
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Vorermittlungen: Sohn des Mango-Gründers wegen Tötung des Vater angeklagt
Untersuchungsrichterin sieht hinreichende Anhaltspunkte für vorsätzliche Tötung
Die Ermittlungen zum Tod von Isak Andic, dem Gründer der internationalen Modegruppe Mango, haben eine gravierende Wendung erfahren. Das Untersuchungsgericht Nr. 5 in Martorell hat den Sohn des Verstorbenen, Jonathan Andic, wegen eines Tötungsdeliktes angeklagt und seine vorläufige Inhaftierung angeordnet. Die Kaution von einer Million Euro wurde von der Verteidigung umgehend gezahlt, sodass Andic nach seiner Festnahme am Dienstagmorgen wieder freikam. Er muss seinen Pass abgeben, das Land nicht verlassen und sich wöchentlich dem Gericht stellen.
In einer ausführlichen Verfügung, wie aus Gerichtsunterlagen bekannt ist, führt Richterin Raquel Nieto Galván eine Reihe von Indizien auf, die den Tod des 73-jährigen Unternehmers am 14. Dezember 2025 bei einer Wanderung in Collbató nicht als Unfall, sondern als Ergebnis einer "aktiven und vorsätzlichen Teilnahme" seines Sohnes Jonathan darstellen.
Widersprüche in den Aussagen und vorangegangene Besuche
Ein wesentlicher Punkt der Ermittlungen sind laut dem Gerichtsdokument Widersprüche in Jonathan Andics Aussagen vor der Polizei (Mossos d'Esquadra). In seiner ersten Aussage nach dem Tod seines Vater beschrieb er, dass er etwa fünf Meter vor Isak Andic gegangen sei, sein Vater sich zum Fotografieren stoppte und er dann nur einen Steinfall, einen rollenden Körper und einen Aufschlag mit Stöhnen gehört habe.
In einer zweiten Aussage am 31. Dezember 2025 gab er an, dass sein Vater das Mobiltelefon nur zu Beginn des Weges benutzt habe und es danach nicht wieder hervorgeholt habe – eine Angabe, die die Polizei bestätigen konnte, da das Telefon in der vorderen Hosentasche des Verstorbenen gefunden wurde. Er behauptete ebenfalls, eine gute Beziehung zu seinem Vater gehabt zu haben und dass seine Ablösung aus der operativen Führung der Mango-Männerlinie keine familiären oder professionellen Probleme verursacht habe. Polizeibefragungen mehrerer Zeugen ergaben jedoch Hinweise auf eine tatsächliche Krise aufgrund dieser Unternehmensänderung.
Ein weiterer ermittlungstechnischer Hinweis ist, dass Jonathan Andic den Weg in Collbató laut polizeilichen Erkenntnissen an drei verschiedenen Tage – dem 7., 8. und 10. Dezember – abgelaufen hatte, nicht nur einmal zwei Wochen vor dem Ereignis, wie er ursprünglich gegenüber den Beamten angegeben hatte.
Forensische Analyse: Spuren und Verletzungen deuten auf keinen einfachen Sturz
Die Ermittlungen schlossen auch eine forensische und fotografische Analyse durch die Bergungseinheit der Mossos ein. Diese ergab, dass die Fußspur am Punkt des Absturzes, die von Isak Andic sein soll, nur entstehen konnte, wenn die Sohle seines Schuhs mindestens vier Mal in beide Richtungen bewegt wurde – ein Indiz gegen einen einfachen, einmaligen Ausrutscher. Der Weg selbst wurde als ohne besondere Schwierigkeiten beschrieben, und die Distanz zwischen Vater und Sohn sei mit drei bis vier Metern so gering, dass Jonathan den Sturz "ohne jeden Zweifel sehen konnte".
Das gerichtsmedizinische Befund geht laut Verfügung noch weiter. Es beschreibt die Verletzungen als Folge einer Bewegung, "wie wenn man sich mit den Füßen voran in eine Rutschbahn gleiten lässt": Alle Verletzungen seien auf der rechten Seite und in aufsteigender Richtung. Das Fehlen von Abwehrverletzungen an den Handflächen schließt aus, dass der Sturz durch einen Ausrutscher auf einem Stein oder einen Fall nach vorne verursacht wurde.
Motivation: Konflikte um Geld, Testament und eine "Obsession"
Die Ermittlungen konzentrierten sich auch auf die familiären Dynamiken. Aus der Analyse des Mobiltelefons des Beschuldigten durch die Polizei zieht die Richterin den Schluss auf ein "hasserfülltes" Verhältnis Jonathan Andics zu seinem Vater und eine "Obsession für Geld", die bis zu der Bitte um eine "Lebens-Erbschaft" führte. Isak Andic sei, laut der polizeilichen Interpretation dieser Kommunikation, gezwungen worden, diese zu akzeptieren, um die Beziehung zu seinem Sohn zu erhalten.
Ein wesentlicher Konfliktpunkt war, dass Jonathan Andic seit 2024 weiß, dass sein Vater sein Testament ändern wollte, um eine Hilfsstiftung für bedürftige Personen zu gründen. Isak Andic habe, so die Darstellung in der Verfügung, die Wanderung, auf der er ums Leben kam, als Möglichkeit zur Versöhnung mit seinem Sohn akzeptiert.
Ein weiteres polizeiliches Indiz ist der Verlust eines Mobiltelefons von Jonathan Andic "unter ungewöhnlichen Umständen" am 25. März 2025, nach einer kurzen Reise nach Quito. Das Gerichtsdokument stellt fest, dass das Datum des Verlustes des alten Geräts mit Medienberichten über die Wiederaufnahme der Ermittlungen korreliert.
Festnahme, Kaution und Reaktion der Familie
Jonathan Andic wurde am frühen Morgen des 19. Mai 2026 in seinem Wohnsitz durch zwei Zivilbeamte der Mossos festgenommen und in Handschellen zur Polizeistation von Martorell gebracht. Nach anwaltlicher Beratung und einer zunächst verweigerten Aussage wurde er zum Gericht transportiert, wo er erneut handschellen und unter großem Medieninteresse vorgestellt wurde. Die gerichtliche Entscheidung zur vorläufigen Inhaftierung erfolgte sieben Stunden nach der Festnahme.
Die Familie Andic sowie der Verteidiger Cristóbal Martell haben nach der Entscheidung die Unschuld von Jonathan Andic bekräftig. Sie sehen in dem nun folgenden Verfahren die Chance, seine "absolute Unschuld" zu beweisen. Martell bezeichnet die "Konstruktion eines Tötungsdeliktes" als "inkohärent und vor allem stigmatisierend für einen unschuldigen Mann". In seiner Gerichtsvorführung antwortete Jonathan Andic nur auf Fragen seines Anwalts, mit zahlreichen einsilbigen Antworten, wie Quellen aus der Verhandlung berichten. Die Verteidigung argumentiert, dass sie aufgrund der erst am Dienstag aufgehobenen Aktengeheimhaltung keine Vorbereitung ermöglicht hatte.
Jonathan Andic bleibt Vice President des Verwaltungsrats und Eigentümer von etwa einem Drittel der Mango-Gruppe, ist jedoch seit seinem Ausscheiden aus der operativen Führung der Männerlinie nicht mehr im täglichen Geschäft involviert.
Quelle: diariodemallorca.es