
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Viva Suecia vor dem größten Konzert ihrer Karriere
Ein Abend, der alles verändert
Es gibt Momente, da wird aus einer Band mehr als nur eine Gruppe von Musikern – sie wird zum Phänomen. Viva Suecia steht genau vor so einem Augenblick. Am 17. Oktober wollen die vier Murcianer im Espacio Norte vor über 20.000 Menschen spielen. Der Auftritt ist seit Monaten ausverkauft, ein Jahr im Voraus, wie Sänger Rafa Val staunend zugibt: „Es übersteigt mein Verständnis, dass ein Jahr vorher 20.000 Tickets in unserer Stadt verkauft sind.“ Wer jetzt noch zweifelt, dass diese Band längst die Herzen ihrer Heimat erobert hat, dem ist nicht mehr zu helfen.
Der Bassist Jess Fabric spricht offen aus, was alle denken: „Das wird ein Vorher und Nachher für die Band.“ Man mag einwenden, dass solche Sätze oft nur wohlfeile Werbung sind. Doch bei Viva Suecia haben sie Gewicht. Vom ersten Konzert vor 70 Menschen in Murcia bis zu dieser Veranstaltung – dazwischen liegen Jahre voller Entbehrungen, Fahrten im geteilten Auto und Auftritte in leeren Bars. Wer diese Reise kennt, weiß, dass dieser Abend keine Selbstverständlichkeit ist, sondern das Ergebnis eines langen Weges.
Keine Effekthascherei, sondern Substanz
Natürlich könnte man einwenden: große Show, große Töne. Doch die Band kündigt für den Abend keine monumentalen Inszenierungen an, sondern etwas viel Wertvolleres: musikalische Dichte. „Wir spielen Songs aus unserer gesamten Karriere, mit kleinen Verzierungen“, verrät Fabric. Dazu gesellen sich Überraschungen, die das Publikum früher kommen lassen sollen – mehr will die Band nicht preisgeben. Klar ist nur: Hier geht es nicht um bloße Nostalgie, sondern um eine Bestandsaufnahme des eigenen Schaffens.
Die Musiker haben gelernt, mit dem Druck umzugehen. Val beschreibt das Gefühl vor Auftritten: „Mir fehlt die Luft, ich denke, gleich fällst du die Treppe runter.“ Genau diese Ehrlichkeit unterscheidet Viva Suecia von vielen anderen Bands, die auf Bühnenperformances setzen statt auf Authentizität. Cantúa zitiert passend die eigene Zeile: „Nichts ist so wichtig.“ Wer solche Zweifel offen benennt, macht sich angreifbar – und gerade deshalb sympathisch.
Das Phänomen Murcia
Doch warum ausgerechnet Murcia? Die Region gilt nicht gerade als Epizentrum spanischer Rockmusik. Die Band hat darauf eine klare Antwort: „Hier funktioniert ein Netzwerk, das Künstler unterstützt, auch wenn es bergab geht“, erklärt Fabric. Kunst werde nicht nach Verwertbarkeit beurteilt, sondern nach Substanz. Val ergänzt: „Wir geben uns keine wichtigere Rolle, als wir haben.“ Diese Bescheidenheit mag in einer Branche, die von Selbstvermarktung lebt, naiv wirken – doch sie ist der Grund, warum Murcia so viele talentierte Musiker hervorbringt.
Die Zahlen geben der Band recht. Als die Tour zum Album „Hecho en tiempos de paz“ startete, war die Arena in Madrid der Beginn einer Reise, die nun in Murcia ihren Höhepunkt findet. Zu verdanken ist das auch Jorge und Fran Guirao, ehemalige Mitglieder von Second, die die Band auf der Tour unterstützen und ihr neue Impulse verliehen haben. „Das ist Murcia“, sagt Cantúa mit einem Augenzwinkern – ein Netzwerk, das zusammenhält.
Mehr als ein Konzert
Die Band macht aus dem Abend ein Ereignis für die ganze Stadt. Schon Tage vorher wird Miaja Bar zum Pop-up-Treffpunkt für Fans. Die Brauerei Estrella Levante verlost nicht nur Karten für eine Gesprächsrunde mit den Musikern, sondern auch einen exklusiven Meet & Greet für drei Gewinner. Am Vortag malt der Künstler El Tipo Raro, Gestalter des aktuellen Albumcovers, Bierflaschen – eine liebevolle Hommage an das Werk.
Ganz pragmatisch denkt die Stadtverwaltung mit: Busse und Straßenbahn werden verstärkt, Taxiunternehmen haben zusätzliche Lizenzen angefordert. Der öffentliche Nahverkehr soll Tausende Besucher sicher zu und von dem Gelände bringen. Und wer noch eine Karte ergattern will, hat im Escape Room auf der Plaza de Santo Domingo eine Chance – dort verlost die Firma ElPozo Tickets.
Selbst die Band verneigt sich vor ihrer Heimat: Für die Aktionstage nennt sie sich kurzerhand „Viva Murcia“. Schlagzeuger Fernando Campillo bringt es auf den Punkt: „Wir tragen die Flagge Murcias mit maximalem Stolz durchs Land.“ Sollte nach diesem Abend noch jemand bestreiten, dass hier eine echte Liebesbeziehung zwischen Band und Stadt besteht, bleibt nur eins zu sagen: Seht selbst. Der 17. Oktober wird zeigen, was aus Leidenschaft und Beharrlichkeit entstehen kann.
Quelle: europapress.es