Virtuelle Zäune gegen Feuer und Hofsterben

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Málaga

Virtuelle Zäune gegen Feuer und Hofsterben

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Digitale Hirten: Wie Hightech-Collars die Landwirtschaft revolutionieren

Die Provinzverwaltung von Málaga und das andalusische Landwirtschaftsministerium loten neue Wege für die Tierhaltung aus. Bei einem Treffen im Kulturzentrum La Térmica stand eine norwegische Innovation im Mittelpunkt, die das Potenzial hat, die Arbeit von Schäfern und Ziegenbauern grundlegend zu verändern: das virtuelle Einzäunen per GPS.

Stromstoß statt Stacheldraht

Vorgestellt wurde das System „Nofence“, das bereits in über 10.000 Betrieben weltweit zum Einsatz kommt. Die Technologie funktioniert über spezielle Halsbänder, die per Satellit und GPS die Position der Tiere erfassen. Nähert sich ein Tier einer virtuellen Grenze, ertönt zunächst ein Warnton – ignoriert es das Signal, folgt ein kurzer, schwacher Stromimpuls. Die Tiere lernen schnell, die unsichtbaren Grenzen zu respektieren. Die Hersteller versprechen eine hohe Zuverlässigkeit: In Gebieten ohne Mobilfunknetz kommunizieren die Collars untereinander per Bluetooth, die Stromversorgung übernimmt ein kleines Solarpanel.

Feuerschutz durch gezieltes Abgrasen

Der Kern des Projekts ist jedoch nicht nur der Komfort für die Landwirte. Entscheidend ist der Nutzen für den Waldbrandschutz. Durch den gezielten Einsatz der Herden lassen sich Unterholz und trockenes Gras in gefährdeten Zonen abweiden, ohne dass teure und aufwendige Zäune errichtet werden müssen. Das schafft natürliche Brandschneisen und reduziert die Brandlast in den Wäldern erheblich. Die Provinzverwaltung will die Methode nun über den spanischen Gemeindetag FEMP bewerben, um öffentliche Flächen kostengünstig und nachhaltig pflegen zu können.

Pionierarbeit in Benarrabá

Ein Beispiel für die Praxis liefert die Gemeinde Benarrabá. Dort setzt man seit fünf Monaten auf eine Herde von 50 Ziegen, die mit den digitalen Halsbändern ausgestattet ist und ein 33 Hektar großes Waldgebiet beweidet. Bürgermeister Silvestre Barroso berichtete bei dem Termin von deutlichen Kosteneinsparungen im Vergleich zur herkömmlichen Beweidung.

Hoffnungsträger für den Berufsstand

Neben dem ökologischen Aspekt spielt die Technologie auch eine soziale Rolle. Die digitale Steuerung erleichtert die tägliche Arbeit erheblich: Die zugehörige App zeigt nicht nur den Aufenthaltsort der Tiere in Echtzeit, sondern meldet auch, ob sich ein Tier verirrt hat oder sich nicht mehr bewegt. Zudem liefert sie Daten zur Veterinärmedizin, etwa zur Erkennung der Brunst bei Rindern. Die Hoffnung der Behörden: Diese Erleichterungen könnten den Beruf des Hirten wieder attraktiver machen und so dem grassierenden Nachwuchsmangel in der Branche entgegenwirken. Während die Technik im Norden Spaniens sowie in den andalusischen Provinzen Jaén und Huelva bereits etabliert ist, steht sie in der Provinz Málaga noch am Anfang.

Wie die Zeitung SUR berichtet, war die Veranstaltung Teil einer Reihe von Informationsgesprächen, um die Technologie bei lokalen Erzeugern bekannt zu machen. Neben Vertretern der Entwicklungsgruppe GDR Guadalhorce und der Ziegenzucht-Vereinigung Cabrama nahmen auch Landwirte aus Casabermeja an dem Treffen teil, um sich über die Einsatzmöglichkeiten zu informieren. Die Nachfrage nach alternativen Weidekonzepten scheint in der Region also durchaus vorhanden zu sein.


Quelle: europapress.es

Mehr aus Málaga & Andalusien