Vier Festnahmen nach Paketboten-Ausbeutung

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Vier Festnahmen nach Paketboten-Ausbeutung

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Falsche Versprechen, realer Missbrauch

Die spanische Nationalpolizei hat vier mutmaßliche Mitglieder einer kriminellen Vereinigung festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, Migranten in prekären Verhältnissen systematisch als Fußboten für Paketlieferungen ausgebeutet zu haben. Wie die Polizeibehörde von Madrid mitteilte, handelt es sich bei den Festgenommenen um drei Männer und eine Frau.

Rekrutierung über soziale Kanäle

Die Ermittlungen begannen, nachdem Hinweise auf eine Organisation bekannt wurden, die für die sogenannte „letzte Meile“ der Paketzustellung Arbeitskräfte anwarb. Die Masche der Täter: Über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und sogar in Kirchengemeinden sprachen sie gezielt Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere an. Diese befanden sich laut Polizei in einer besonders verletzlichen Position, um faire Arbeitsbedingungen einzufordern.

In Schein-Vorstellungsgesprächen wurden den Betroffenen feste Arbeitsverträge und Unterstützung bei der Regularisierung ihres Aufenthaltsstatus in Aussicht gestellt. Die Realität sah jedoch anders aus. Die Verantwortlichen nutzten die Notlage der Opfer bewusst aus – so sollen sie sogar Minderjährige beschäftigt oder Fahrer ohne Führerschein auf die Straßen geschickt haben, was eine erhebliche Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellte.

Prozedere mit verteilten Rollen

Die Ermittler konnten die Arbeitsweise des Netzwerks nachvollziehen. Nach der Zusage wurden Treffpunkte vereinbart, an denen die Opfer eingesammelt wurden – in denselben Lieferwagen, die später für die Zustellung genutzt wurden. An abgelegenen Plätzen erhielt jeder „Andarín“ einen großen Handwagen zugeteilt. Die Strecken führten die Arbeiter oft mehrmals täglich zu diesen Umschlagplätzen, um ihre Karren neu zu beladen.

Die Logistik funktionierte arbeitsteilig: Ein Mitglied der Bande, das über eine Zugangsberechtigung für Verteilzentren verfügte, übernahm dort die Waren. Andere Komplizen, die keinen Zutritt hatten, steuerten die Fahrzeuge. Die Zustellung erfolgte letztlich durch die ausgebeuteten Fußboten – unabhängig von Regen oder Sturm, selbst wenn die Pakete dadurch Schaden nahmen.

Lohn der Schinde

Für ihre Schufterei erhielten die Betroffenen einen Hungerlohn: 70 Cent pro zugestelltem Paket. Die Schichten dauerten bis zu 14 Stunden, an sechs Tagen in der Woche. Die Drahtzieher behielten die Einnahmen vollständig ein, da die Zustell-Apps auf ihre persönlichen Konten liefen. Den „Andarines“ wurde nur ein Bruchteil ausgezahlt.

Nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen wurden die vier Beschuldigten der Justiz übergeben. Die Vorwürfe wiegen schwer: Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Arbeitsausbeutung und die Begünstigung illegaler Einwanderung. Der Fall zeigt erneut, wie verwundbar Migranten ohne legalen Status auf dem Arbeitsmarkt sind und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind.

Wie die Polizei weiter ausführte, war die Ausbeutung von „Andarines“ eine bislang wenig bekannte, aber offenbar wachsende Form moderner Sklaverei im Schatten der boomenden Paketdienste.


Quelle: europapress.es

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