
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Vermieter mit vielen Wohnungen verlangen mehr
Größe schlägt Lage: Die neue Logik auf dem Mietmarkt
Die Debatte um steigende Mietpreise kennt viele vermeintliche Schuldige: Zinsen, Baukosten, Zuwanderung. Doch nun legt eine Studie den Finger in eine andere, unbequeme Wunde. Nicht nur die Lage einer Wohnung bestimmt ihren Preis – sondern auch die Anzahl der Wohnungen, die der Vermieter besitzt. Wer viel hat, verlangt mehr. Das klingt banal, ist aber ein handfester Skandal, den das Wirtschaftsforschungsinstitut EsadeEcPol nun in Zahlen gegossen hat.
Der Multi-Vermieter-Bonus: 4,5 Prozent mehr fürs Portemonnaie
Wie das spanische Nachrichtenportal 20minutos berichtet, zeigt die Analyse: Haushalte mit fünf oder mehr vermieteten Wohnungen kassieren im Schnitt 4,5 Prozent höhere Mieten als Kleinvermieter mit nur einer einzigen Immobilie. Bei einem Durchschnittspreis von 700 Euro im Monat summiert sich das auf knapp 300 Euro pro Jahr – Geld, das Mietern entzogen wird, nur weil ihr Vermieter ein größeres Portfolio hat.
Besonders perfide ist die zeitliche Entwicklung. Im Jahr 2019 war der Preisunterschied zwischen Groß- und Kleinstvermieter statistisch noch vernachlässigbar. Gerade einmal 0,8 Prozent betrug die Differenz. Vier Jahre später klafft die Schere bei 3,5 Prozent auseinander. Die Studie zerstreut auch den naheliegenden Einwand, die Großvermieter säßen eben nur in den teuren Lagen. Das Gegenteil ist der Fall: Ist die Wohnung eines Multi-Vermieters über verschiedene Gemeinden verstreut, steigt der Preisaufschlag sogar – auf 2,8 Prozent. Konzentriert sich das ganze Portfolio dagegen in einem einzigen Stadtviertel, zahlen Großvermieter-Mieter sogar 3,8 Prozent weniger als bei einem Einzelkämpfer. Das bedeutet: Die höhere Miete ist keine Frage des Standorts, sondern der Geschäftsstrategie.
Renovierung als versteckte Abzocke
Am deutlichsten wird die Ungleichbehandlung bei Vertragsverlängerungen. Wer bei einem Vermieter mit mehreren Wohnungen wohnt, erlebt im Schnitt eine Mieterhöhung von 5,2 Prozent. Bei einem Vermieter mit nur einer Wohnung sind es nur 3,8 Prozent. Ab vier Wohnungen im Portfolio wird dieser Unterschied signifikant – ein klarer Beleg, dass hier nicht der Markt, sondern die Marktmacht wirkt.
Die Autoren der Studie weisen selbst darauf hin, dass diese „Prima“ für Multibesitzer etwa ein Fünftel der gesamten Mietpreissteigerungen zwischen 2019 und 2023 erklärt. Das klingt nach einer Steilvorlage für die Politik – doch die Forscher warnen gleichzeitig vor überzogenen Hoffnungen. Selbst wenn man diese Preisaufschläge komplett verbietet, wäre der Mietmarkt noch weit vom Stand von 2019 entfernt.
Trotzdem: Wer die soziale Frage des Wohnens ernst nimmt, kommt an dem Befund nicht vorbei. Es geht nicht um die Gier einzelner Großkonzerne, sondern um die Systematik des Kleinteils. Die Logik „Viel hilft viel“ darf nicht zum Freibrief für überhöhte Mieten werden. Die Studie liefert endlich eine differenzierte Datengrundlage, um den Diskurs zu versachlichen – und die Verhandler auf der Gegenseite wissen fortan, dass ihre Größe kein Naturgesetz, sondern ein Hebel ist, den man justieren kann.
Quelle: Studie des Zentrums für Wirtschaftspolitik EsadeEcPol (EsadeEcPol), veröffentlicht am Donnerstag; berichtet durch 20minutos.
Quelle: 20minutos.es