehr in dunklen Hinterhöfen verkehren, sondern kann sie sich bequem von seinem Wohnzimmer aus bestellen – zumindest in Einzelteilen. Die Behörden zeigen mit dieser länderübergreifenden Aktion, dass sie diese neue Form des Waffenhandels ernst nehmen und die internationale Zusammenarbeit der Schlüssel zur Bekämpfung dieser Bedrohung ist. Die Ermittlungen gegen andere mögliche Abnehmer der selbstgebauten Waffen dauern an.


Quelle: europapress.es

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