
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Urtasuns Abrechnung mit den Bündnisverweigerern
Eine Frage der Glaubwürdigkeit
Es ist ein bemerkenswertes Eingeständnis, das Ernest Urtasun da im katalanischen Fernsehen macht. Der Kulturminister und Nummer zwei der linken Plattform „Frente Amplio“ räumt ein, dass Oriol Junqueras und seine ERC nie ernsthaft an einem Bündnis mit den Comuns interessiert waren. Diese Erkenntnis kommt spät, aber sie kommt deutlich: Was wie eine verpasste Chance der historischen Linken wirkte, entpuppt sich als schlichte Absichtserklärung der Republikaner, den eigenen Laden zu bedienen.
Die Entlarvung des Vorzeige-Projekts
Wer die Entwicklung der spanischen Linken verfolgt hat, den überrascht diese Nachricht kaum. Dass Gabriel Rufián, der ewige Provokateur aus den Reihen der Republikaner, sich nun als Spitzenkandidat präsentiert und dabei so tut, als hätte es nie Gespräche mit den Comuns gegeben, passt ins Bild einer Partei, die sich in der politischen Bedeutungslosigkeit einzurichten droht. Urtasuns Worte sind dabei mehr als nur Spitze – sie sind die Bestätigung dessen, was Eingeweihte längst wussten.
Podemos' Schweigen ist ein Statement
Doch der eigentliche Skandal liegt woanders. Während Urtasun die mangelnde Kompromissbereitschaft der ERC konstatiert, richtet sich sein Blick unmissverständlich auf die eigene Klientel. Dass Podemos sich weigert, am „Frente Amplio“ teilzunehmen, ist ein Armutszeugnis für eine Formation, die einst antrat, um die Linke zu einen. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die Morados müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie tatsächlich an progressiven Mehrheiten interessiert sind oder nur an der eigenen Bedeutung.
Ein Bündnis mit angekratzter Fassade
Der Minister mag betonen, dass man mit 15 Formationen eine beeindruckende Einheit geschmiedet habe – doch die Realität ist ernüchternd. Die spanische Linke zersplittert weiter, während die Rechte geschlossen auftritt. Dass ausgerechnet die Katalanen-Frage und der Dauerkonflikt um die Zuständigkeiten in der Verkehrspolitik die Widersprüche der Regierungskoalition offenlegen, ist dabei kein Zufall. Wenn sogar Urtasun einräumen muss, das Transportministerium sei „nicht auf der Höhe der Zeit“ gewesen, dann zeigt das ein Regierungsbündnis, das sich inhaltlich längst überholt hat.
Die Kritik von Alberto Núñez Feijóo am linken Bündnis mag opportunistisch sein, doch sie sitzt. Während Urtasun die Bedeutung eines guten Ergebnisses für die progressive Mehrheit betont, offenbart seine eigene Analyse ein tiefes Misstrauen zwischen den Akteuren. Die spanische Linke kämpft nicht gegen die Rechte – sie kämpft gegen sich selbst.
Quellen: Europapress, TV3
Quelle: europapress.es